China bereitet sich auf Währungskrieg vor

Das Währungsabkommen zwischen China und Japan ist der Beginn einer Zeitenwende. Auch Schweizer Politiker bringen sich in Stellung.

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Ganz langsam bereitet sich China darauf vor, den Yuan in die Schlacht zu schicken – in den Kampf um die Rolle als wichtigste Währung der Welt. Wer es bislang nicht gehört hat, der nimmt das Säbelrasseln seit gestern wahr: China meldete den Abschluss eines Währungsabkommens mit Japan. Künftig dürfen japanische Firmen von ihren chinesischen Kunden in Yuan kassieren, das so eingenommene Geld können sie in Devisenreserven oder in chinesische Staatsanleihen investieren. Statt in den USA, so müsste man ergänzen – dieses Abkommen ist eine Provokation im Wettbewerb um den Titel der Leitwährung.

Noch bricht der Kampf nicht los. Denn der Renminbi, die Volkswährung, ist gefesselt: Der Yuan ist nicht frei auf dem Markt erhältlich. Wer einer chinesischen Firma etwas verkauft oder ihr etwas abkauft, muss darum in den meisten Fällen die Ware gegen Dollar tauschen. Nur mit Indonesien, Singapur, Malaysia, Südkorea, Argentinien, Kasachstan, Neuseeland, Usbekistan und Weissrussland hatte China bislang Währungsabkommen abgeschlossen. Der Dollar ist an 85 Prozent aller Devisentransaktionen beteiligt, der Yuan nur an knapp 1 Prozent, wie Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigen.

Doch mit Japan öffnet sich China gegenüber der zweiten wichtigen Volkswirtschaft in Asien. «Dieses Abkommen ist wichtiger als alle anderen, die China bislang unterzeichnet hat», sagt Analyst Ren Xianfang von IHS Global Insight gegenüber Bloomberg. «Das bedeutet tatsächlich, dass der US-Dollar im pazifischen Raum weniger wichtig wird», schreibt die «New York Times». Noch vor wenigen Wochen hatte US-Präsident Barack Obama öffentlich gesagt, die USA wollten eine «grössere Rolle» in der Gestaltung des pazifischen Raumes spielen. Jetzt nähert sich China stattdessen seinem historischen Feind Japan an.

Schweizer Firmen sollen in Yuan handeln dürfen

Im Juni 2010 hat die chinesische Zentralbank angekündigt, sie werde den Kapitalmarkt langsam zu öffnen beginnen. Das Tempo kann sie weitgehend selbst bestimmen – obwohl die USA seit langem auf eine Aufwertung des Yuan drängen. Denn die chinesische Zentralbank sitzt auf rund 3000 Milliarden Dollar Reserven – ein Drittel der weltweiten Dollarreserven überhaupt. Peking diktiert so die amerikanische Politik mit: Es finanziert über Staatsanleihen die Schulden der USA und die Investitionsprojekte amerikanischer Unternehmen. China hat es in der Hand, den US-Dollar innert Kürze massiv einbrechen zu lassen, wenn es seine Reserven auf den Markt werfen würde. «Pekings Mega-Devisenreserven sind wie eine finanzielle Atombombe», bilanziert der Wirtschaftsjournalist Daniel Eckert, der in «Weltkrieg der Währungen» nachzeichnet, wie China den Aufstieg des Yuan zur Weltwährung plant.

Auch in der Schweiz beobachtet man die graduelle Öffnung Pekings – und man will vorne mit dabei sein, wenn die Mauern schliesslich fallen. Im Juni reichte FDP-Nationalrat Markus Hutter eine Motion ein, der Bundesrat solle mit China ein Währungsabkommen abschliessen – als erstes europäisches Land. Das senke die Wechselkursrisiken und die Wechselkurskosten für Schweizer Exporteure, argumentiert Hutter.

Der Bundesrat steht der Idee skeptisch gegenüber, wie er am letzten Freitag in seiner Stellungnahme zur Motion klarmachte. Mit einem Wechsel von Dollar zu Yuan werde das Wechselkursrisiko für Schweizer Unternehmen nicht kleiner, sondern potenziell grösser, heisst es: Weil die chinesische Währung noch immer kaum handelbar sei, könnten Unternehmen bei ungünstigen Kursentwicklungen nicht schnell reagieren und in andere Währungen wechseln. An dieser negativen Einschätzung, so lässt der Sprecher des Finanzdepartements heute ausrichten, habe sich trotz des Abkommens zwischen Japan und China nichts geändert. An einem Handel in Yuan seien primär die chinesischen Firmen interessiert. Doch den Nationalrat kümmerte das nicht: Er stimmte Hutters Motion diskussionslos zu. Nun liegt der Ball beim Ständerat.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.12.2011, 16:45 Uhr)

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