Wirtschaft

Die Enttäuschung

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 01.07.2011 81 Kommentare

Als Kaspar Villiger bei der UBS antrat, setzte die Öffentlichkeit grosse Hoffnung in ihn. Sie hätte es besser wissen müssen.

1/13 Seit zwei Jahren UBS-Präsident: Kaspar Villiger. Am 1. Juli kündigte die Bank an, dass Villiger 2013 vom früheren deutschen Bundesbanker Axel Weber abgelöst werde.
Bild: Keystone

   

Zwischenbilanz

Axel Weber wird Kaspar Villiger erst 2013 als VR-Präsident der UBS ablösen. Bis dahin bleibt noch Zeit – etwa, um gemeinsam mit Konzernchef Oswald Grübel den Status des Investmentbanking zu ändern, neue Regulatorien umzusetzen (das «Too-big-to-fail»-Paket muss noch den Nationalrat passieren) oder eine Nachfolge für Oswald Grübel zu finden.

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Diese Kritik überraschte am meisten. Ausgerechnet die «Neue Zürcher Zeitung», in deren Verwaltungsrat Kaspar Villiger einst sass, rügte den UBS-Präsidenten. Nach der Generalversammlung im April dieses Jahres schrieb sie, die dort wahrgenommenen Äusserungen von Villiger hörten sich an, als stammten sie von einem «eingefleischten Banker»: Villiger hatte sich in der Basler St. Jakobshalle gegen eine rigide Boni-Politik ausgesprochen und davor gewarnt, den Schweizer Grossbanken mit der «Too-big-too-fail»-Vorlage einen Wettbewerbsnachteil zu bescheren.

«Angetreten mit dem Anspruch, das Denken innerhalb der Bank zu verändern, scheint diese in erster Linie ihn verwandelt zu haben», urteilte die NZZ. Der «Tages-Anzeiger» hatte am Tag zuvor geschrieben: «Der ehemalige Bundesrat enttäuscht alle jene, die in ihn – den Nichtbanker, den Aussenstehenden, den Unabhängigen – hohe Erwartungen gesetzt haben.»

Für das grösste Unverständnis sorgte Villigers Entscheid, nicht gegen die früheren Konzernspitzen wegen mutmasslicher Fehler im Subprime-Geschäft zu klagen – mit dem Argument, der damit verbundene Aufruhr sei nicht im Interesse der Bank. Das sieht Dominique Biedermann bis heute anders: «Für die Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter wäre es absolut notwendig, dass sich die heutige Führung klar von der früheren distanziert», sagt der Ethos-Direktor. Erst die nur leicht veränderte Vergütungspolitik – die variablen Lohnanteile orientieren sich inzwischen an der Leistung über mehrere Jahre –, dann der Klageverzicht und schliesslich das Abraten vom Grossbankenzuschlag auf den Eigenkapitalvorschriften: Villiger, so urteilten inzwischen selbst bürgerliche Politiker, war zum Banker mutiert.

Den Schaden beheben

Was diese Kritik ausser Acht lässt: Villiger war schon immer Unternehmer und Erzliberaler und nie der Brückenbauer, als den man ihn gezeichnet hatte. Als der frühere FDP-Bundesrat vor zwei Jahren antrat, waren die Erwartungen klar: Er sollte vermitteln zwischen der Politik – die schliesslich die Bank vor dem Zusammenbruch bewahrt hatte – und dem Vollblutbanker Oswald Grübel.

Doch Villiger selber, das zeigen seine damaligen Äusserungen, definierte seine Aufgabe bereits damals anders: Er wollte den Schaden, den die Bank sich selber und dem Finanzplatz Schweiz zugefügt hatte, zwar tatsächlich so bald wie möglich beheben. Doch nicht mit einem nachhaltigen Umdenken – sondern mit rasch zurückkehrenden Gewinnen. So sagte Villiger dem «Bund» in einem seiner ersten Interviews: «Wir wollen den Staat so schnell wie möglich aus dieser Haftung herauslösen – und zwar so, dass der Steuerzahler keinen Verlust erleidet.» Villiger kündigte regelmässig an, erst gehen zu wollen, wenn die Bank wieder profitabel sei – das war schon immer sein Massstab. Dass er sich als Liberaler nur ungern für stärkere Finanzplatz-Regulatorien und rigidere Vergütungssysteme einsetzt, ist zwar traditionalistisch und möglicherweise auch falsch – doch erstaunen sollte es nicht.

Als zwei Journalisten der «Handelszeitung» vor zwei Monaten zu Villiger sagten: «Sie haben sich verändert», antwortete dieser: «Ich habe mich nicht verändert, aber die Funktion. Ich habe die obligationenrechtliche Pflicht, das Unternehmen im Sinne der Aktionäre zu beaufsichtigen.» Er sei nicht als Brückenbauer gewählt worden, sondern wegen seiner Erfahrungen. Beobachter können Villiger nicht vorwerfen, er sei an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Er war vielleicht einfach die falsche Wahl.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.07.2011, 15:35 Uhr

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81 Kommentare

Rene R. Meier

01.07.2011, 10:11 Uhr
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Dürfen die das überhaupt, ohne die SVP zu fragen ? Ich meine, es ist offen, ob sich dieser Mann überhaupt bei uns integrieren will, z.Bsp. die Umgangssprache zu lernen willens ist. Solche Entscheidungen dürfen nur mit Zustimmung von Herrn T. Brunner, Herrn O. Freysinger, Herrn H. Fehr, Frau N. Rickli und Herrn Chr. Morgeli gefällt werden. Danke. Antworten


Franz Zottler

01.07.2011, 10:25 Uhr
Melden 50 Empfehlung

Scheinbar kann eine Schweizer Bank - welche wie wir alle wissen im Notfall auch vom Schweizer Bürger gestopft wird - nicht von einem Schweizer geführt werden. Es muss ein D sein. Schon seltsam, ich dachte immer wir hätten so Top-ausgebildete Leute hier. Aber vermutlich taugen diese CH-Schulen doch nichts. Antworten



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