Wirtschaft

Das Klumpenrisiko

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 08.02.2012 43 Kommentare

Auch 2012 zahlen UBS und CS in Zürich keine Gewinnsteuern. Ganz anders die grossen Pharmakonzerne in Basel. Was die Klumpenrisiken für die beiden Städte bedeuten.

1/6 Wo die Finanzwirtschaft mit Banken und Versicherungen dominiert: Zürich (mit Grossmünster und Zürichsee im Hintergrund).
Bild: Keystone

   

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Derzeit ist Berichtssaison bei den Unternehmen. Und die Reihenfolge bei den Grossen ist immer die gleiche: Zuerst Pharma mit Roche (ROG 152.4 0.26%) und Novartis, (NOVN 49.92 0.89%) und dann die Banken mit UBS (UBSN 11.15 -0.89%) und CS. Bei den Gewinnzahlen zeigt sich folgendes Bild: Die Basler Pillenproduzenten strotzen vor Kraft und kratzen beim Reingewinn die 10-Milliarden-Franken-Grenze. Anders die beiden Grossbanken: Lag früher der Gewinn im Bereich von 10 Milliarden Franken, müssen heute wieder kleinere Brötchen gebacken werden. 4,2 Milliarden waren es bei der UBS, in ähnlicher Grössenordnung dürfte der Überschuss bei der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) zu liegen kommen.

Die Einbrüche bei den Grossbanken bleiben nicht ohne Einfluss auf die Einkünfte bei der Staatskasse. Die Stadt Zürich etwa sieht seit Jahren keinen Franken Gewinnsteuern von UBS und Credit Suisse. Zwar hat die UBS letztes Jahr mit 7,2 Milliarden Franken wieder einen kräftigen Überschuss erzielt. Weil die Bank die laufenden Gewinne steuertechnisch aber mit früheren Verlusten aufrechnen darf, bleibt sie steuerfrei.

400 Millionen Franken fehlen in Zürich

Wie bedeutend der Beitrag der Grossbanken für die Stadt Zürich ist, sagte gestern Finanzvorstand Martin Vollenwyder zu Radio DRS: Jeder sechste Steuerfranken Zürichs sei früher von UBS und CS gekommen. In Zahlen sind das 400 Millionen Franken, bei Gesamtsteuereinnahmen von rund 2,4 Milliarden Franken. Einen Ausfall dieser Grössenordnung muss ein Staatsbudget erst einmal verkraften.

Anders derzeit Basel. Die Stadt am Rheinknie profitiert von den anhaltend hohen Gewinnen der Pharmaindustrie. Zwar zeigt man sich in Basel nicht derart offenherzig, was die Steuerzahlungen einzelner Grossbetriebe betrifft. Dennoch lässt sich aus der Steuerstatistik der letzten Jahre herauslesen, dass die Gewinnsteuern praktisch konstant gestiegen sind. Lag diese Zahl 2002 noch bei 317 Millionen Franken, stieg sie bis 2010 auf den doppelten Wert an. Die Fussnote besagt, dass 83 Prozent der Gewinnsteuern von gerade mal 30 Gesellschaften (von insgesamt 9247) stammen. Es dürfte ein offenes Geheimnis sein, dass wiederum ein beträchtlicher Teil davon Novartis und Roche zu verdanken ist.

Basel senkte die Steuern

Was aber bedeutet die unterschiedliche Ausgangslage für die beiden wirtschaftlichen Zugpferde der Schweizer Wirtschaft? In Zürich geht es ans Eingemachte. Vollenwyder streicht hervor, dass die Limmatstadt vor der Bankenkrise Reserven gebildet habe und damit die Ausfälle teilweise abfedern könne. Noch immer betrage das Eigenkapital 700 Millionen Franken. Allerdings sind die Aussichten bezüglich Steuereinnahmen von den Grossbanken getrübt. Die CS soll erst im nächsten Jahr wieder – wenn auch in kleinem Umfang – Gewinnsteuern abliefern. Bei der UBS wird es voraussichtlich 2015.

In Basel ist die Entwicklung etwas anders. Peter Schwendener, Chef der Finanzverwaltung, sagt: «Nach anhaltend höheren Einkünften hat Basel-Stadt seit 2008 schon zweimal eine Senkung der Einkommens- und Unternehmenssteuern umgesetzt.» Die Stadt hat offensichtlich profitiert von der konstanten Entwicklung im Pharmageschäft.

Pharma verpflichtet sich mit Grossprojekten

Und für Basel scheint sich die Pharma-Erfolgsstory fortzusetzen. Das zumindest liest man am Rheinknie aus den Investitionen respektive aus den Absichten zu investieren. Novartis hat sich mit dem Grossprojekt Campus dem Forschungsstandort verpflichtet, die Konkurrentin zieht mit dem sogenannten Roche-Turm in den nächsten Jahren nach. Kein Wunder, kommt Schwendener zum Schluss: «Man kann die Basler Pharma als Klumpenrisiko bezeichnen. Aus meiner Sicht ist es eine Klumpenchance.» In Basel hat der Wind also ziemlich gedreht. Noch in den 90er-Jahren ging die Angst um, die Pharma verlagere sich Richtung USA.

In Zürich hingegen macht sich Unsicherheit breit. Zumindest, was den Finanzplatz betrifft. Die jüngste Studie «Finanzplatz Zürich 2011» geht davon aus, dass Zürich international an Bedeutung verlieren wird. Einhergehend damit ein Rückgang an Arbeitsplätzen und Einkünften. Vollenwyder rechnet denn auch nicht mehr damit, dass die Grossbanken je wieder so viel Steuern zahlen werden wie vor der Finanzkrise. Auch wenn der Finanzplatz Zürich nicht nur aus Grossbanken besteht: Die Warner dürften teilweise recht bekommen, als sie schon vor Jahren auf das Klumpenrisiko Banken aufmerksam machten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.02.2012, 16:31 Uhr

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43 Kommentare

Hans Müller

08.02.2012, 16:56 Uhr
Melden 54 Empfehlung

Das grösste Klumpenrisiko für die Schweiz sind die Linken, welche den ausländischen Forderungen in die Hände spielen. Antworten


Alexander Dominguez

08.02.2012, 17:40 Uhr
Melden 39 Empfehlung

Unglaublich ! Die Grossbanken verdienen Milliarden, zahlen die höchsten Löhne aller Branchen in der Schweiz, schütten weiterhin Boni für die Abzocker-Gilde in den Teppichetagen aus und......zahlen keine Gewinnsteuer ! Der normale Steuerzahler muss sich irgendwie verarscht vorkommen. Solange die Banken ganze Länder in Geiselhaft nehmen können, solange wird die Wut des Normalos steigen und steigen ! Antworten



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