Wirtschaft

Das Erfolgsgeheimnis des Ostens

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 19.02.2010 33 Kommentare

Während der Westen serbelt, geht im Osten die Sonne auf. Das chinesische Erfolgsrezept besteht in einer Mischung aus Konfuzianismus und Kommunismus und einer Regierung, die Volk und Wirtschaft mit eiserner Hand führt.

Paresh Nath, «Khaleej Times»

Angenommen, Sie wären ein politisch interessierter Marsmensch und würden aus weiter Ferne die Entwicklung auf dem Planeten Erde beobachten. Was würden Sie derzeit sehen? Im Westen wird ein Hoffnungsträger nach dem anderen demontiert: Barack Obama konnte vor Jahresfrist noch über Wasser laufen, heute traut man ihm bald gar nichts mehr zu. Nicolas Sarkozy, angetreten, die Grande Nation zu neuem Ruhm zu führen, ist in Frankreich unbeliebter denn je. In Deutschland hat es eine gelb-schwarze Regierung geschafft, praktisch mit der Machtübernahme ein Verlierer-Image zu erlangen. Und in Grossbritannien wird dieses üble Spiel auf die Spitze getrieben: Die konservative Regierung um David Cameron wird abgeschrieben, bevor sie überhaupt gewählt ist.

Nun richten Sie ihr Fernrohr nach Osten, genauer nach China. Was sehen Sie dort? Stabilität wie im Bilderbuch. Die Wirtschaft wächst und wächst, und auf der politischen Bühne wird derzeit umsichtig die Übergabe an eine neue Generation vorbereitet. Was für ein Unterschied zum aktuellen Chaos im Westen. Nicht nur Marsmenschen beobachten diese Entwicklung, auch real existierende menschliche Wesen. Auch sie ziehen ihre Schlüsse daraus und fragen sich: Wird der «Washington Konsensus» ersetzt durch den «Peking Konsensus»?

Nie mehr betteln müssen

Der Begriff «Washington Konsens» wurde 1989 von John Williamson geprägt, einem Ökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er wurde bald zum Sinnbild einer rücksichtslosen, neoliberalen Wirtschaftspolitik. Diese Politik sah ihr Heil im Senken der Steuern, der Abschaffung von Handelshemmnissen und der Liberalisierung der Kapitalströme. Bald wurde der Washington Konsensus zum Synonym für eine neue Ausbeutungswelle der Armen und der Führung der einzigen Supermacht USA. Nach der Asienkrise 1998 wurde der Begriff endgültig zum Schimpfwort. Der IWF hatte an Länder wie Indonesien, Thailand und Südkorea seine bittere Medizin ohne Rücksicht auf Verluste und und grossen Dosen verabreicht.

Nie mehr beim IWF um Geld betteln müssen, schworen sich die Asiaten und haben sich bisher auch daran gehalten. Immer stärker richten sie ihre Blicke auf eine Wirtschaftspolitik, die neuerdings «Peking Konsensus» genannt wird. Darunter verstehen die Schwellenländer ein Wirtschaftsmodell, dass schnelles Wachstum und grössere politische Stabilität verspricht. Oder genauer: Eine Mischung aus Konfuzianismus und Kommunismus, eine Ein-Parteien-Regierung, wo der Staat die Wirtschaft massgeblich beeinflusst und die Kapitalmärkte streng reguliert sind. Politische Entscheidungen werden nicht demokratisch, sondern autoritär gefällt. Damit sind diese Entscheidungen nicht abhängig von kurzfristigen und oft widersprüchlichen Wählerumfragen und Wünschen und dem daraus resultierenden Chaos. Sie kann langfristige Ziele verfolgen und auch umsetzen.

China wird selbstbewusster, Washington provoziert

Der Peking Konsens hat derzeit viele Trümpfe in der Hand. Chinas Wirtschaft wächst seit 30 Jahren und scheint die Krise am besten gemeistert zu haben. In Washington hingegen herrscht die totale politische Blockade und rekordverdächtige Arbeitslosigkeit. Das hat Folgen. China wird täglich selbstbewusster, und lässt dies den Westen auch spüren. Das wiederum führt zu Retourkutschen: Washington beliefert Taiwan demonstrativ mit modernsten Waffen und empfängt den Dalai Lama. Bahnt sich ein unausweichlicher Konflikt an? Wahrscheinlich nicht, denn die gegenseitigen Interessen und Verstrickungen sind nach wie vor viel zu gross. Aber in China hat das «Jahr des Tigers» begonnen. Traditionell werden in diesen Zeiten Turbulenzen erwartet, und die sind auch dieses Jahr pünktlich eingetroffen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.02.2010, 16:39 Uhr

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33 Kommentare

Walter Borg

19.02.2010, 13:21 Uhr
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Noch keine 25 Jahre ist es her, dass der weltweite Kommunismus aufgrund seiner Inkompetenz und Surrealitaet zusammengebrochen ist (mal abgesehen von ein paar zombiehaften Leichen). Und schon kriechen die pseudo-kommunisten wieder aus ihren Loechern und erzaehlen das Heil der Staatswirtschaft. Ich empfehle Herrn Loepfe, mal einige Jahre in China zu Leben. Es wird ihm die Augen oeffnen.... Antworten


Olga Pülker

19.02.2010, 13:14 Uhr
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Eine Ode an den Kommunismus. So wie es nur der TA kann. Vielen dank, das ganze Leid und der Schrecken dieser Regimes und ihr totales Versagen ist endlich vergessen! Viel Glück Antworten



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