Wirtschaft

Das Finanzblasen-Experiment

Finanzkrisen funktionieren wie epileptische Anfälle. Das behauptet ein französischer Forscher. Mit seiner Theorie will er Börsencrashs voraussagen können. Sein guter Ruf hängt ganz vom 1. Mai 2010 ab.

Spekulationsblasen voraussagen: Eine Revolution in der Wirtschaftslehre.

Spekulationsblasen voraussagen: Eine Revolution in der Wirtschaftslehre.
Bild: Keystone

«Wir wollen einen Paradigmenwechsel in der Ökonomie herbeiführen»: ETH-Physiker Didier Sornette.

«Wir wollen einen Paradigmenwechsel in der Ökonomie herbeiführen»: ETH-Physiker Didier Sornette.

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Das Finanzblasen-Experiment ist gestartet. Der Physiker Didier Sornette, der an der ETH Zürich das Financial Crisis Observatory leitet, will mit Computermodellen zwei Hypothesen beweisen.

  • Blasen in Finanzmärkten lassen sich früh erkennen.
  • Es ist möglich, vorauszusagen, wann eine Blase platzt.

Der Tag, an dem über Sornettes berufliches Schicksal entschieden wird, ist der 1. Mai 2010. Dann wird der Franzose Prognosen über die Entwicklung dreier Spekulationsblasen veröffentlichen, die er vor Kurzem verschlüsselt hat. Sie sind auf einem Computer abgelegt, zu dem niemand Zugang hat. Wird er sich blamieren? Oder funktionieren seine Prognosen mit naturwissenschaftlich inspirierten Modellen tatsächlich besser als diejenigen von Finanzexperten?

Er hatte schon einmal richtig gelegen. 2004 prognostizierte Sornette, die Immobilien-Blase in den USA werde sich bis Mitte 2006 aufblähen. Und so kam es auch.

«Wir wollen einen Paradigmenwechsel in der Ökonomie herbeiführen», sagt er gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Spiegel». «Gelingt es, wäre es eine Revolution, so bedeutsam wie der Darwinismus für die Biologie oder die Quantenmechanik für die Physik.»

So funktioniert es

Im Auftrag des Luftfahrtkonzerns EADS untersuchte Sornette Anfang der Neunzigerjahre, unter welchen Bedingungen Treibstofftanks von «Ariane»-Raketen explodieren. Er entwickelte das Modell der «superexponentiellen Signatur»: Kleine Schäden potenzieren sich gegenseitig in ihrer Wirkung, bilden grössere Risse und wirken so im Kollektiv auf die Explosion hin.

Ganz ähnlich sei das auch bei Erdbeben, epileptischen Anfällen oder Finanzblasen der Fall. Das Prinzip sei ein sich selbst verstärkender Prozess. Es knalle nicht aus heiterem Himmel.

Eine Spekulationsblase etwa besteht darin, dass eine Aktie umso begehrter wird, je höher ihr Preis steigt, sagt er im «Spiegel». Die Käufer imitieren einander, verstärken gegenseitig ihre Kauflust. Sornette zufolge ist auch dies eine "superexponentielle" Entwicklung.

Sornette sagt weiter: «Wir postulieren, dass man Blasen nicht an einer hohen Wachstumsrate erkennt, sondern daran, dass die Wachstumsrate selber wächst. Die Kunst besteht darin, Computermodelle zu finden, die superexponentielle Muster zwischen all den normalen Schwankungen entdecken.» (bru)

Erstellt: 01.02.2010, 15:59 Uhr

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10 Kommentare

Andres Müller

02.02.2010, 10:11 Uhr
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Ich glaube nicht an die Möglichkeit, mit einer Formellösung im Computer Spekulationsblasen mit hoher Gewissheit vorhersagen zu können. Es sprechen dagegen: Unvorhersagbare Entwicklungen oder Ereignissen in Politik, Naturereignissen, Kriegen, technologischen Entwicklungen, psychosozialem Verhalten, Finanz-Kriminalität. Sofern sich wenig dieser Parameter ändern ...vielleicht. Antworten


Pascal Meister

01.02.2010, 23:09 Uhr
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Blasen zu erkennen, ist vermutlich nicht soooo schwierig, wie dieser Mann es wahrhaben möchte. Aber: Alle Banken und Investoren sind sehr kurzfristig gesteuert, man denke z.B. an Quartalszahlen. Zu früh auszusteigen aus einem wachsenden Blasenmarkt kann für den Ruf deutlich schlimmer sein, als mit den anderen zusammen unterzugehen... Antworten


Rolf Schumacher

01.02.2010, 20:08 Uhr
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Die Zukunft der Welt lässt sich nicht berechnen. Wer das Gegenteil behauptet blufft. Beispiel ich kann zwar die Umlaufbahn des Cometen Halley berechnen, nicht aber die Einwirkung dessen Vorbeirasens auf die Moleküle der Erde. Anders was nützt mir wenn ich berechne, dass ich in 20 Jahren reich sein werde, wenn ich übermorgen an einem Herzinfarkt sterbe? Antworten


Hans Saurenmann

01.02.2010, 18:17 Uhr
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Der Franzoesisch-Zuercher hat wahrscheinlich Recht, der Mai ist der dritt schlechteste Boersen Monat, nur Februar, Juni und September sind normalerweise schlimmer. Sollte seine Prognose zutreffen und das Model funktionieren dann sehe ich schwarz fuer Amerika und Europa. Meine Position in Aktien beschraenkt sich nur noch auf UBS, wobei ich denke das schlimmste ist vorbei (hoffentlich) der Rest ade! Antworten


susanne beerli

01.02.2010, 18:05 Uhr
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Ich wage mich auch als "Hellseher" und sage voraus, dass wir am 1.5.10 nichts von dem Mann hören werden. Wieseo die pompöse Wortwahl und die künstliche Warterei? Sagen Sies doch gleich, was Sie herausgefunden haben! Oder spekulieren Sie am Finanzmarkt mit Ihrem Wissen und werde Milliardär. Antworten


andri kober

01.02.2010, 17:50 Uhr
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Die Überlegungen Sornetts überzeugen mich durchaus. Auch hinter anderen Prozessen in der Natur oder in der Dynamik von Gruppen ist diesesPhänomen erkennbar. M.E. steht es im Zusammenhang mit der Frage der Emergenz d.h. dem Phänomen der Selbstorganisation der Materie auf verschiedenen Ebenen. Ich bin gesapnnt auf die Publikation Sornets Ergebinnsen im Mai. Antworten


Charles Dupond

01.02.2010, 17:41 Uhr
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Mit Pansionskassenbillionen sind Blasen zwangsleufig. Solange Baenkster selber im Boersencasion mitgaimen, bestimmen aber sie allein mit Megaverkeufen die Platztermine willkuerlich. Als Ebner mitabsahnen wollte, warteten die Baenkster ruhig, bis er zuviele Aktien auf Pump kaufte, um dann nur in der Schweiz die Kurse zu halbieren. Ein weiters Wunder war, dass Blocher mal (zwangs)solidarisch war... Antworten


ralph kocher

01.02.2010, 17:38 Uhr
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Berücksichtigen wir einmal das ganze globale Management Habender, kumulierend in der Progression bis zum jetztigen Moment, so steht uns diese superexponentielle Signatur inklusive dem schlussendlich ultimativ Kollektiven - wirklich noch ins Haus! Antworten


Peter Ringger

01.02.2010, 17:12 Uhr
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An sich nichts neues. Dieser selbstverstärkende Prozess funktioniert auch sehr gut bei Ebay und Auktionen allgemein, er ist in gewissem Sinn sogar steuerbar. Interessant wird es tatsächlich, wenn diese superexponentielle Entwicklung sich vorausberechnen lässt. Ich denke die Berechnung von Wettermodellen funktioniert ganz ähnlich. Vielleicht haben wir irgendwann einen "Börsenwetterbericht". Antworten


Daniel Daniel Rotzinger

01.02.2010, 16:57 Uhr
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Sollte das Experiment funktionieren, würde ein riesiger Erklärungsbedarf bei den allseits geliebten Bundesräten und Managern entstehen. Wäre es genügend, um die Menschen in diesem Land aus dem Dornröschenschlaf zu wecken? Antworten



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