Wirtschaft
Der umständliche Umweg zu Ermotti
Ein Kommentar von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 15.11.2011 15 Kommentare
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Die Zeit der Unsicherheit ist vorbei: Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) hat Sergio Ermotti, den interimistischen Nachfolger von Oswald Grübel als CEO der Grossbank nun doch definitiv inthronisiert. Gleichzeitig teilt die Grossbank mit, dass Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger schon an der nächsten Generalversammlung am 3. Mai des nächsten Jahres zurücktreten wird und dort vom ehemaligen Chef der deutschen Bundesbank Axel Weber abgelöst wird.
Jeder andere Beschluss wäre eine Überraschung gewesen. Die UBS wurde praktisch von allen Seiten wegen der nur provisorischen Ernennung von Ermotti kritisiert. Auf ebenso wenig Verständnis stiess die von Kaspar Villiger bisher geäusserte Absicht, seinen Posten erst nach zwei Jahren räumen zu wollen. Die Bank hat sich nach Grübels plötzlichem Abgang den Luxus eines beträchtlichen Führungsvakuums geleistet. Und das in einer ausserordentlich schwierigen Zeit für die gesamte Finanzbranche.
Die Interimslösung war keine Glanzleistung
Wirklich verblüfft hat eigentlich nur der Zeitpunkt, zu dem die UBS die Änderungen bekannt gegeben hat. Erwartet wurde das eigentlich am Donnerstag. Denn dann will die Grossbank im Rahmen ihres Investorentages in New York ohnehin ihre neue Strategie für die Zukunft präsentieren. Verwaltungsratspräsident Villiger erklärte das Vorpreschen zwei Tage früher damit, dass man das Publikum hier in der Schweiz speziell und vorab informieren wolle und das auch noch in deutscher Sprache. Damit wolle die Bank ihr Bekenntnis zum Standpunkt Schweiz unterstreichen. Die Bedeutung der Schweiz soll für die Bank ohnehin wieder zunehmen, hier will die UBS die stärkste Universalbank sein. Auch das soll am Investorentag klargemacht werden und die Vorabbotschaft heute soll diesen Anspruch laut Villiger unterstreichen.
Das zwischenzeitliche Führungsvakuum hat kein besonders gutes Licht auf den Verwaltungsrat der Grossbank geworfen. Verschiedene Quellen berichteten, dieses sei auf interne Querelen im Gremium zurückzuführen. Kaspar Villiger hat sich heute alle Mühe geben, dieses Bild zu widerlegen - ohne dass ihn jemand darauf angesprochen hat. Das Klima sei aussergewöhnlich gut, die Leute dort würden sich sehr wohlfühlen, meinte er. Eine kontroverse Diskussionskultur sei durchaus vorhanden und auch erwünscht.. Wie schon bei früheren Gelegenheiten erklärte er, man habe eben für die Nachfolge an der UBS-Spitze den Besten aussuchen wollen und diesen Prozess schon vor Grübels Abgang eingeleitet. Am Schluss habe sich aber bei allen, die das zu beurteilen hatten, Sergio Ermotti als der beste Kandidat erwiesen. Von aussen fragt man sich bei diesem so eindeutigen Resultat umso mehr, ob denn der ganze Umweg mit all den Unsicherheiten, die er mit sich gebracht hat, wirklich nötig gewesen ist.
Keine volle Rückendeckung für Kengeter
Auch Villigers früher als geplanter Abgang ist ein wichtiger Schritt zur Klärung der Machtverhältnisse und zu grösserer Stabilität. Der einstige Bundesrat hat heute erklärt, dass ihm der Abschied von diesem Posten keinen Kummer bereite. Ganz überzeugend ist das nicht. An der heutigen Pressekonferenz war fühlbar, wie sehr er seine Rolle geniesst. So konnte man zeitweise den Eindruck gewinnen, die Veranstaltung habe vor allem deshalb stattfgefunden, weil Villiger nicht nach New York reist und ihm damit die Möglichkeit eines letzten Auftritts vor den Schweizer Medien vor der letzten Generalversammlung genommen wäre.
Weiterhin offen bleibt schliesslich das Schicksal von Carsten Kengeter, dem Chef der Investmentbank. Jetzt wo Ermotti das Zepter fester in der Hand hat, wollten viele Journalisten vom neuen CEO wissen, ob er weiter an Kengeter festhalten wolle. Ermotti vermied eine klare Antwort und ein deutliches Bekenntnis zu diesem Manager.
Es war vor allem Kaspar Villiger, der darauf verwies, dass Kengeter bei den Aufräumarbeiten nach dem Milliardenverlust durch das unbefugte Handeln des Händlers Kweku Adoboli Grosses geleistet habe, um den Schaden zu begrenzen. Dass nach dem Auffliegen des Skandals CEO Grübel seinen Posten geräumt hat und die unmittelbaren Vorgesetzten von Adoboli die Bank verlassen mussten, während Kengeter auf seinem Posten verblieb, war schwer zu verstehen. Fraglich bleibt auch, ob jener eingefleischte Investmentbanker der alten Zeit, der den Bereich bei der UBS wieder aufzurüsten versuchte und zuvor bei Goldman Sachs gearbeitet hat, jetzt der Richtige ist, um die Investmentbank wie geplant zurechtzuschrumpfen. Immerhin wird er am Donnerstag auf jeden Fall noch die weiteren Pläne für die Investmentbank präsentieren. Erst an diesem Tag will schliesslich die UBS die Katze aus dem Sack lassen, wie sie sich insgesamt ihre Zukunft vorstellt. Zumindest Sergio Ermottis – jetzt vollbestätigter CEO – dürfte mit grösserem Selbstvertrauen nach New York fliegen.
Erstellt: 15.11.2011, 14:18 Uhr
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15 Kommentare
Rätselhaft wieso ein Mann dessen Merkmal nicht Leistungen sondern "Alt-Bundesrat" ist für den Job als VR-Präsident der UBS gewählt wurde. Verblüffend war, dass sich Villiger überschätzte und einen Job annahm der weit über seinem Potential liegt. Er strahlte meistens Unsicherheit und oft Unbehagen aus. Wahrscheinlich weil er nie so genau wusste was er eigentlich will und soll in seiner Position. Antworten
Die UBS hat kaum ein Problem im Ausland, dort leuchtet vielerorts immer noch der Heiligenschein, besonders wenn es um versteckte Schwarzgelder geht. Hingegen in der CH ist der einst sehr gute Ruf der UBS völlig im Eimer. UBS tönt für viele Bürger hierzulande heute eher wie ein Schimpfwort. Wer dort buezt, bekommt Bedauern und Spott zu hören, nicht zu knapp. Wen wunderts. Antworten
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