Wirtschaft

«Dafür werden wir einen hohen Preis zahlen»

Aktualisiert am 21.01.2012 65 Kommentare

Die Verhandlungen Athens mit den europäischen Banken bleiben eine Hängepartie. Josef Ackermann sieht Griechenland als Sündenfall – und hohe Kosten auf Europa zukommen.

«Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden»: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

«Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden»: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.
Bild: AFP

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Europas Wirtschaft weht noch immer ein rauher Wind entgegen. Ausser Deutschland sind bereits alle grossen EU-Länder in den Sog der Schuldenkrise geraten.

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Die Verhandlungen über einen griechischen Schuldenschnitt bleiben trotz des Zeitdrucks eine Hängepartie. Erneute Gespräche zwischen der griechischen Regierung und dem internationalen Bankenverband IIF haben daran nichts geändert. Der Verhandlungsführer des IIF, Charles Dallara, habe Athen verlassen, hiess es heute Samstag. Zuvor hatte es geheissen, bei den Gesprächen seien gestern Abend deutliche Fortschritte erzielt worden. Die Verhandlungen sollen am Wochenende telefonisch fortgeführt werden.

Zuvor hatten der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos und der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos mit Dallara mehrere Stunden lang verhandelt. Griechische Medien gingen davon aus, dass die angestrebte Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) spätestens am Montag fertig sein könnte.

Erfolg hängt von den Banken ab

Die Griechen wollten eine Einigung unbedingt noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag unter Dach und Fach bringen, damit noch genug Zeit für eine rechtzeitige Umsetzung bleibt. Der Erfolg der Vereinbarung der griechischen Regierung mit ihren privaten Gläubigern hängt am Ende davon ab, wie viele Banken und andere Besitzer griechischer Staatsanleihen mitmachen und auf Geld verzichten.

Unabhängig von den noch unbekannten Details wird der angestrebte Schuldenschnitt Europa nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auch auf lange Sicht teuer zu stehen kommen. «Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Dieses Prinzip wurde verletzt – und zwar entgegen allen Aussagen, die zuvor gemacht worden waren», sagte der Schweizer der Nachrichtenagentur dpa. «Dafür werden wir einen hohen Preis zahlen müssen, unter anderem in Form höherer Zinsen, die Investoren von vielen Regierungen verlangen werden.»

Der irische Finanzminister Michael Noonan bezeichnete die Beteiligung privater Gläubiger an dem Rettungspaket für Griechenland in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» als schweren Fehler. Dadurch sei die Schuldenkrise weiter verschärft worden.

Schuldenberg abbauen

Ziel des angestrebten Schuldenschnitts ist, Griechenland um 100 Milliarden Euro zu entlasten. Das Land sitzt derzeit auf einem Schuldenberg von rund 352 Milliarden Euro. Das entspricht 161 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Erlaubt wären gemäss den EU-Regeln höchstens 60 Prozent.

206 Milliarden davon befinden sich in den Händen von Privatleuten, Banken, Versicherungen und Hedge Fonds. Sollte der Schuldenschnitt gelingen, können die Schulden nach Schätzungen der EU und des Internationalen Währungsfonds IWF zunächst auf 152 Prozent fallen. Bis 2020 sollen sie auf 120 Prozent sinken – allerdings unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft nach mehrjähriger Rezession ab 2013 wieder deutlich wächst. Eine solche Entwicklung zeichnet sich jedoch bislang nicht ab.

Den teilweisen Schuldenerlass für Athen sollen die privaten Gläubiger freiwillig schultern. Ihr Engagement ist ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland. (ami/sda)

Erstellt: 21.01.2012, 16:04 Uhr

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65 Kommentare

Linus Huber

21.01.2012, 22:25 Uhr
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Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden (Ackermann). Mit anderen Worten, das Prinzip besagte, dass die Banken risikolos gute Zinsdifferenzen einsacken dürfen, jedoch das Risiko beim Steuerzahler zu platzieren ist. Ich dachte es sei die Kernaufgabe der Banken, bei Kreditvergabe mit Sorgfalt die zukünftige Zahlungsfähigkeit eines Schuldners zu prüfen. Mein Fehler! Antworten


Fritz-Ulrich Hein

22.01.2012, 08:07 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Kein Geld mehr für Griechenland. So einfach kann es sein. Anschließend Griechenland aus der EU entfernen. Sollen sie ihre Rechenkünste allein bewältigen. Antworten



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