Der gefährliche Preiskampf am Schweizer Immobilienmarkt
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 21.01.2010 33 Kommentare
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Es bestehe eine «gewisse Befürchtung», dass es im Immobilienbereich der Schweiz zu «Verzerrungen» komme. Diese Aussage des frisch gebackenen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand in einem Interview der letzten «SonntagsZeitung» hat überrascht. Auch die Bankenaufsicht Finma will diesen Markt genauer unter die Lupe nehmen (siehe «Artikel zum Thema»). Branchenkenner können in der Schweiz bisher keine Anzeichen für eine Preisblase ausmachen. «Wir haben dafür bisher keine Hinweise», sagt Lorenz Heim, Hypothekenexperte beim Vermögenszentrum (VZ).
Hildebrand selbst hat im Interview erklärt, die Schweizerische Nationalbank SNB (SNBN 1089 2.06%) habe «nur wenig explizite Evidenz» für eine Fehlentwicklung bei den Immobilien. Es liege aber in der menschlichen Natur, dass bei den tiefen vorherrschenden Zinsen Übertreibungen drohen könnten. Das SNB hält die Zinsen tief, um die schwache Schweizer Konjunktur zu stützen.
Dumpingpreise bei der UBS?
Die verklausulierte Warnung Hildebrands könnte sich auf das Verhalten der UBS oder auch der Raiffeisenbanken beziehen. Die UBS unterbietet offenbar im Kampf um Anteile im Hypothekenmarkt die von ihr selbst publizierten Sätze. Das stellt das Hypothekenzentrum, welches zum VZ gehört, zumindest bei ihren Kunden fest. «Wir beobachten, dass die UBS die Hypotheken teilweise deutlich unter den risikogerechten Sätzen anbietet», sagt Heim. Es scheine fast so, als tue die Grossbank alles, um im Geschäft zu bleiben, folgert der Hypothekenexperte.
Die UBS selbst bestreitet das. «Wir sind bemüht, unseren Kunden attraktive Angebote zu machen», sagt Sprecher Andreas Kern. Zudem würde die UBS, wie andere Banken auch, in beschränkten Zeitperioden Aktionen anbieten, in keinem Fall aber zu Dumpingpreisen.
Das Risiko des Preiskampfs
Banker bestätigen, dass der Preiskampf bei den Hypotheken über die Zinsen sehr hart geführt wird. Das gilt für alle Institute. Es sei auch nicht so, dass die UBS immer die günstigsten Sätze im Angebot habe, auch sie werde zuweilen unterboten. Besonders die Raiffeisenbank gilt als besonders aggressiv. Das ist auf den ersten Blick eine gute Botschaft für potenzielle Hauskäufer. Für die Volkswirtschaft insgesamt ist das allerdings gefährlich.
Werden Hypotheken zu billig vergeben, könnte sich auf den Immobilienmärkten eine Blase bilden. Die Erfahrung mit dem Platzen einer solchen im so genannten «Subprime»-Immobiliensegment der USA haben gezeigt, welche Gefahren drohen: Das hat erst die Banken und dann auch die Gesamtwirtschaft weltweit in eine schwere Finanzkrise gestürzt. Anfangs der Neunzigerjahre hat auch die Schweiz eine schwere Immobilienkrise erschüttert. Wenn die Immobilienpreise drastisch fallen, kann auch in der Schweiz ein grosser Teil der Bevölkerung praktisch über Nacht überschuldet sein, was auch die Banken ins Wanken bringen würde. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.01.2010, 13:48 Uhr
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33 Kommentare
Realitaetsverweigerung in den Kommentaren: Auch in der Schweiz zahlen Menschen ihre Kredite nicht ab, weil es Steuervorteile bringt und die Zinsen extrem niedrig sind. Bei steigenden Zinsen und schwindenden Steuervorteilen faengt dieser Markt an zu kippen und dann blickt die UBS in der Heimat in den Abgrund. Die Marktgesetze wirken auch in der Schweiz, die Frage ist nur wann. Antworten
Man sollte endlich verbindliche Richtlinien für Hypothekarbelastungen einführen: Wer nicht min 20% Eigenkapital hat kriegt nichts und niemand kriegt mehr als er bei einem Hyposatz von 5% noch zahlen kann. Sonst haben wir bald ein ähnliches Schlamassel wie in den späten 80er. Antworten
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