Wirtschaft

Der Makler von der Goldküste

Von Konrad Koch. Aktualisiert am 05.06.2010

Gerhard E. Walde steht im Immobiliengeschäft ganz oben. 81 Meter über den Dächern von Zürich vermarktet Walde & Partner im Mobimo Tower Wohnungen von weltstädtischen Dimensionen.

Vom Quereinsteiger zum Market Maker: Gerhard Walde (r.) mit Samih Sawiris (m.) und Claude Ginesta (l.).

Vom Quereinsteiger zum Market Maker: Gerhard Walde (r.) mit Samih Sawiris (m.) und Claude Ginesta (l.).

Walde vermarktet etwa Lofts mit bis zu 324 m² Fläche und zu Preisen bis über 4,8 Millionen Fr. In 25 Jahren hat Walde es geschafft, den Namen zum Markenzeichen für hochwertige Liegenschaften in einer der teuersten Regionen der Schweiz zu machen. Heute hat er gar zusammen mit Ginesta Immobilien, der Firma des Doyens der Zürcher Immobilienmakler, das Mandat für die Luxusvillen von Samih Sawiris in Andermatt.

Vom Quereinsteiger ist er zu einem der Market Makers geworden. Am 30. Mai 1954 in Untersiggenthal geboren, in «ganz einfachen Verhältnissen» aufgewachsen, gründete er nach einer kaufmännischen Ausbildung in den frühen Achtzigerjahren ein Unternehmen für Sicherheitstechnik und Alarmanlagen. Eingemietet war das Büro im selben Haus an der Rämistrasse in Zürich wie der Mieterservice, ein Adressvermittlungsdienst für Zimmer und Wohnungen. Am 1. Oktober 1985 übernahmen er und seine damalige Freundin und heutige Ehefrau Marianne den Mieterservice mit drei Angestellten.

Ende November schrieb er den ersten Check für Miete und Löhne, im Dezember den zweiten, und beim dritten rechnete er Marianne vor, dass er bis zum 30. Mai, seinem 32. Geburtstag, Pleite sein werde. Es galt was zu ändern. Marketingerfahren, aber bar aller Marktkenntnisse, wie er offen gesteht, stieg er in den Immobilienhandel ein – und machte es besser als die etablierten Liegenschaftenhändler. Das erste Haus, das er verkaufte, war eine Jugendstilvilla an der Hegibachstrasse in Zürich, für 1,98 Millionen Fr. Die erste Provision war verdient. 3% waren das damals.

Das Internet that die Preise transparenter gemacht

Das Klischee vom provisionsscheffelnden Immobilienmakler ist so falsch wie alle Vorurteile. Die Zeiten mögen zwar goldig und auch hemdsärmlig gewesen sein. Wer aber die Immobilienkrise der Neunzigerjahre überstanden hat, der muss einiges besser gemacht haben als andere. Heute beschäftigt Walde & Partner vierzig Mitarbeitende. Mit der Vermarktung von Wohneigentum, Neubauprojekten, Mehrfamilienhäusern, Geschäftsliegenschaften und Grundstücken sowie von Anlageliegenschaften (www.walde.ch) wird ein Transaktionsvolumen von jährlich über 500 Millionen Fr. erwirtschaftet.

«Das Immobiliengeschäft ist professioneller geworden», beschreibt Gerhard E. Walde den Markt heute. Das Internet hat die Transparenz erhöht, was Preise und Angebote betrifft. Die Kunden sind informierter, mündig und verlangen ein umfassendes Dienstleistungspaket. Nichts geändert hat sich an der Kunst des Maklers. Er muss zwischen zwei absolut divergierenden Erwartungen, der des Verkäufers und der des Käufers, vermitteln, damit beide mit der Zufriedenheit, den richtigen Preis zu haben, in das Geschäft einschlagen – wobei die Kommission heute unter 2% ist.

Kaum Sorgen macht sich Walde über die Immobilienpreise. Noch stützten niedrige Zinsen und die Zuwanderung die Nachfrage. Sorgen macht ihm, dass Inflation droht. Ganz Immobilienprofi, meint er: «Korrigiert der Markt den Preis, korrigiert die Inflation die Schuld.» (Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 05.06.2010, 22:01 Uhr

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