Wirtschaft

Bücher bis zu 42 Prozent zu teuer

Von David Vonplon. Aktualisiert am 04.03.2011 53 Kommentare

Buchhändler kaufen vermehrt in Deutschland ein – und geben Kunden Währungsgewinne nicht weiter.

Die Kasse klingelt: Der tiefe Eurokurs bringt Verlagen wie Buchhändlern Sondereinnahmen.

Die Kasse klingelt: Der tiefe Eurokurs bringt Verlagen wie Buchhändlern Sondereinnahmen.
Bild: Keystone

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Man hat sich daran gewöhnt: Buchhändler verdecken mit der aufgeklebten Preisetikette die Europreise auf der Buchrückseite. Der Kunde soll nicht sehen, wie viel günstiger der Kauf des Buchs im Ausland wäre. Wer die Etiketten entfernt, stellt fest, dass Bücher in der Schweiz gegenüber Deutschland viel zu teuer sind. Das verdeutlicht auch ein TA-Preisvergleich von 15 Büchern aus diversen Sparten.

Ob Neuerscheinung, Bestseller oder Kinderbuch: Die Umrechnungskurse betragen beim aktuellen Eurokurs von Franken 1.28 immer noch zwischen 1.50 und 1.82 – und das, nachdem der Buchhandel bereits letzten Herbst eine Preissenkung von 10 Prozent durchgeführt hatte. Die gebundene Ausgabe von Hennig Mankells «Der Chinese» kostet in Deutschland 24.90 Euro (das sind 31.90?Fr.). In der Schweiz beträgt der empfohlene Verkaufspreis 42.90 Franken. Das entspricht einem Umrechnungskurs von 1.72. Für Pete Evans Kochbuch «Mann am Herd» zahlt der Kunde in Deutschland 19.95 Euro (25.50 Fr.), in der Schweiz dagegen 34.90 Franken; der Kurs: 1.74.

Deutsche Verlage profitieren

Laut Dani Landolf, Präsident des Buchhändler- und Verlegerverbands ist eine Preisdifferenz von 15 bis 20 Prozent gegenüber Deutschland vertretbar; diese würde dem Kaufkraftunterschied zwischen den Ländern entsprechen. «Höhere Endverkaufspreise halten wir für kontraproduktiv.» Im TA-Preisvergleich erfüllen damit nur gerade 3 von 15 Büchern dieses Kriterium.

Von der Euroschwäche profitieren vorab die ausländischen Verlage: Sie setzen die Referenzpreise fest und nehmen die Währungsgewinne ein. In der Fachwelt sorgt das für Ärger. In Deutschland würden sich die Verlage um den Schweizer Markt foutieren, schreibt Carlo Bernasconi, Chefredaktor des Fachmagazins «Schweizer Buchhandel», in der aktuellen Ausgabe. Ihnen sei es egal, ob die Frankenpreise den real existierenden Währungsverhältnissen entsprächen.

Doch auch immer mehr Schweizer Buchhändler wollen sich ein Stück vom lukrativen Geschäft abschneiden: Sie kaufen vermehrt direkt in Deutschland bei Grossverteilern ein, statt wie bisher bei einheimischen Zwischenhändlern. Das führt zu unsinnigen Büchertransporten: Schweizer Verlage liefern ihre Bücher deutschen Grossverteilern aus – und Schweizer Buchhändler kaufen diese dort günstig ein.

Kurzsichtige Preispolitik

Nicht immer profitiert der Kunde davon: «Ich kenne Buchhändler, die damit erzielte Währungsgewinne nicht weitergeben», sagt Martin Bosshard von der Volkshaus-Buchhandlung in Zürich. Statt die Preise zu senken, würden sie Bücher zum empfohlenen Ladenpreis verkaufen – oder sogar darüber.

Am stärksten nutzen die grossen Filialisten die attraktiven Einkaufskonditionen in Deutschland aus: Laut gut informierten Quellen soll etwa der Branchenprimus Orell Füssli über 75 Prozent seiner Bücher in Deutschland einkaufen. Zugleich wehre sich die führende Schweizer Buchhandelsgruppe «mit Händen und Füssen» gegen Preissenkungen, wie ein Brancheninsider sagt.

Hochpreispolitik als Bumerang

Laut András Németh, Geschäftsleitungsmitglied von Orell Füssli legen die Verlage den Referenzpreis fest – und nicht die Buchhändler. Er stellt aber weitere Preisanpassungen nach unten in Aussicht, wenn der Eurokurs länger so tief bleibt. Dass Bücher hierzulande teurer seien, rechtfertigt Németh mit der Kostenstruktur: Diese beinhalte höhere Personal- und Mietkosten.

Für die Buchbranche könnte sich die Hochpreispolitik allerdings als Bumerang erweisen. Bosshard befürchtet: «Damit werden die Kunden früher oder später in die Arme der grossen ausländischen Onlinehändler wie Amazon getrieben.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2011, 22:07 Uhr

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53 Kommentare

Urs Reichlin

04.03.2011, 07:38 Uhr
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Ich tätige meine Bucheinkäufe bei Schweizer Buchhändlern und akzeptiere dabei gerne einen höheren Preis (Ladenmiete, Personalkosten). Nur: Wenn die Preise notorisch 30 % höher liegen als bei Amazon, fällt es mir schwer, meine Solidarität aufrecht zu erhalten. Vorschlag: 15 % Preisaufschlag, nicht mehr. Antworten


Peter Gut

04.03.2011, 07:52 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Und immer das (falsche) Totschlag-Argument der hohen Personalkosten. Im Fall von Orell-Füssli trifft dies vor Allem auf das obere Kader zu.... Aber Hauptsache der kleine Büetzer bekommt Angst, dass man ihm das Wenige auch noch nehmen könnte und gibt "der Wirtschaft" was sie will.
Ich kauf auf jeden Fall meine Bücher dort, wo ich will!
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