Das Tausender-Risiko

Die wertvollste Frankennote gerät zunehmend ins Visier internationaler Kritik. Sie eignet sich besonders gut für Verbrecher und Terroristen und behindert die Geldpolitik.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Schweiz erneut wegen Verdächtigungen im Zusammenhang mit Geldwäscherei und Finanzgeschäften mit weiteren kriminellen Aktivitäten international unter Druck gerät. Dabei stehen aber nicht die Banken im Fokus, sondern ein besonders wertvolles Stück Papier: unsere 1000er-Note. Auch in andere Währungen umgerechnet, stellt sie weltweit die Note mit dem höchsten Wert dar, die nach wie vor von einer Notenbank in Umlauf gebracht wird.

Noten mit besonders hohem Wert kommen gleich aus mehreren Gründen sowohl von namhaften Ökonomen wie auch von der Politik unter Druck, der meistgenannte Grund: Sie eignen sich vor allem für Verbrecher, Terroristen und Steuerhinterzieher hervorragend, weil sie erstens wie alles Bargeld, anders als elektronisches Geld, keine Spuren hinterlassen und zweitens weil sich mit ihnen auch hohe Summen relativ einfach verschieben lassen. Für einen Koffer voll 1000er-Noten wären 10 Koffer 100er- oder 20 Koffer 50er-Noten notwendig, um den gleichen Geldbetrag mit sich herumzutragen.

Nur 11,4 Kilogramm für 10 Millionen Dollar

In seiner jüngsten Ausgabe macht das Finanzblatt «The Economist» die Rechnung mit den wertvollsten Noten der beiden anderen Hartwährungen Dollar und Euro: Für eine Summe von 10 Millionen Dollar sind 100 Dollarnoten mit einem Gewicht von 100 Kilogramm notwendig, mit 500 Euronoten beträgt das Gewicht 20,6 Kilogramm, mit 1000-Franken-Noten dagegen nur gerade 11,4 Kilogramm (siehe Grafiken in der Bildstrecke).

Dass der Druck auf die Schweiz steigen könnte, zeigt sich auch daran, dass man sich bei der Europäischen Zentralbank darauf vorbereitet, die 500-Euro-Note abzuschaffen. Laut mehreren Medienberichten habe sich deren Chef Mario Draghi bereits dafür ausgesprochen. Die Notenbank führt bereits eine Untersuchung zum Gebrauch dieses Geldscheins durch und will am 1. Mai die Euro-Finanzminister über das Ergebnis in Kenntnis setzen. Oppositionslos ist das Vorhaben keineswegs. Besonders in Deutschland sieht man darin einen ersten Schritt zur generellen Abschaffung von Bargeld und damit einen weiteren in Richtung der totalen Überwachungsmöglichkeit der Bürger.

Heftig geführt wird die Debatte bereits auch in den USA. Dort fährt vor allem der einstige Clinton-Finanzminister, Obama-Wirtschaftsberater und Spitzenökonom Lawrence Summers eine eigentliche Kampagne zur Abschaffung der 100-Dollar-Note. In konservativen Kreisen stösst aber auch er auf deutlichen Widerstand, der vor allem durch das «Wall Street Journal» formuliert wurde, das ebenfalls einen Eingriff in die Freiheit der Bürger wittert.

Noch verteidigt die SNB die Note

Aus Schweizer Sicht muss aufhorchen lassen, dass Summers sich vor allem auf eine Studie der Universität Harvard stützt (an der er selbst als Professor lehrt), die die Forderung nach Abschaffung der hohen Noten mit Daten zu unterlegen trachtet. Die grosse Bedeutung des Schweizer Frankens wird dort mehrfach betont.

Hierzulande will die Schweizerische Nationalbank (SNB) bisher nichts von einer Abschaffung der 1000er-Note wissen. Gemessen am Gesamtwert aller umlaufenden Noten fallen 62 Prozent auf dieses Papier bzw. 10 Prozent aller umlaufenden Noten (siehe Bildstrecke). Im erwähnten Artikel des «Economist» wundert man sich, dass die Note kaum zur Zahlung verwendet werden kann – weil viele Anbieter sie gar nicht annehmen – sie aber dennoch eine derart hohe Beliebtheit hat. Welcher Anteil der Notenverwendung auf zwielichtige Motive zurückgeht, lässt sich naturgemäss allerdings nicht nachweisen.

Absicherung gegenüber Negativzinsen

Dass die Abschaffung grosser Noten vielerorts auf Widerstand stösst, liegt auch an einem wachsenden Misstrauen gegenüber Notenbanken generell. Die Befürworter der Massnahme machen keinen Hehl daraus, dass sie die Noten auch deshalb loswerden wollen, weil dies die Wirksamkeit von Negativzinsen erhöhen würde. Je geringer der Wert einer Note ist, desto höher sind die Kosten der Bargeldhaltung, die als Ausweichmöglichkeit bleibt, wenn das Aufbewahren von elektronischem Geld mit Gebühren belastet wird. Doch genau das erhöht die Beliebtheit dieser Noten.

Weil viele Notenbanken mit ihrer bisherigen Geldpolitik kaum mehr viel bewirken können, rücken Negativzinsen als neues Instrument immer stärker in den Fokus. Angesichts der deutlich gewachsenen Terrorangst steigt auch der Druck, alle Möglichkeiten von intransparenten Finanzierungsströmen zu unterbinden. Und die hohe Verschuldung vieler Staaten hat zur Folge, dass diese alles unternehmen, um möglichst alle Zahlungsströme zu erfassen, damit Steuerhinterziehung und -betrug verhindert werden kann. Das alles hat zur Folge, dass der Druck auf grosse Noten weiter steigt – und angesichts der 1000-Franken-Note jener auf die Schweiz. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.03.2016, 13:19 Uhr)

Artikel zum Thema

EU nimmt Bargeld ins Visier

Die Finanzminister der EU wollen Terroristen die Beschaffung von Geld erschweren. Geschäfte mit Bargeld sollen eine Obergrenze erhalten, die 500-Euro-Note steht auf der Kippe. Mehr...

Negativzinsen – was man wissen muss

#12 Sie werden zum normalen Instrument der Geldpolitik. Antworten zu den wichtigsten Fragen zu Zinsen unter null. Mehr...

Die nächste Stufe in der Geldpolitik – das Bargeld abschaffen

Andrew Haldane, Chefökonom der britischen Notenbank, gilt als einer der hellsten Köpfe unter den Geldpolitikern. Wenn er über die Ausmerzung von Cash sinniert, hat das schon einiges Gewicht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Anzeigen

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Stolze Mama: Walross-Mutter Arnaliaq zeigt in Quebec ihren Nachwuchs (26. Mai 2016).
(Bild: Jacques Boissinot) Mehr...