Wirtschaft
Die Credit Suisse leidet unter der Investmentbank
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 28.07.2011 107 Kommentare
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Nach der Zahlenpräsentation der UBS vom Dienstag präsentiert heute auch die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) Ergebnisse für das zweite Quartal. Auch sie hat die Erwartungen der Analysten deutlich verfehlt: Der Reingewinn belief sich auf 768 Millionen Franken, der Vorsteuergewinn auf 1,1 Milliarden Franken. Die Analysten hatten gemäss der Umfrage von Thomson Reuters im Durchschnitt mit einem Reingewinn von 1,1 Milliarden gerechnet und mit einem Vorsteuergewinn von 1,6 Milliarden. Damit verpasste die Bank die Erwartungen um rund 30 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal brach der Gewinn um einen Drittel ein.
Wie bei der UBS ist auch bei der Credit Suisse das Investmentbanking für den deutlichen Gewinneinbruch verantwortlich. Das Ergebnis fiel hier im Vergleich zum Vorquartal um 83 Prozent – von 1,34 Milliarden auf 231 Millionen Franken. Im Vergleich zum zweiten Quartal des letzten Jahres beträgt der Einbruch 71 Prozent – damals erzielte die Grossbank in diesem Segment einen Vorsteuergewinn von 784 Millionen Franken.
Abbau von 2000 Stellen weltweit, 500 in der Schweiz
Der andere zentrale Geschäftsbereich der Bank, die Vermögensverwaltung (Private Banking), kam im Vergleich dazu gut weg. Im Vergleich zum Vorquartal hat die Bank hier vor Steuern mit 843 Millionen Franken nur 1 Prozent weniger verdient. Auch die Profitabilität hat kaum gelitten, fiel doch die Bruttomarge nur um 0,03 Prozent auf 1,15 Prozent zurück und bleibt im Vergleich zur Konkurrenz noch immer beneidenswert hoch. Für die Stärke dieses Bereiches spricht auch, dass hier netto 11,5 Milliarden Franken an Neugeldern gewonnen werden konnten. Bezogen auf die ganze Bank sind es sogar 14,3 Milliarden Franken.
Doch der Einbruch des Investmentbankings lässt jetzt auch die Credit Suisse die Sparschraube anziehen. Anders als die UBS am Dienstag gibt sie zumindest indirekt an, wie viele Stellen davon betroffen sein werden: 4 Prozent der gesamten Gruppe sollen gestrichen werden. Bei 50'100 Beschäftigten (in Vollzeitäquivalenten) betrifft dies 2000 Personen. Selbst die höchsten Schätzungen im Vorfeld gingen von einem geringeren Abbau aus. CEO Brady Dougan erklärte an der Pressekonferenz, dass alle Bereiche davon betroffen sein werden. In der Schweiz werden es rund 500 Stellen sein. Finanzchef David Mathers erklärte seinerseits, der Grossteil der Kosteneinsparungen werde das Investmentbanking betreffen. Insgesamt will die Bank ihre Kosten (Run-Rate) um 1 Milliarde Franken im Jahr 2012 senken. Im laufenden Jahr wird die Umsetzung der Einsparungen aber noch zu Kosten von bis zu 450 Millionen Franken führen.
Leiden an der garstigen Welt
Die Zahlen der Credit Suisse, wie die der UBS, sind zum einen das Abbild der weltweiten wirtschaftlichen Unsicherheiten. Die Eurokrise und die anhaltende Schwäche der US-Wirtschaft machen die Anleger kopfscheu, und sie halten sich mit Handelsaktivitäten zurück, vor allem im Bereich der Anleihen. So ist es denn vor allem dieses Geschäft, das auch bei der Credit Suisse am meisten gelitten hat. Eine weitere Folge des garstigen weltweiten Umfelds ist die deutliche Aufwertung des Frankens, auch darunter hat die Bank gelitten. Die Credit Suisse schreibt, ohne diesen Währungseffekt hätte ihr Vorsteuergewinn im Vergleich zum 2. Quartal 2010 um 348 Millionen besser ausgesehen.
Zum anderen ist das Ergebnis aber auch Abbild der neuen Aufstellung der Bank seit der Finanzkrise. Zuvor hätte die Bank durch den Eigenhandel – und damit durch das Eingehen höherer Risiken – das Ergebnis des Investmentbankings noch aufpeppen können. Dieser Ausweg ist heute zum Glück versperrt. Die Konsequenz daraus ist aber, dass der Bank auch im Investmentbanking nichts anderes übrig bleibt, als sich an den Kundenwünschen auszurichten. Wenn diese sich aus Angst zurückziehen, sinken die Erträge. Diese neue Realität drückt sich schliesslich auch in einer deutlich tieferen Eigenkapitalrendite aus, die sich im letzten Quartal auf rund 10 Prozent belief – und damit Welten von den erwarteten 25 Prozent vor der Krise entfernt ist, aber auch deutlich unter den 15 Prozent liegt, die die Credit Suisse sich selbst zum Ziel gesetzt hat.
Kein vorübergehendes Phänomen
Und diese neue Realität ist kein vorübergehendes Phänomen: Die höheren Kapitalanforderungen der Regulierungsbehörden und das neue an den Kunden ausgerichtete Geschäft der Credit Suisse lassen die einstigen Eigenkapitalrenditen nicht mehr zu. Das Banking der Jahre bis 2008 ist Vergangenheit, aber die Anpassungsprozesse an die neue Zeit dauern weiter an und sind für einige Beschäftigte und Anleger schmerzhaft.
Erschwerend kommen für die Credit Suisse noch die Untersuchungen wegen Steuerhinterziehung in den USA und in Deutschland dazu. Sie drücken sich nicht unmittelbar im Ergebnis aus, erhöhen aber die Unsicherheit für die Bank, für ihre Kunden und ihre Aktionäre. In ihrem ersten Bericht zum zweiten Quartal hat die Bank zu diesen Auseinandersetzungen nichts verlauten lassen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.07.2011, 09:03 Uhr
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107 Kommentare
Die beiden grossen Bankinstitute CS und UBS müssen heute erkennen, dass für sie die betriebswirtschaftlichen Gesetze auch gültig sind. Der Quartalsgewinn unterliegt konjunkturbedingt grossen Schwankungen und kann bestimmt nicht langfristig auf einem Niveau von 25%-30% Return on Equity gehalten werden. Das sind planwirtschaftliche Gedankenspiele ohne Bezug zur marktwirtschaftlichen Realität... Antworten
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