Wirtschaft

Der Wirtschaftsmotor gerät ins Stocken

Aktualisiert am 01.12.2011 11 Kommentare

Das Schweizer Wirtschaftswachstum verlangsamt sich im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr. Das Bruttoinlandprodukt konnte nur noch um 0,2 Prozent zulegen.


Wertschöpfung der Industrie gesunken: Mitarbeiterin einer Schweizer Weberei bei der Arbeit. (Bild: Keystone )

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Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft hat sich deutlich verlangsamt. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal noch um 0,2 Prozent zu.

Das ist der tiefste Wert seit dem zweiten Quartal 2009, als sich die Wirtschaft in der Rezession befand und das BIP schrumpfte. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug das Wachstum 1,3 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilte.

Die schwächere Wirtschaftsentwicklung ist vor allem auf äussere Faktoren zurückzuführen. Der hohe Kurs des Frankens lässt die Exportwirtschaft weiterhin leiden. Die Ausfuhren brachen gegenüber dem Vorquartal um 1,2 Prozent ein. Auch in der Industrie, die stark auf Exporte ausgerichtet ist, machte sich der starke Franken bemerkbar: Sie schrumpfte um 0,7 Prozent. Nur wenig besser erging es der Landwirtschaft, deren Wertschöpfung um 0,3 Prozent abnahm.

Weltwirtschaft merklich abgekühlt

«Die exportorientierten Sektoren sind im Moment doppelt belastet: einerseits hat sich die Weltkonjunktur in den letzten Monaten abgekühlt, andererseits belastet zusätzlich der hoch bewertete Franken die Exportentwicklung», sagte Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Seco, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Weltwirtschaft habe sich merklich abgekühlt, was es für Schweizer Unternehmen schwieriger mache, im Ausland Abnehmer für ihre Produkte zu finden.

Die Exporteure versuchten, die Stärke des Frankens durch tiefere Preise teilweise zu kompensieren. Die Preise von ausgeführten Gütern gingen im gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent zurück. Bei den Warenexporten ohne Wertsachen belief sich der Rückgang gar auf 4,6 Prozent.

Wegen der schwächelnden Exporte war die Wirtschaft im dritten Quartal vor allem von der inländischen Nachfrage abhängig: Gegenüber dem zweiten Quartal wuchs der private Konsum um 0,1 Prozent, der öffentliche um 0,6 Prozent. Die Importe nahmen um 0,1 Prozent zu.

Unter den einzelnen Sektoren entwickelte sich der Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtendienste mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent am besten. Im Sektor der Finanz- und Versicherungsbranche stieg die Wertschöpfung um 0,5 Prozent, im Baugewerbe betrug das Wachstum 0,2 Prozent.

Trübe Aussichten

Dass die Schweizer Wirtschaft mit dem tiefen Wachstum im dritten Quartal den Tiefpunkt erreicht hat, ist laut Bruno Parnisari nicht zu erwarten. Die wenigen Indikatoren, die für die Zeit seit September bereits verfügbar sind, deuteten eher darauf hin, dass das vierte Quartal noch schlechter ausfallen werde.

Das Seco erwarte zwar «keine ausgeprägte Rezession». Es sei aber klar, dass die Abkühlung der Weltkonjunktur nicht ohne Auswirkungen auf die Schweiz bleiben werde. Zuletzt hatte die OECD am Montag ihre Prognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Sie geht für das kommende Jahr noch von einem Wachstum von 3,4 Prozent aus. Im September schätzte das Seco, dass die Schweizer Wirtschaft 2012 um 0,9 Prozent wachsen wird. (mrs/sda)

Erstellt: 01.12.2011, 08:20 Uhr

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11 Kommentare

Nadine Binsberger

01.12.2011, 09:27 Uhr
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Wachstum war notwendig, als noch Mangel und Entbehrung herrschten. Heute haben wir alles was wir brauchen und dazu noch alles, was wir nicht brauchen. Noch mehr Wachstum ist irgendwann einfach nicht mehr möglich. Irgendwann bedeutet jedes zusätzliche Wachstum eher Qual als Wohlstand. Diesen Punkt haben wir längst überschritten. Wohlstand und Freizeit statt Wachstum und Stress! Antworten


Peter Oberholzer

01.12.2011, 10:43 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Die Einwanderer bringen nicht die vorausgesagten Wirtschaftserfolge. Das Geld macht einen zu grossen Teil der Motivation für den Aufenthalt in der Schweiz aus. Diese einseitigen Gedanken sind die Grundlage der Einwanderungspolitik. Der Allgemeinheit werden grosse finanzielle Einbussen auferlegt und die Wirtschaft kommt dadurch scheinbar nicht einmal zu andauernden positive Entwicklungen. Antworten



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