Der Schweiz droht ein Hypothekendesaster

40 Prozent der neuen Hypotheken gehen an Kunden, die gemäss einer Nationalbank-Studie einen starken Zinsanstieg nicht verkraften. Für UBS-Chef Sergio Ermotti ist das Risiko für einen solchen Zinsschub hoch.

«Irgendwann kommt das grosse Erwachen»: Neue Einfamilienhäuser im Quartier Berg in Münchenstein BL. (25. März 2011)

«Irgendwann kommt das grosse Erwachen»: Neue Einfamilienhäuser im Quartier Berg in Münchenstein BL. (25. März 2011) Bild: Keystone

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Die Banken spielen bei der Vergabe von Hypotheken mit dem Feuer. Dies zeigt eine Umfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei den 25 grössten Schweizer Hypobanken.

Demnach werden bei 20 Prozent der Neuhypotheken die Immobilien zu mehr als 80 Prozent belehnt. Zudem gehen 40 Prozent der Hypotheken an Kunden, die einen Anstieg der Hypozinsen auf 5 Prozent finanziell nicht verkraften könnten, berichtet der «SonntagsBlick» (Artikel online nicht verfügbar). Die Tragbarkeit von Hypothekenschulden ist in der Regel so berechnet, dass ein Kunde bei Zinsen von 5 Prozent nicht mehr als einen Drittel seines Haushaltseinkommens für die Zinszahlungen aufwenden muss.

Die Resultate sind laut dem «SonntagsBlick» vertraulich, doch SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine habe sie kürzlich in einer Rede öffentlich gemacht. Die Zahlen fänden sich in der Fussnote in einem SNB-Papier. Danthine forderte angesichts der grossen Risiken vor seinen Zuhörern plakativ: «Anschnallen bitte.»

Gmür: «Am Markt stellen wir anderes fest»

UBS-Immobilienspezialist Matthias Holzhey zeigt sich «überrascht» über die Zahlen. Für Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes (HEV), decken sich die SNB-Resultate mit eigenen Beobachtungen. «Die Banken schwören zwar Stein und Bein, dass sie sich an die inoffizielle Normen halten. Aber am Markt stellen wir anderes fest.»

Gmür berichtet im «SonntagsBlick» von Beispielen, bei denen die Banken die Wohnungen höher bewerten. So können sie auch höhere Hypotheken gewähren, ohne die 80-Prozent-Belehnungsgrenze zu überschreiten. Gmür glaubt, dass irgendwann «das grosse Erwachen» komme. «Aber bis dann werden noch einige Jahre ins Land ziehen», gibt sich der Präsident des Hauseigentümerverbands überzeugt.

Ermotti warnt vor raschem Zinsanstieg

UBS-Chef Ermotti warnt hingegen vor einem schnellen Ende der Tiefzinsphase. «Eines der grössten Risiken aus heutiger Sicht ist eine abrupte Trendwende bei den Zinsen», sagte er gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Höhere Zinsen würden zwar der UBS nützen, aber für die Investoren bleibe im Falle einer jähen Zinswende nur wenig Zeit, sich auf die neue Situation umzustellen. Ermottis Prognose ist beunruhigend: «Wenn die Zinsen steigen, werden sie sehr rasch steigen.» (rub)

(Erstellt: 12.05.2013, 12:21 Uhr)

Ermotti skeptisch gegenüber Informationsaustausch

UBS-Chef Sergio Ermotti stellt sich skeptisch zum automatischen Austausch von Bankinformationen zwischen der Schweiz und der EU. Und zwar «weil ich nicht weiss, was wir als Land dafür bekommen», sagte Ermotti zur «NZZ am Sonntag». Er stellte insbesondere infrage, ob sich Konzessionen positiv auf den Marktzugang von Schweizer Finanzinstituten in Europa auswirken würden.

Die Gespräche sollten laut Ermotti mit allen wichtigen Ländern und Finanzplätzen stattfinden – auch in den USA und in Asien. «Setzen wir uns hin und kreieren einen internationalen Standard. Dann schaffen wir Klarheit», sagte er. Im Zentrum steht für ihn die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Banken. (sda/rub)

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