Wirtschaft

«Danke, liebe Schweizer»

Aktualisiert am 07.09.2011 64 Kommentare

Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Euro nicht unter 1.20 Franken sinken zu lassen, hat international hohe Wellen geworfen. In vielen Medien war das Thema auch heute die Top-Story.

1/9 Spiegel Online
«Schweiz diktiert Märkten den Franken-Kurs», titelt «Spiegel online». «Lange hatte sie diese Massnahme erwogen – jetzt macht die Schweizer Nationalbank ernst.»

   

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Die «Financial Times» sprach in ihrem Kommentar von einem kühnen Schritt, der hohe Risiken berge. Die Nationalbank spiele mit der Massnahme ihren letzten grossen Trumpf aus, um die Frankenstärke zu brechen, schreibt das Blatt in seiner Mittwochausgabe.

Mit dem Wechselkursziel werde das Geldangebot in der Schweiz nun stark vom Appetit der globalen Investoren bestimmt. Sollte dieser Zustand lange andauern, dürfte die Schweizer Bevölkerung dies in Form höherer Inflation und (Immobilien-)Blasen zu spüren bekommen.

Auf Währungskriege folgen Handelskriege

Beunruhigend seien jedoch vor allem die internationalen Auswirkungen der SNB-Massnahme. Der Schritt könnte andere Staaten, die ebenfalls unter einer harten Währung litten, animieren, ihre Wirtschaft ähnlich zu schützen, bis hin zu Kapitalkontrollen.

Die «Financial Times» zitiert Analysten, die befürchten, dass die Massnahme der SNB (SNBN 1089 2.06%) den globalen Währungskrieg intensivieren und damit das internationale Finanzsystem weiter destabilisieren könnte. Und auf Währungskriege folgen Handelskriege.

Warnung an Euro-Skeptiker

«Danke, liebe Schweizer» titelt dagegen die deutsche Ausgabe der «Financial Times» in ihrem Kommentar. Die Schweiz sei ein warnendes Beispiel für alle Euro-Skeptiker, die meinten, ein Ausstieg Deutschland aus dem Euro sei ein probates Mittel, um sich der Problem zu entledigen.

«Es ist eben ein Irrglaube, dass ein Staat nur ordentlich haushalten muss, um Wachstum und Wohlstand zu garantieren, von Krisen verschont zu bleiben und seine Bürger sorglos zu machen», schreibt das Blatt in seinem Kommentar auf der Frontseite.

Das Blatt warnt

Die kühle Aufnahme des SNB-Wechselkursziels durch die Europäische Zentralbank (EZB) thematisiert das Blatt ebenfalls. Der schroffe Ton zeige, dass die Euro-Notenbank den SNB-Entscheid kritisch sehe. Die Schweiz verlasse damit die Doktrin der Notenbanken grosser Industriestaaten, Währungen frei schwanken zu lassen.

Weiter warnt das Blatt, dass die SNB versucht sein könnte, die aufgekauften Euro in Staatsanleihen sicheren Euro-Länder anzulegen, was die Renditedifferenzen in der Eurozone weiter vergrössern würde. Im Extremfall trüge die SNB-Massnahme dazu bei, dass die EZB verstärkt Staatsanleihen aus Euro-Krisenstaaten aufkaufen müsse.

Vor schweren Zeiten

Die Suche nach sicheren Häfen in turbulenten Zeiten sei mit dem Schritt der SNB nicht ausgestanden, schreibt das «Wall Street Journal». Das zeige die Reaktion der Märkte. Die norwegische und die schwedische Krone seien bereits am Mittwoch nach der Bekanntgabe des SNB-Wechselkursziels deutlich stärker geworden.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Probleme in der Eurozone und einer scharfen Konjunkturabkühlung in den USA müsse sich die SNB auf schwere Zeiten einstellen. «Es könnte für die SNB in den nächsten Monaten eine blutige Schlacht werden; ein Kräftemessen mit Investoren, die auf der Suche nach sicheren Häfen sind», zitiert das Blatt eine Währungsexpertin der Rabobank.

Arg bedrängte Exportindustrie

Von einer Option vergleichbar mit einer Atomwaffe spricht die «South China Morning Post» auf ihrer Internet-Seite. Damit eile die SNB der arg bedrängten Schweizer Exportindustrie zu Hilfe.

Auch die elektronischen Medien im Ausland berichteten ausführlich über den SNB-Schritt. In den «Tagesthemen» der deutschen ARD von Dienstagabend war das Wechselkursziel der SNB das Top-Thema. (bru/sda)

Erstellt: 07.09.2011, 11:03 Uhr

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64 Kommentare

Zelokan Zel

07.09.2011, 11:55 Uhr
Melden 45 Empfehlung

"....ihre Wirtschaft ähnlich zu schützen, bis hin zu Kapitalkontrollen." (Zitat)
Die Kapitalkontrolle in vielen Staaten gleichzeitig angewendet , würde die Spekulative Geldtransfers ausbremmsen.
Das wäre in der aufgeheitzte Lage durchaus ein akzeptables Mittel.
Allerdings und da druckt der Schuh...zu viel Medizin kann genau so tödlich sein wie die Krankheit selbst!
Antworten


Markus Ehrler

07.09.2011, 14:13 Uhr
Melden 39 Empfehlung

"Löst Schweiz Währungskrieg aus?" Schon etwas bizarr. Seit 10 Jahren greift China TAEGLICH in den Markt ein, um den Yuan tief zu halten......Blasen bilden sich deshalb in allen Wirtschaftszweigen und.. alle tolerieren das. Die Schweiz ist nur das letzte Opfer dieser Blasen-Serie. Die G7 sprechen nur, tun aber nichts. SNB hat richtig gehandelt. Antworten



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