Wirtschaft
Der gefährlichste Markt der Welt
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 19.12.2011 6 Kommentare
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1996 musste Li Fuan, Ökonom bei der chinesischen Zentralbank, ein amerikanisches Buch für den Immobilienhandel übersetzen. Er hatte dabei ein grosses Problem: Es gab kein Wort für Hypotheken. «Ich habe in keinem Wörterbuch eine Übersetzung», erzählt er.
Kein Wunder: einen Immobilienmarkt im eigentlichen Sinn existierte im kommunistischen Reich bis zur Jahrhundertwende nicht. Inzwischen haben die Chinesen rasch aufgeholt. Der Immobilienmarkt ist zum Motor ihrer Wirtschaft geworden. Letztes Jahr war er für 13 Prozent des gesamten Bruttoinlandprodukts (BIP) verantwortlich. Rund 40 Prozent des gesamten Stahlverbrauchs wurden für Wohnungen und Geschäftshäuser benötigt.
«Ausserordentlich wichtig»
Die Chinesen haben nicht nur aufgeholt, sie sind offenbar im Begriff, auch die Dummheiten des Westens zu wiederholen. In China ist die Mutter aller Immobilienblasen entstanden, befürchten inzwischen viele westliche Analysten. Gemäss den offiziellen Angaben haben sich die Häuserpreise in vier Jahren durchschnittlich verdoppelt. In Städten wie Peking sind die Preise gar um 150 Prozent gestiegen. Viele Analysten sind jedoch überzeugt, dass die Verhältnisse noch viel schlimmer sind, und die offiziellen Zahlen weit unter dem tatsächlichen Preisanstieg liegen. «Die chinesischen Häuserpreise sind so schnell und so hoch gestiegen, dass niemand, der nicht bereits Wohneigentum besitzt, es sich heute noch leisten kann», stellt die «Financial Times» fest.
Jetzt mehren sich alarmierende Anzeichen. Yi Xianrong, Professor an der China Academy of Social Sciences stellt zynisch fest: «China hat die grösste Immobilienblase aller Zeiten, aber unsere Grundsteuer ist tiefer als in Zimbabwe. Das ist nur noch lächerlich.» Zum Lachen ist allerdings den wenigsten zumute. Es wird befürchtet, dass die Immobilienpreise jetzt rund einen Viertel einbrechen könnten, und dass sich dieser Preiszerfall über Jahre wiederholen wird. Das wäre ein harter Schlag für die chinesische Wirtschaft. «Die Immobilienbranche ist für die gesamte chinesische Wirtschaft ausserordentlich wichtig», sagt der UBS-Analyst Jonathan Anderson. «Sie beeinflusst die Nachfrage nach Rohstoffen, die Ausgaben der privaten Haushalte, den Aussenhandel und die Gewinne der Schwerindustrie.»
«Ein neues Katastrophen-Epizentrum»
Nicht nur die Binnenwirtschaft leidet. China ist zu einer eigentlichen Lokomotive der Weltwirtschaft geworden. Der chinesische Immobilienmarkt ist deshalb derzeit der gefährlichste Markt der Welt. Ein Kollaps hätte Folgen, die rund um den Globus zu verspüren wären. Jonathan Anderson, der als einer der einflussreichsten China-Experten gilt, spricht deshalb vom «wichtigsten Sektor in der gesamten Weltwirtschaft, was die Auswirkungen auf den Rest der Welt betrifft.»
Chinas Immobilienmarkt wird von den führenden Ökonomen sehr genau verfolgt, und was sie sehen, gefällt ihnen nicht. «Ich will ja hier nicht unnötig Panik verbreiten», schreibt beispielsweise Nobelpreisträger Paul Krugman in der «New York Times». «Aber es ist unmöglich, nicht besorgt zu sein: Die chinesische Geschichte erinnert viel zu stark an das, was wir bereits anderswo erlebt haben. Und das Letzte, das eine Weltwirtschaft, die bereits vom europäischen Chaos durchgeschüttelt wird, jetzt noch brauchen kann, ist ein neues Katastrophen-Epizentrum.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.12.2011, 15:33 Uhr
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6 Kommentare
No jo! Wenn man der Finanzindustrie in den letzten Jahren Glauben schenken kann, ist China eine absolute MEGA Investition, wie schon all die anderen aufgeblasenen Märkte gewesen sind (Immoblase, Techbl. Rohstoffbl...) Solange die Finanzindustrie die Risiken sozialisieren kann (gekaufte Parlamente,Steueroasen..) wird nix geändert, warum auch! Auch in CHina sehen wir bald die Notenpresse glühen... Antworten
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