Wirtschaft

Das zweite Notensystem für Hotels

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 17.03.2011 1 Kommentar

Gastrosuisse musste vor Bundesgericht, um Hotels bewerten zu dürfen. Ihr Klassifikationssystem unterscheidet sich allerdings nur unwesentlich von jenem von Hotelleriesuisse.

Eine zweite Meinung: Auch Gastrosuisse versieht jetzt Hotels wie beispielsweise den Zürcher Spirgarten mit ihren Sternen.

Eine zweite Meinung: Auch Gastrosuisse versieht jetzt Hotels wie beispielsweise den Zürcher Spirgarten mit ihren Sternen.
Bild: Reto Oeschger

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Sechs Jahre lang stritten Gastrosuisse und Hotelleriesuisse um das Recht, Hotels mit Sternen zu schmücken. Im Januar hat das Bundesgericht entschieden, dass auch Gastrosuisse, der Verband für Hotellerie und Restauration, ein Klassifizierungssystem mit Sternen führen darf. Heute startet der Verband mit der Kennzeichnung von Hotels, Hotelleriesuisse verliert ihr Monopol.

Die Unterschiede zwischen den Systemen sind nicht riesig. Können es auch gar nicht sein, denn beide basieren auf den Standards des europäischen Hotel- und Restaurantverbandes Hotrec. Dieser macht sich für eine Harmonisierung der bisher oft landesspezifischen Klassifizierungssysteme stark. Die grösste Differenz besteht darin, dass Gastrosuisse fünf Kategorien hat, wie international üblich. Hotelleriesuisse hat bei jeder Kategorie zusätzlich eine Superior-Klasse, in der die 10 bis 15 Prozent besten Hotels einer Kategorie aufgeführt sind.

Viele Nebensächlichkeiten

Doch wo bekommt der Gast konkrete Unterschiede zu spüren?

  • Gastrosuisse schreibt in jeder Kategorie ein Badetuch pro Person vor; bei Hotelleriesuisse gibt es das erst ab zwei Sternen, dafür gibt es dort auch im Einsternzimmer eine Nasszelle, was Gastrosuisse nur bei Neubauten garantiert.
  • Dafür verlangt Hotelleriesuisse auch im Einsternhotel einen Fernseher, Gastrosuisse erst ab zwei Sternen. Einen Radio hat Gastrosuisse in jeder Kategorie, die Hoteliers erst ab drei Sternen.
  • Leselicht und Ablage oder Nachttisch beim Bett gibt es in jedem Gastrosuisse-Hotel; Hotelleriesuisse schreibt das erst ab zwei oder drei Sternen vor. Dafür hat dort jedes Hotel einen Weckservice.

Insgesamt gibt es etwa zwei Dutzend Unterschiede. Doch sie sind nicht so relevant, dass man von einer Täuschung des Hotelgastes sprechen könnte. Teilweise geht es um Nebensächlichkeiten, etwa ob es ab vier oder fünf Sternen Nähzeug auf dem Zimmer haben muss. Alles in allem sind die beiden Systeme auch ähnlich streng.

Auch kleinere Betriebe auszeichnen

Hotelleriesuisse hat Mühe, die Entscheidung des Bundesgerichts zu akzeptieren. «Es wird nach wie vor nur eine Klassifikation geben, die Sinn macht, jene von Hotelleriesuisse», sagte Verbandspräsident Guglielmo Brentel im Januar in der Verbandszeitung «Hotel-Revue». Im gleichen Blatt preist Geschäftsführer Christoph Juen die Partnerschaft von Hotelleriesuisse mit der Vermarktungsplattform von Schweiz Tourismus als «äusserst überzeugendes Wettbewerbsargument». Dabei hat auch Gastrosuisse eine solche Kooperation.

Beim Branchenverband freut man sich, dass jetzt vermehrt Betriebe der Klein- und Mittelhotellerie ausgezeichnet werden. «Ein durchschnittliches Hotel in der Schweiz hat 27 Zimmer», sagt Daniel C. Jung, Leiter Berufsbildung und Dienstleistungen bei Gastrosuisse. «Nur etwa jeder zweite Betrieb dieser Grösse war bisher aber klassifiziert.»

Gastrosuisse machts günstiger

Das könnte auch mit den Kosten zu tun haben. Bei Hotelleriesuisse zahlt ein Hotelier inklusive Mitgliederbeitrag für die Klassifizierung eines Dreisternhotels mit 27 Zimmern und einer Lohnsumme von 400'000 Franken knapp 1500 Franken pro Jahr. Die Kosten reduzieren sich um maximal die Hälfte, wenn er die Sozialversicherungsbeiträge über den Verband abrechnet. Zudem sind die Dienstleistungen auf Hotels fokussiert. Gastrosuisse verlangt für dasselbe Paket inklusive Mitgliederbeitrag 500 Franken, bei Nicht-Mitgliedern gar lediglich 330 Franken. «Wir wollen die Eintrittsschwelle bewusst tief halten, sodass sich möglichst viele Betriebe entwickeln können», sagt Jung.

Bei beiden Verbänden fliessen die Gästekommentare im Internet in die Klassifikation ein: Vor dem Besuch eines Hotels schauen sich die Auditoren die Kommentare an und prüfen dann diese Punkte vor Ort besonders genau.

Hotelleriesuisse will die Bewertungen von Gästen im Internet in Zukunft noch stärker berücksichtigen. Dazu ist der Verband eine Partnerschaft mit dem Portal Trustyou.com eingegangen; dieses analysiert Millionen von Bewertungen im Internet nach Stichwörtern. Hotels erhalten so eine Zusammenfassung des Gästefeedbacks im Internet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2011, 23:28 Uhr

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1 Kommentar

Kurt Moser

17.03.2011, 07:50 Uhr
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Ich finde das gut!! Es müssen nicht immer die grossen alles haben, darum sollte es auch noch mehr Sterne geben. Und eben, schlussendlich kommt es auf den Service. Antworten



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