Wirtschaft
Das schönste Steuerparadies sind die USA
Von Ralf Kaminski, New York. Aktualisiert am 01.04.2009 37 Kommentare
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Beim G-20-Treffen in London sollen diese Woche weitere Massnahmen gegen Steueroasen diskutiert werden. Als solche gilt auch immer noch die Schweiz, die nach massivem Druck aus den USA im Nachgang der UBS-Steueraffäre bereits Konzessionen gemacht hat.
Viel schlimmer als die Schweiz sind jedoch einige Bundesstaaten in den USA – dies hat ein Test des australischen Professors Jason Sharman ergeben. Der Steuerexperte, der beim Centre for Governance and Public Policy an der Griffith University in Nathan lehrt, hat zwei Jahre lang mit einem Budget von 20'000 Dollar und einem Internetanschluss getestet, in welchen Staaten es am leichtesten ist, anonym Strohfirmen zu gründen. Diese Vehikel dienen reichen Leuten häufig dazu, geheime Bankkonten zu führen und damit Steuern am Fiskus ihrer Heimatländer vorbeizuschmuggeln.
«Schweizer Anbieter kippten sehr schnell aus meinem Test»
Sharman kontaktierte 54 Corporate Service Provider (CSP) in 22 Ländern online. 45 CSP signalisierten die Bereitschaft, eine Strohfirma zu gründen. 28 CSP wollten dafür aber eine klare Identifizierung, etwa eine notariell beglaubigte Passkopie. 17 dieser Anlaufstellen verlangten nichts anderes als eine Kreditkarte und eine Postadresse; sie waren noch nicht mal besonders teuer und veranschlagten zwischen 800 und 3000 Dollar für ihre Dienste.
Nur 4 dieser 17 Büros befinden sich in klassischen Steueroasen, die restlichen 13 liegen in OECD-Ländern, jenen Staaten also, die an einer schwarzen Liste arbeiten. England beherbergt sieben dieser Anlaufstellen, die USA vier, Spanien und Kanada je eine, wie der «Economist» in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.
«Die Schweizer Anbieter kippten sehr schnell aus meinem Test», erklärt Jason Sharman auf Anfrage, «sie verlangten eine sehr genaue Identifizierung.» Es habe zwar einen Anbieter gegeben, der bereit gewesen sei, eine völlig anonyme Struktur samt Bankkonto zu kreieren, «aber der verlangte 17'000 Dollar Vorauszahlung. Das lag bei meinem Budget nicht drin – und ich bin skeptisch, dass er das wirklich hätte arrangieren können.» Fehlanzeige in der Schweiz
Schwieriger Fall: Anonyme Konten
In einem weiteren Schritt versuchte Sharman anonyme Bankkonten über diese 17 Anbieter zu eröffnen. Dies erwies sich als schwieriger und funktionierte nur in fünf Fällen: Je einmal in den US-Bundesstaaten Wyoming und Nevada, zweimal in England und einmal bei einem Joint Venture in Liechtenstein und in Somalia. Auch hier wurden teilweise Passkopien verlangt, aber ohne Beglaubigung. Diese fünf Fälle scheinen auf den ersten Blick wenig zu sein, Sharman betont jedoch, mit welch geringem Aufwand es ihm gelungen sei, dies zu tun. «Wer sich wirklich bemüht oder kriminelle Absichten hat, dürfte schnell einiges mehr erreichen.»
Neben den genannten Bundesstaaten wird auch Delaware in einer einschlägigen Studie der US-Regierung erwähnt. Diese kam zum Schluss, dass die dort gebotene Anonymität mit jener der klassischen Steueroasen vergleichbar ist. Laut «Economist» sind die USA für Ausländer besonders attraktiv, um Geld zu parkieren, weil der Staat die Zinsen nicht besteuert. Dieser Umstand, gekoppelt mit der gebotenen Anonymität, offeriere «alle Vorteile einer Steueroase».
Sharman, dessen Test noch nicht publiziert ist, weist darauf hin, dass die USA und England zwar bemüht seien, ihre Standards zu verbessern, «aber sie hinken der Rechtsprechung jener Länder schwer hinterher, die gemeinhin als Steueroasen gelten». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.04.2009, 12:48 Uhr
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37 Kommentare
Warum sollte man als kleines Unternehmen eigentlich in Europa Steuern zahlen, wenn grosse Konzerne wie Disney, Google General Motors etc in Delaware ihren steuerlichen Sitz haben? Also ich kann die Schweizer verstehen, daß sie sich aufregen... Letztendlich werden jetzt noch mehr Menschen in die legale Steueroase Delaware flüchten. Antworten
Typisch USA, leider auch unter B. Obama: Mit dem Moralfinger auf andere zeigen, Noten austeilen und selbst alles noch schlimmer handhaben. Dem BR möchte man raten: Angriff ist die beste Verteidigung. Aber wer ist in diesem Gremium dazu fähig ? Wer hat Mut ? Wer hat dort das schweizerische feu sacré ? Das Verhalten der USA ist inakzeptabel. Das muss klar gemacht werden ! Antworten
Es zeichnet sich immer mehr ab, dass der Bundesrat sich durch die Listendrohung ins Bockshorn jagen liess. Die Episode wird künftigen Schulgenerationen zur Erheiterung dienen. Die lachhafte Hektik unserer Landesregierung und dilettantische Dissonanzen nach Aussen (jeder schwatzte und handelte autonom statt konzertiert) sind keine good governance. Antworten
also ich verstehe die ganze aufregung der meissten schweizer hier nicht. worueber sich der streit bisher drehte war ja nicht unbedigt, dass die schweiz illegale und annonyme konten eroeffnet, sondern vielmehr, dass die schweizer banken diese daten anschliessend annonymisieren (bankgeheimnis) und so steuerhinterziehung in auswaertigen laendern ermoeglichen. ich bitte dies auseinander zu halten. Antworten
2/3 unserer Politiker sind Euroturbos! Das Bankgeheimnis war eines der HIndernisse für einen Beitritt zur EU. Es soll also niemand erwarten, dass 2/3 unserer Politiker mehr dafür macht, als nachher Krokodilstränen zu weinen! Das Problem sind die Leute, die solche Politiker wählen! Aber wenn man halt die Diffamationen der Medien glaubt, dann scheint's halt keine Alternative zu geben... Antworten
Begreift das endlich! Die Mehrheit der CH-Politiker wollen sowieso den EU-Beitritt bzw. die Auflösung der Schweiz. Deshalb verraten sie unser Vaterland mit solch einem Missmanagement auf allen Ebenen bis alles (wirtschaftlich, sozial und kulturell) zerstört ist. Und sie tun nur so, als ob es nicht besser gehen würde. Wacht auf CH-Volk und handelt! Antworten
@Res Zaugg: Dass die USA Steueroasen hat ist ja hinlänglich bekannt.... Auf der anderen Seite, wer lebt schon gern in Steuerwüsten?! Was nötig ist, Obama den Spiegel zu zeigen. Das finde ich auch. Vielleicht .... ja vielleicht hat einer dieser Herren, die sich so über die Schweiz empören den Mut, das zu tun. Wir werden es sehen. Antworten
Ich gründe einen eigenen Staat, dann kann man alle Schwarzgelder der Welt dort parkieren. Und der Kampf David gegen Goliat wurde in der Geschichte erst 1x gewonnen. Was will die Schweiz eigentlich? Kommen die Amis nicht ans Ziel, dann werfen sie uns halt vor, Massenvernichtungswaffen zu bauen, ein Schurkenstaat sind wir ja schon. Am Schluss heisst es dann: mission accomplished oder yes we can Antworten
Der Bundesrat könnte für die sehr viel Goodwill schaffen indem er je einen ganzseitigen Bericht über Herrn Sharman's Arbeit, in den zwei grössten Zeitungen der Länder: Deutschland, England, Frankreich und den USA, erscheinen lassen würde. Das kostet nicht mal 1% von den überflüssigen, lächerlichen Reisen unserer Aussenministerin. Antworten
Von unserer Aussenpolitik erwarte ich nun, dass sie mit solchen Erkenntnissen die Öffentlichkeit in den Ländern, welche die Schweiz stets kritisieren, laut "trommelnd" informieren. Auch ein Wirtschaftskrieg ist ein Krieg - und so einer ist jetzt im Gange. Wie wichtig PR heutzutage auch im "Krieg" ist, sollte auch "Bern" inzwischen erkannt haben. Es gibt Zeiten, wo vornehme Zurückhaltung falsch ist Antworten
Es ist anzunehmen, dass die USA (und GB als Trittbrettfahrer der Amis) ihre Steueroasen beibehalten werden unter dem heuchlerischen Vorwand der "Freiheit" ("free taxes for free people"). Während wir Europäer uns selbst zerfleischen, lachen sich die Amis kaputt. Cheers! Antworten
Das wär doch alle schon längst klar!!!!!!!!! Ich bedanke mich aber sehr bei dem Studienführer, da es nun endlich schwarz auf weiss festgehalten würde. Es wäre schön, wenn die schweizer Politik diese Erkenntnisse auch in Ihre Strategie miteinbinden würde. Es kann wohl kaum angehen, dass man hier gezüchtigt wird und anderswo einfach und zwar echt schlimmt, einfach weiter gemauschelt wird! Antworten
vielleicht merkt das Land jetzt, dass unsere Regierung mit vorausschauenden, oekonomisch strategischen Aufgaben beauftragt werden muss (solche Studien haette man regelmaessig durchfuehren und in den Medien publizieren muessen). Unser konservatives Parlament hat dies bisher verhindert, weil es glaubt dies muesse der Wirtschaft ueberlassen werden und "passives mauern" sei guenstiger als Offensive Antworten
Ich verstehe einfach nicht, warum sich die Schweiz so unter Druck setzen lässt! Steuern hinterziehen ggf. Steuerpflichtige vielleicht mit Hilfe von Beratern, nicht mehr und nicht weniger. Alles andere ist ein Wettbewerb zwischen den Staaten. Das gibt es auch in DE bei der Gewerbesteuer zwischen Gemeinden. Das Bankgeheinmnis der Schweiz ist doch kein Verbrechen; eher schon die Abgabenlast in DE. Antworten
Es ist klar, die Schweiz hat keine "sich-empören" Kultur. Anderfalls hätte Herr Steinbrück sich schon längst für sein Benehmen UND für sein Aussehen entschuldigt, Herr Brown alles unter dem Teppich gekehrt und Herr Obama sein Haus zuerst geputzt. Leute, es herscht heutzutage eine Ellenbogen Politik, Bescheidenheit ist fehl am Platz! Antworten
Wer interessiert sich schon für Fakten? Wir befinden uns im Wirtschaftskrieg, da hat der Grössere recht, nicht der Korrektere. Die Anfeindungen seitens C. Levin etc. sind absichtlich auf Vorurteile gestützte Parolen, mit denen ein effizienter politischer Druck erzeugt wird. Diejenigen, die C. Meilis „Heldentat“ lobpreisen, bestätigen, dass Gerüchte immer noch für Allgemeinwissen massgebend sind. Antworten
In der ganzen Geschichte um Steuerparadiese und Bank(kunden)geheimnis artet immer mehr in Kindergarten aus! Es nützt der Schweiz nicht, darauf hinzuweisen, dass andere auch Dreck am Stecken haben oder noch schlimmer sind, wie wir. Ist wie der Hansli, der beim Schummeln erwischt wurde und dann als Entschuldigung das Liseli verpetzt, weil sie auch schummelt. Antworten
Da die Schweiz jetzt ja vor der eigenen Tür gekehrt hat, brauchen wir uns nicht mehr still zu halten und können nun lautstark die Trockenlegung der verbleibenden Steueroasen fordern. Wollen wir wetten, dass unsere Politiker wieder kuschen? Zumal der eine oder andere Politiker sicher auch froh sein wird, wenn sein Schwarzgeld nicht auffliegt? Unterstellung? Dann will ich den Tatbeweis umso mehr. Antworten
Gibt es eine Nation, die in den letzten 100 Jahren mehr Kriege und Militäroperationen durchgeführt hat, als die USA? Das Problem mit den Amis ist ihr Glaube, dass sie Gottes Auserwähltes Volk sind mit dem Auftrag, dem Rest der Welt den "Segen" des "american way of life" zu bringen. Darum sind sie so arrogant. Es ist Zeit aufzustehen gegen jede Bevormundung der USA. Antworten
Diese Fakten sind nicht neu. Wann kapiert der Bundesrat endlich, dass es in diesem Wirtschaftskrieg lediglich darum geht, sich möglist viel von einem neuen Kuchen abzuschneiden. Um Moral, Gerechtigkeit oder Ethik geht es hier nicht, wieso auch, solche Werte vertreten Politiker gar nicht. Naiv dieser Bundesrat. Antworten
geehrte frau auerbach, es ist die unwissenheit. zudem schickt sich soetwas doch nicht, man ist lieber bei den lieben und netten. lobende schreiben an die oecd ect. frau br. leuthard will ja auch nichts gewusst haben ueber die schwarze liste, obwohl sie vizepraesidentin ist!!!immer nur schoen laecheln und haende schuetteln, ja das sind die netten. ach ja, man ist schockiert und schreibt lobende wo Antworten
@ Frau Auerbach: Ja, bekannt war es. Aber nicht allen Deutschen, welche auch hier in den Tagi-Kommentaren gegen die 'böse Schweiz' lästern, welche es ihren Landsleuten erlaube, ihrer Steuerwüste zu entfliehen! Und was den Bundesrat betrifft: Leider sind die Schweizer allgemein sehr schlecht darin, sich zu verkaufen. Und der Bundesrat ist diesbezüglich besonders unfähig. Antworten
@Doris Auerbach: Es ist nicht Unwissenehit, sondern die Angst, als kleiner Fisch einfach erdrückt zu werden. Für die Schweiz ist es nicht einfach. Doch es gibt auch Positives. Die stärksten Konkurrenten des CH-Finanzplatzes, New York und London, sind massiv unter die Räder gekommen. Noch ist völlig unklar, wer als Gewinner hervorgehen wird - so es denn einen Gewinner geben wird. Antworten
Könnte es sein, dass das Bankgeheimnis nicht aufgehoben, sondern verschoben werden sollte? Will sich die USA für die Zukunft das Bankgeheimnis unter den Nagel reissen? Mal angenommen, dass diese Kriese bewusst ausgelöst wurde, wäre dies die Rechtfertigung dafür? Sicher ist, dass hier hoch gepokert wird, denn hier geht es um die Reichsten, nicht die Ärmsten. Antworten
Die dargelegten Fakten sind längst bekannt. Da ist nichts Neues. Verdächtig ist einzig und allein der Umstand, warum der BR selbige nicht in die Waagschale warf, als der Druck stieg, was mehr als nachdenklich stimmt. Es kann nicht die Unwisssenheit gewesen sein, die ihn zurückhielt. Antworten
Ich hoffe, dass Cowboy Peer diesen Text lesen kann und sich einmal genauer mit den USA beschäftigt. Aber da kommt er natürlich nur ins stammeln,...da hat er keine Fantasie mehr für Spässchen. Steinbrücks Beschuldigungen gegen die CH sind abgesägt und schwer einseitig, dies ist doch wohl nun bewiesen ! Deutlich zu sehen auch, dass die City of London der nächste "Knaller" wird ! Antworten
Der Bericht bestätigt, was ich schon lange vermute: Die Schweiz im internationalen Vergleich recht sauber da. Trotzdem haben wir immer noch den Ruf, DAS Paradies für Geldwäscher und Steuerhinterzieher zu sein. Wann kommuniziert unser Bundesrat endlich mal im Ausland was Sache ist, statt sich vor lauter vorauseilendem Gehorsam gegenüber EU, OECD und USA zu überschlagen? Antworten




Ernst Ruch
bin eigentlich gar nicht erstaunt,die Schweizer muss man nur ein bischen am"Grännihaar zieh" und schon lockern wir den Geldsäckel, leider.E.Ruch Antworten