Börsenguru Soros sieht schwarz

«Wenn ich mir die Finanzmärkte anschaue, dann gibt es dort ernste Probleme», sagt der legendäre US-Investor. Wie Analysten den Crash erklären, und worauf Anleger nun setzen.

«Das erinnert mich an die Krise, die wir 2008 hatten»: George Soros.

«Das erinnert mich an die Krise, die wir 2008 hatten»: George Soros. Bild: Reuters

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George Soros fühlte sich bereits an die Anfänge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise erinnert. «Ich würde sagen, das wächst sich zu einer Krise aus», sagte Soros auf einer Veranstaltung in Sri Lanka. «Wenn ich mir die Finanzmärkte anschaue, dann gibt es dort ernste Probleme. Das erinnert mich an die Krise, die wir 2008 hatten.»

In Shanghai wurde der Handel am Donnerstag wegen eines siebenprozentigen Kursrutsches nach nur einer halben Stunde automatisch abgebrochen. So kurz war eine Börsensitzung in China noch nie.

«Es gab offenbar Panikverkäufe, mit denen Investoren ihre Verluste begrenzen wollten, bevor die vorgeschriebenen Mechanismen in Kraft treten», erklärte der Händler Gerry Alfonso von Shenwan Hongyuan Securities in Peking. Das Umfeld sei fragil: Schwache volkswirtschaftliche Daten kämen zusammen mit der Angst, dass man bei einer Marktkorrektur seine Papier nicht verkaufen könne.

Börsenbeben in China erfasst die Weltmärkte

Die Kurseinbrüche an Chinas Börsen wirbeln die weltweiten Finanzmärkte durcheinander. Der Schweizer Leitindex SMI gab am Donnerstagmorgen fast 3 Prozent nach und rutschte unter die Marke von 8400 Punkten auf 8386 Punkte. Der deutsche Leitindex Dax und der europäische Index EuroStoxx50 brachen um jeweils mehr als drei Prozent ein. Der Dax rutschte erstmals seit Oktober wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10'000 Punkten.

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Auslöser für die jüngste Verkaufswelle war die erneuten Abwertung des chinesischen Yuan. Sie schürte die Furcht vor einer weiteren Abkühlung der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft. «Es besteht das Risiko für die chinesische Administration, dass sie das Vertrauen, das ihr bislang für die zahllosen Reformschritte entgegengebracht wurde, verspielt», warnten Analysten. «Dieses Mal dürften zusätzliche geld- und fiskalpolitische Massnahmen zur Stimulierung des Wachstums allein nicht ausreichen.»

Mitte Januar legt China Zahlen zum Wirtschaftswachstum im vierten Quartal vor. Börsianer befürchten, dass das von der Regierung angepeilte Ziel von sieben Prozent wie im Vorquartal verfehlt wird.

Ungewissheit über Yuan-Abwertung

«Die Angst vor der Ungewissheit ist derzeit das grösste Risiko für den Yuan-Kurs», schrieben die Experten der Oversea-Chinese Banking Corporation in einem Kommentar. Es sei unklar, wie stark die People's Bank of China (PBoC) die eigene Währung abwerten lassen wolle.

Ein rückläufiger Wechselkurs macht Waren chinesischer Unternehmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger, erhöht gleichzeitig aber die Gefahr eines Abwertungswettlaufs mit anderen Exportnationen wie Japan oder Deutschland. Mit ihrer aktuellen Wechselkurspolitik fördere die PBoC zudem die Erwartung eines kontinuierlich fallenden Yuan-Kurses, warnten die Experten der ANZ Bank. «Dies verstärkt die Kapitalflucht und führt zu starker finanzieller Instabilität.»

Auch Chinas Devisenberg schmilzt. Wie die Notenbank in Peking mitteilte, betrugen die Währungsreserven im Dezember 3,33 Billionen US-Dollar. Das waren 108 Milliarden Dollar weniger als im Vormonat und der niedrigste Stand seit drei Jahren.

Rohöl kostet so wenig wie zuletzt vor zwölf Jahren, weil China einer der grössten Rohstoffabnehmer ist. Auch andere Rohstoffe wie Industriemetalle oder Agrarprodukte gerieten unter Druck, weil eine wirtschaftliche Abkühlung in China die Nachfrage belasten wird. Währungen von Ländern, die stark in der Rohstoffproduktion engagiert und wirtschaftlich mit China verflochten sind, gaben ebenso nach. Das galt besonders für den Australischen sowie den Kanadischen Dollar.

Gold und Staatsanleihen als sichere Häfen

Vor diesem Hintergrund waren die als «sichere Häfen» geltenden Anlageformen gefragt: Der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) kletterte zuletzt auf 1096 US-Dollar. Seit dem Jahreswechsel ist der Goldpreis damit um etwa 35 Dollar gestiegen.

Auch Staatsanleihen von als solide angesehenen Ländern wie Deutschland, Grossbritannien oder der Schweiz wurden von den Anlegern angesteuert. Am Devisenmarkt profitierte vor allem der japanische Yen, der ebenfalls als Rückzugsort in Krisenzeiten gilt. Zum Dollar stieg der Yen auf den höchsten Stand seit Ende August, zum Euro auf den höchsten Stand seit Mitte April. Der Schweizer Franken war dagegen kaum als Fluchtwährung gefragt. (cpm/sda)

(Erstellt: 07.01.2016, 12:49 Uhr)

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