Wirtschaft
Den Algo-Tradern wird das Handwerk gelegt
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 10.10.2011 72 Kommentare
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Im Jargon spricht man von «High-Frequency»- oder auch «Algo»-Tradern. Gemeint sind damit Börsenhändler, die ihren Job nicht mehr mit einem Mix aus Analyse und Bauchgefühl ausführen, sondern mit hochgezüchteten Supercomputern und künstlicher Intelligenz. Sie wickeln ihre Transaktionen innerhalb von Mikrosekunden ab und verdienen damit ein Heidengeld. Gegen sie haben normale institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen keinen Stich mehr. Völlig chancenlos sind die Kleinanleger.
Doch damit soll bald Schluss sein. In den Vereinigten Staaten, aber auch in Europa und Kanada machen sich die Überwachungsbehörden Gedanken, wie man den Algo-Tradern das Handwerk legen kann. Im Vordergrund stehen dabei Gebühren und eine Limite für Transaktionen. Die Regulatoren verfolgen dabei zwei Ziele: Einerseits soll der immer grösser werdende Wettbewerbsvorteil der mit Supercomputern ausgerüsteten Hedgefonds-Profis abgebaut und die konservativen institutionellen Anleger begünstigt werden. Andererseits soll das System sicherer gemacht werden. Die Algo-Trader werden nämlich auch für die zunehmende Volatilität der Börsen verantwortlich gemacht.
Volatilität als Basis des Erfolgs
Für die High-Frequency-Spezialisten ist Volatilität die Basis ihres Erfolgs. Dank ihren hochkomplexen Algorithmen (daher auch der Name Algo-Trader) können sie kleinste Kursdifferenzen sofort gewinnbringend ausnützen. Für langfristig orientierte Anleger hingegen verursachen die wild schwankenden Kurse bloss unnütze Kosten und schmälern ihren Profit. «In den 25 Jahren, in denen ihr Vorsorgevermögen angelegt ist, wird es 25-mal ausgewechselt. Das verursacht enorme Kosten und dient nur den Banken und Fondsmanagern, welche die Wertpapiere verkaufen und kaufen. Die werden reich, nicht Sie!», sagt der pensionierte Banker Paul Woolley in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Heute untersucht er an der London School of Economics, weshalb die Finanzmärkte verrückt spielen.
Wie gefährlich die Algo-Trader für das gesamte System sein können, hat ein Vorfall am 6. Mai 2010 gezeigt. Der Dow-Jones-Index verlor innert kürzester Zeit über 700 Punkte, womit selbst sogenannte Blue Chips – Titel grosser gestandener Konzerne – ins Bodenlose stürzten. Kein Mensch wusste, weshalb. Bis heute ist der Vorfall nicht geklärt, doch man geht allgemein davon aus, dass Algo-Trader dabei eine zentrale Rolle gespielt haben.
Eine Erfindung der Nullerjahre
Die High-Frequency-Trades sind eine Erfindung der Nullerjahre. In den USA sind deswegen die Börsentransaktionen von rund sechs Milliarden im Jahr 2007 auf rund acht Milliarden aktuell angestiegen. Zugenommen haben auch die Missbräuche. Berühmt-berüchtigt ist dabei das sogenannte «Layering». Dabei täuschen die Supercomputer Deals vor, die dann im letzten Moment gar nicht ausgeführt werden. Auf diese Weise werden andere Investoren dazu verleitet, Käufe zu nicht realistischen Preisen zu tätigen. Gemäss Angaben der «New York Times» schreiten die Überwachungsbehörden deswegen vermehrt ein. So musste die New Yorker Brokerfirma Trillium wegen Layering 2,3 Millionen Dollar Busse bezahlen.
An der kommenden Konferenz der Finanzminister der G-20 sollen nun Vorschläge unterbreitet werden, wie man gegen die Algo-Trader vorgehen kann. Selbst den Wallstreet-Profis werden die Algo-Trader unheimlich. «Sie verdienen sich dumm und dämlich, während die normalen Anleger damit zerzaust werden», wird der altgediente Börsenhändler Guy P. Wyser-Pratte in der «New York Times» zitiert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.10.2011, 12:44 Uhr
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72 Kommentare
Ich hoffe schwer, dass dieses unsäglich System gestoppt wird. Mir als Informatiker wird es ganz anders, wenn ich an das High-Frequency Trading denke. Das ist nämlich ein weiteres, von aussen unkontrollierbares Mittel zur Umlagerung von Vermögen in die Tasche weniger. Es gehört in eine ähnliche Sparte wie synthetische Finanzprodukte. Man hofft darauf, dass es möglichst niemand versteht. Antworten
Als nächstes gehört der Eigenhandel von Banken verboten. Diese erhalten von den Nationalbanken billiges Geld (Fiat money) und gamblen damit. Oder wie Goldman Sachs: Short-Term Credits vom Fed zu 0,1% Zins, um es anschliessend in Treasury-Bonds vom Fed zu 3,5% anzulegen. Das ist nichts anderes als Betrug am Volk!! Diese Banken haben Staatsgarantie, erhalten also auch viel zu billiges privates Geld! Antworten
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