Wirtschaft
«Dass es knallen wird, ist klar»
Aktualisiert am 27.12.2010 58 Kommentare
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Zur Person
Klaus Wellershoff ist CEO von «Wellershoff & Partners», einem Unternehmen für wirtschaftliche Analysen. Wellershoff gilt als einer der profiliertesten Ökonomen des Landes. Bekannt wurde er auch durch seine Funktion als Chefökonom der UBS von 1997 bis 2009.
Stichworte
«Wir sind mitten drin, im Auge des Sturms.» Mit solchen dramatischen Worten kommentiert der Ökonom Klaus Wellershoff in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» die Lage in den USA. Die Amerikaner hätten schlicht den Sinn für die Realität verloren. «Der Kongress verteilt Steuergeschenke über 500 Milliarden Dollar», gibt Wellershoff zu bedenken. «Gleichzeitig wird das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr elf Prozent des Volkseinkommens betragen – der höchste Wert in der OECD. Die Verschuldungsquote überschreitet die Marke von 100 Prozent.»
Die USA stünden jetzt schon am Rande des Ruins, wenn es eine Alternative zu amerikanischen Staatspapieren und zum Dollar als Leitwährung gäbe, sagt Wellershoff weiter. «Die Amerikaner haben das Glück, dass Euro-Staatsanleihen in der Union nicht mehrheitsfähig sind.» Dennoch: Die Situation in den USA erinnert Wellershoff an die Zeit vor dem Platzen der Immobilienblase Ende 2005. «Niemand weiss, wann es knallt. Dass es aber knallen wird, ist klar.» Im schlimmsten Fall drohten die gleichen gesellschaftlichen Verwerfungen wie in Griechenland. Für Wellershoff ist klar: Falls die USA den grossen Knall vermeiden wollen, müssen sie die Staatsausgaben zurückfahren, wie es europäische Schuldenländer wie Griechenland, Irland und Portugal jetzt tun.
Euro-Konstrukt stabilisiert Verschuldung
Zur wirtschaftlichen Situation in Europa äussert sich Wellershoff recht optimistisch. Die europäischen Länder könnten sich selber aus der momentanen Krise helfen. Weil die Problemländer Griechenland, Spanien und Portugal wirtschaftlich nicht sehr potent seien, sei die Krise zu bewältigen. «Die wirklichen Probleme würden mit Italien oder Frankreich anfangen.» Der Euro sei kein Fehlkonstrukt, sagt Wellershoff weiter. Das Euro-Konstrukt trage dazu bei, die Verschuldung zu stabilisieren. So hätten zum Beispiel die Griechen endlich ihre realitätsfremde Haushaltspolitik aufgegeben.
«Unter dem Eindruck der Schuldenkrise in Europa und den USA hat die Schweiz als Wirtschaftsstandort nochmals an Attraktivität gewonnen», sagt der frühere UBS-Chefökonom und heutige Unternehmensberater. Der starke Franken habe aber jetzt spürbare Konsequenzen für die Exportindustrie – und dies könne in der Schweiz Wachstum kosten.
Insgesamt schätzt er die Weltkonjunktur im kommenden Jahr positiv ein. Die Aussichten seien in den wichtigen Volkswirtschaften positiv. Die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern sei robust, und selbst in den USA gewinne die Konjunktur kurzzeitig an Fahrt. (vin)
Erstellt: 27.12.2010, 10:43 Uhr
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58 Kommentare
Irland und Island hatten keine Probleme mit ihrem Staatshaushalt, bis die Immobilienblase in den USA platzte. Der Schweiz sollte dies eine Lehre sein. Wir müssen das "to big to fail" Problem mit unseren Grossbanken lösen, bevor die Staatsanleihenblase in den USA platzt. Nicht Scheininvalide oder Arbeitsfaule werden unser Land ruinieren, sondern die Grossbanken, wenn wir nicht rechtzeitig handeln. Antworten
Wären die USA eine Firma, so wäre China Mehrheitsaktionär... Da haben die Amerikaner jahrelang gezittert vor den Atomwaffen der Sovjets und dem damit verbundenen populistischen Blabla von wegen Weltuntergang. Und nun wurden sie von den Kommunisten mit den eigenen Waffen geschlagen, sie wurden so richtig schön kapitalistisch aufgekauft. Ab soviel Ironie wird Geschichte richtig lustig... Antworten
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