Wirtschaft
Der Weltuntergang blieb bisher aus
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 08.08.2011 36 Kommentare
Anhaltende Angst an den Börsen: Händler an der New York Stock Exchange (Bild: Keystone )
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«Welt am Abgrund» lautet die Titelgeschichte des deutschen Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Die Angst um die Weltwirtschaft findet sich auch sonst in jeder Berichterstattung, und sie spiegelt sich auch in der Entwicklung der Börsen der letzten Wochen. Allein der Schweizer Leitindex SMI hat seit Anfang Juni um 20 Prozent verloren. Titel wie jene der Grossbanken Credit Suisse und UBS fielen in diesen rund zwei Monaten sogar noch deutlich stärker, um 34 Prozent, beziehungsweise um rund 40 Prozent. Die Herabstufung der US-Regierung als Schuldner vom höchsten Bonitätsstatus AAA zum Status AA+ durch die Ratingagentur Standard & Poor's müsste das alles noch verschlimmern, so die Überzeugung nach der Meldung in der Nacht auf den Samstag. Die Welt rechnete mit drastischen Börsenabstürzen heute Morgen.
Geschehen ist anfänglich sogar das Gegenteil. Der Schweizer Leitindex SMI ist heute Morgen zwischenzeitlich bis auf 1,7 Prozent ins Plus gestiegen. Auch der Blick auf die weltweiten Kapitalmärkte zeigt kein Bild eines fortgesetzten Weltuntergangs. Im Laufe des Tages verdüsterte sich allerdings das Bild dramatisch.
Kein Grund zum Aufatmen
Was ist passiert? Ist alles nur halb so schlimm? Nein. In erster Linie sollten die ersten Reaktionen der Märkte nicht überbewertet werden. Viel hängt einerseits von der weiteren Entwicklung ab: Bis um 16.30 Uhr fiel der Dow Jones Index bereits um beinahe 3 Prozent Punkte. Ausserdem wäre selbst ein vorerst ausbleibender Totalabsturz keine wirklich beruhigende Nachricht. Die Kursstürze in den letzten Tagen waren so dramatisch, dass eine deutlichere Korrektur als Gegenreaktion auf die Panik nicht ungewöhnlich wäre. Doch von einer Erholung weg vom Panikniveau zeugen die Entwicklungen auf den Märkten weder bei den Aktien noch bei den Währungen. Der Franken hat sich gegenüber dem Dollar heute morgen weiter auf den Höchstkurs von knapp über 75 Rappen aufgewertet und auch der Euro kostete am Nachmittag nur noch 1.08 Franken.
Ein Grund für die im Vergleich zu den Erwartungen anfänglich milde Kursreaktion an den europäischen Börsen sind die Interventionen der Europäischen Zentralbank, die massiv in die Anleihenmärkte eingreifen will, um den Zerfall der italienischen und spanischen Titel zu stoppen, um damit dem Anstieg des Zinsniveaus für diese Länder Einhalt zu gebieten. Die Stützung dieser Anleihen stärkt das Vertrauen in die Banken, die auf ihnen sitzen, und beruhigt damit die Lage an den Finanzmärkten. Diese notwendige und gleichzeitig für die Zentralbank auch riskante Erste-Hilfe-Massnahme, um die Ausweitung der Krise aufzuhalten, stellt aber keinen Lösungsansatz zur Behebung der Krise selbst dar.
Der S&P-Effekt hält sich in Grenzen
Ein weiterer Grund für den zu Börsenstart ausgebliebenen Absturz ist der Entscheid von Standard & Poor's selbst. Die Abstufung der USA war nicht überraschend. Indem sich die Agentur in einem ersten Anlauf um 2 Billionen Dollar verrechnet hat, ist ihre Glaubwürdigkeit nicht eben gestiegen. Kommt dazu, dass alle von ihr aufgezählten Gründe für den Entscheid auf den Märkten bestens bekannt waren und dass die beiden anderen wichtigen Agenturen, Moody’s und Fitch, sich bisher nicht zum gleichen Schritt entschieden haben.
Als grösstes Risiko für die USA durch eine solche Abwertung wurde bisher immer ein steigender Zinssatz für die US-Staatsanleihen bezeichnet. Das würde auch in den USA die Verschuldung weiter verschlimmern und das Zinsniveau in den USA generell hochtreiben. Die schon geschwächte US-Wirtschaft würde darunter weiter leiden und eine erneute Rezession wäre möglich. Doch die Hinweise verdichten sich, dass das neue Rating noch nicht einmal diese Wirkung hat und die Zinsen kaum ansteigen oder sogar noch fallen werden. Das heisst, dass die US-Staatsanleihen kaum abgestossen oder sogar noch vermehrt gekauft werden. Ein Hinweis darauf ist, dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in den Tagen vor dem S&P-Entscheid – und in Erwartung, dass er zu einer Abwertung führen wird – nicht angestiegen, sondern drastisch gesunken ist: von 3 Prozent Ende Juli bis auf beinahe 2,5 Prozent. Seit die Anleihen nach dem Rating von S&P wieder gehandelt werden, ist das US-Zinsniveau – gemessen an der Rendite von US-Staatsanleihen – sogar noch weiter gesunken .
Die Angst um die Konjunktur überwiegt
Neben der erwarteten Aktion von Standard & Poor's liegt das auch darin begründet, dass die US-Staatsanleihen trotz der Herabstufung noch immer die relativ sicherste Anlageform in den USA darstellen. Die sich verschlechternden Aussichten für die Konjunktur des Landes machen diese Anleihen damit weiterhin zu einer begehrten Anlageform. Das bedeutet aber umgekehrt auch, dass der ausgebliebene Absturz der US-Staatsanleihen nicht als gutes Omen gedeutet werden kann. Er bedeutet bloss, dass die Angst um die Realwirtschaft eine viel grössere Bedeutung hat als das Urteil der Ratingagentur. Dasselbe gilt in Europa: Die bisher ausgebliebene Totalkatastrophe ist einzig das Ergebnis einer weiteren Rettungsaktion, die aber nichts zur Lösung der Probleme auf dem Kontinent beiträgt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.08.2011, 11:56 Uhr
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36 Kommentare
Der Weltuntergang kommt nicht wegen Emmerich 2012, sondern weil einige Menschen denken, dass der Maya-Kalender im Dez. 2012 abläuft :-)
Egel ob sich S+P verrechnet haben, ein Land mit einem Schuldenberg von 14 Billionen US$ verdeint einfach kein AAA Rating.
Leider spiegelt sich die Unfähigkeit der Regierung auch in der Schweiz wieder ...
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Welche/r Politiker/in hat den Mut um den ersten (unvermeidbaren) Schritt zu tun !
Allen ist klar dass das Leben auf Pump vorbei ist. Es müssen wieder echte Werte erarbeitet werden. In einem Unternehmen (Staat) muss Substanz stecken ! Im ersten Fall sind das Gebäude, Maschinen und Anlagen. Beim Staat ist es die Infrastruktur wie Strassen, Eisenbahn, Strom, Wasser, Abwasser etc.
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


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