Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts

Möglicher Euro-Austritts Griechenlands: Eine Arbeitsgruppe des Bundes trifft laut Nationalbankpräsident Thomas Jordan Notfallvorbereitungen. Eine Massnahme wären Kapitalverkehrskontrollen.

«Die Situation in den letzten Wochen hat sich verschlechtert»: SNB-Präsident Thomas Jordan. (9. Januar 2012)

«Die Situation in den letzten Wochen hat sich verschlechtert»: SNB-Präsident Thomas Jordan. (9. Januar 2012) Bild: Reuters

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Angesichts der anhaltenden Krise in Griechenland wird immer offener über ein Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion nachgedacht. Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), glaubt zwar nicht an den Zusammenbruch der Währungsunion. Dennoch prüft eine Taskforce Massnahmen für den Fall, dass sich die Eurokrise verschärft und Länder aus der Währungsunion austreten.

«Es sind Szenarien denkbar, in denen das gesamte europäische Bankensystem in Bedrängnis gerät», sagt er im Interview mit der «SonntagsZeitung». Die Folgen für Europas Wirtschaft wären massiv. Auch Spanien oder Portugal könnten in Mitleidenschaft gezogen werden, so Jordan. Das beinhaltete auch für die Schweiz und den Franken sehr hohe Risiken.

Kapitalverkehrskontrollen

Eine Taskforce legt deshalb Departementsvorsteherin Eveline Widmer-Schlumpf regelmässig Berichte über den aktuellen Stand der Dinge vor (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete ). «Eine Massnahme wären Kapitalverkehrskontrollen, also Vorkehrungen, die den Zufluss von Kapital in die Schweiz direkt beeinflussen», sagt Jordan.

Ausländer könnten nur noch begrenzt und unter Auflagen in der Schweiz investieren. Die Taskforce des Bundes, in der Jordan Mitglied ist, fokussiert auf diverse Instrumente zur Bekämpfung der Frankenstärke, die ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Schweizerischer Nationalbank (SNB) voraussetzen.

Mindestkurs auch «unter sehr widrigen Bedingungen»

Derzeit sei ein deutlicher Aufwertungsdruck auf den Franken zu beobachten. Jordan zur aktuellen Lage: «Die Situation in den letzten Wochen hat sich verschlechtert und ist viel unsicherer geworden».

Der Franken notiert nur noch knapp über dem Mindestkurs, was Zweifel an der Entschlossenheit der SNB weckt. Diese seien nicht berechtigt. «Wir werden auch in Zukunft selbst unter schwersten Bedingungen mit aller Konsequenz den Mindestkurs durchsetzen», erklärt Jordan. «Ich betone, selbst unter sehr widrigen Bedingungen.»

Angesichts der politischen Wirren in Griechenland gibt es auch in der Euro-Zone Planspiele für eine Zukunft ohne Griechenland. Die EU-Kommission und die EZB arbeiten EU-Handelskommissar Karel De Gucht zufolge an entsprechenden Notfall-Szenarien. (rbi/rub/sda)

(Erstellt: 26.05.2012, 23:34 Uhr)

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