Wirtschaft

Der Dollar wird rekordschwach bleiben

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 07.10.2010 18 Kommentare

Heute Morgen ist der Dollar auf ein weiteres Allzeittief von beinahe 0,95 Franken gefallen. Wenig spricht dafür, dass die US-Währung auf absehbare Zeit wieder mehr als einen Franken kostet.

Die Erwartung weiterer Geldspritzen durch die US-Zentralbank Federal Reserve lassen den Dollar erneut abstürzen: Fed-Chef Ben Bernanke.

Die Erwartung weiterer Geldspritzen durch die US-Zentralbank Federal Reserve lassen den Dollar erneut abstürzen: Fed-Chef Ben Bernanke.
Bild: Reuters

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Gegenüber dem Schweizer Franken hat der US-Dollar heute Morgen ein Rekordtief erreicht. Zum ersten Mal kostet er auf den Interbankmärkten weniger als 96 Rappen. Nachdem vor kurzem noch der Euro gegenüber der Schweizer Währung fast täglich neue Tiefstwerte erreicht hat, passiert das gegenwärtig mit dem Dollar. Der Euro hat sich dagegen zum Franken wieder leicht erholt und hat momentan noch einen Preis von knapp unter 1.34 Franken. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Schweizer Währung damit gegenüber den wichtigsten Weltwährungen äusserst hoch bewertet ist. Das ist gut für Importeure und Schweizer Weltenbummler, aber Gift für die Exporteure.

Der jüngste Absturz des Dollars geht auf die Erwartung zurück, dass die US-Notenbank Federal Reserve angesichts der anhaltenden Wirtschaftsschwäche weitere Stimulierungsmassnahmen beschliessen wird. Der Leitzins (Federal Funds Rate) befindet sich schon seit dem Dezember 2008 praktisch bei null Prozent (offiziell zwischen 0 und 0,25 Prozent). Weil Nominalzinsen nicht unter null fallen können und die Wirtschaft gemessen an einer anhaltenden Rekordarbeitslosigkeit von rund 10 Prozent nicht vom Fleck kommt, wird die Zentralbank wohl verstärkt längerfristige Anleihen der US-Regierung kaufen. Einige Mitglieder des Offenmarktausschusses, der die Geldpolitik der US-Zentralbank festlegt, haben sich in dieser Hinsicht geäussert. Diese Monetisierung der Staatsschuld wird «Quantitative Easing» genannt. Weil das Fed das schon einmal getan hat, ist abgekürzt die Rede von «QE2».

Die Politik der Zentralbanken spricht gegen den Dollar

Die US-Zentralbank versucht damit, die langfristigen Zinsen direkt zu beeinflussen und offiziell auf diesem Weg die Unternehmen wieder zu Investitionen anzuregen. Doch bisher hat auch das wenig genützt. Die Unternehmen trauen bisher dem Aufschwung nicht wirklich und füllen aus Vorsicht eher ihre Kassen, als dass sie ihre Kapazitäten ausweiten. Daher bleibt auch für die nähere Zukunft fraglich, ob ein «QE2» zu mehr Investitionen und damit zu einem stärkeren Wachstum verhilft. Doch die Erwartung, dass die US-Zentralbank alle Mittel ausschöpfen wird, um über alle Fristen die ohnehin schon historisch tiefen Zinsen weiter zu drücken, macht auch den Dollar als Anlagewährung weniger attraktiv und umgekehrt den Kauf von jenen Währungen lohnenswert, die keine entsprechenden Pläne verfolgen.

Das trifft auf den Schweizer Franken zu. Nach ihren weitgehend verpufften Versuchen, durch gigantische Eurokäufe den Auftrieb des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro zu schwächen, dürfte die Schweizerische Nationalbank SNB (SNBN 1089 2.06%) äusserst zurückhaltend damit sein, den Dollar-Franken-Kurs aktiv zu beeinflussen. Angesichts der weltweiten Debatte über einen drohenden Währungskrieg würde sie dabei zudem international als Brandstifterin verurteilt. Den Leitzins (Dreimonats-Libor) kann sie auch nicht mehr senken: Offiziell hat sie ihn auf 0,25 festgesetzt, tatsächlich befindet er sich bei 0,18 Prozent. Ein «Quantitative Easing», um die Langfristzinsen direkt negativ zu beeinflussen, kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil das die von ihr selbst geäusserten Ängste vor einer Immobilienblase in der Schweiz verschärfen würde.

Das alte Muster spielt nicht mehr

Kein Wunder rechnen die Währungsanalysten der beiden Schweizer Grossbanken damit, dass die ausgeprägte Dollarschwäche gegenüber dem Franken anhält: Beide erwarten innert Jahresfrist keinen Anstieg des Dollarpreises zurück über die Parität. Bei der UBS rechnet man sogar in 12 Monaten noch mit einem Kurs von 96 Rappen pro Franken, bei der Credit Suisse mit einem Bereich zwischen 93 und 97 Rappen. Allerdings herrscht unter den Währungsanalysten alles andere als Einigkeit. Die Bank Sarasin zum Beispiel rechnet damit, dass die US-Währung noch im laufenden Jahr wieder über die Parität zurückkehrt und im nächsten Jahr kontinuierlich über Werte von 1.10 Franken steigt. Eine solche Entwicklung sagen auch die Ökonomen der Bank of America voraus.

Die Dollaroptimisten nehmen die Vergangenheit zum Vorbild. Krisenzeiten haben die US-Währung bisher gestützt. Doch erstens gilt das auch für den Schweizer Franken und zweitens tut die US-Zentralbank alles, um diesen Effekt auszuschalten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2010, 12:17 Uhr

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18 Kommentare

Boris Radtke

07.10.2010, 13:18 Uhr
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Dieser tiefe Dollarkurs einerseits, andererseits die Rezession und lahme Wirtschaft in den USA, kombiniert, könnte eine USA Reise derzeit zu einem Einkaufs-Schlaraffenland mit Urlaub zu Schnäppchen-Konditionen machen. Ich jedenfalls reise nächste Woche mit 2 fast leeren Koffern hinüber...und wohl mit 2 vollen Koffern zurück. Als Normal-Bürger muss man die Dinge positiv sehen und Vorteile ziehen :) Antworten


hans friedrich

07.10.2010, 12:51 Uhr
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Wer hält da seine Währung tief? Hat der Dollar nicht mal 4SFr. gekostet? Antworten



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