Die Frau, um die sich alle reissen

Beatrice Weder di Mauro sitzt bei UBS, Roche und ThyssenKrupp im Verwaltungsrat, nun kommt ein weiteres Weltkonzern-Mandat hinzu. Zeichen eines sich zuspitzenden Kampfs um die wenigen Managerinnen?

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300'000 Mitarbeiter zählt Bosch, über 50 Milliarden Euro Umsatz macht der deutsche Elektroriese. Das ist der Weltkonzern, bei dem Beatrice Weder di Mauro nun neu im Verwaltungsrat Einsitz nimmt. Bosch hat sich die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin quasi geschnappt, bevor sie nicht mehr zu haben ist. Und dass der Terminkalender der Multiverwaltungsrätin irgendwann übervoll ist, das ist abzusehen. Nebst dem neuen Mandat ist sie nämlich auch Verwaltungsrätin bei der UBS, (UBSN 16.39 0.24%) bei Roche (ROG 268.9 -0.15%) und bei einem weiteren deutschen Industriekonzern, ThyssenKrupp – alles weltweit tätige Multis mit mehreren 10'000 Mitarbeitern. Eine Professur an der Johannes-Gutenberg-Universität hat sie nebenbei auch noch inne.

An Weder di Mauro dürften auch andere (Schweizer) Konzerne Interesse gezeigt haben. Denn der Markt an Managerinnen, die für Verwaltungsratsmandate infrage kommen, ist einerseits begrenzt. Und andererseits macht Brüssel den europäischen Konzernen diesbezüglich Beine: Bis 2020 sollen 40 Prozent der Verwaltungsratsposten mit Frauen besetzt werden. Wer nicht jetzt seine Rekrutierung intensiviert, steht dann im Regen respektive am Pranger.

Bewährte Kräfte statt Experimente

Ein Blick in die Geschäftsbücher zeigt, wie klein das Feld an möglichen Verwaltungsrätinnen auch in der Schweiz ist. In den Verwaltungsräten der 20 SMI-Firmen sind gerade mal 31 Mandate von Frauen besetzt. Nur 12 Schweizerinnen haben den Weg in die Verwaltungsräte dieser Konzerne gefunden.

«Es gibt nach wie vor wenige Frauen mit Top-Referenzen. Und die Verwaltungsräte der Firmen halten sich noch zu oft an diesen beschränkten Pool», sagt der Zürcher Headhunter Guido Schilling. Es sei einfacher, sich an bewährte Leute zu halten, als neue Talente zu entdecken.

«Weder di Mauro gehört zu den Besten»

Gleicht man die Verwaltungsräte der 30 DAX-Konzerne mit den 20 SMI-Firmen ab, kommt einzig Beatrice Weder di Mauro auf beiden Seiten vor. «Natürlich findet ein Kampf um die wenigen verfügbaren Frauen für Verwaltungsratsmandate statt», sagt Schilling. «Beatrice Weder di Mauro gehört zu den Besten», so der Headhunter.

So schnell wird sich diese Situation nicht entspannen. Noch ist das Potenzial an Frauen, die in Zukunft für grössere Verwaltungsratsmandate infrage kommen, beschränkt. Es fallen Namen wie Monika Ribar, Jasmin Staiblin oder Paola Ghillani. Panalpina-Chefin Ribar ist bereits jetzt Verwaltungsrätin bei Logitech, Sika und Swiss. Jasmin Staiblin nahm nochmals einen neuen Chefposten an. Sie wechselte von ABB Schweiz zu Alpiq. Und Ex-Max-Havelaar-Chefin Paola Ghillani sitzt in den Aufsichtsgremien von Migros und Helvetia.

Ab 55 fit für den Verwaltungsrat

«Diese Frauen werden – wenn sie denn einmal nicht mehr auf operativer Ebene tätig sind – wöchentlich Anfragen bekommen», sagt Schilling. Die Altersgrenze bewegt sich dabei um 55 Jahre. Weil die Nachfrage nach Frauen für VR-Mandate aber noch deutlich zunehmen wird, sind auch Dienste wie diejenigen von Guido Schilling gefragt. «Unser Job ist es, Frauen sichtbar zu machen, die für solche Aufgaben infrage kommen.»

Noch zeigt die Frauenförderung für Aufgaben auf höchster Ebene bescheidene Erfolge. Laut dem «Schilling Report 2012» ist die Anzahl VR-Mandate, die in den 100 grössten Schweizer Firmen von Frauen besetzt werden, im letzten Jahr von 10 auf 11 Prozent gestiegen. Es bleibt diesbezüglich – das stellen wir am heutigen Frauentag fest – noch einiges zu tun. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 08.03.2013, 14:40 Uhr)

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«Natürlich findet ein Kampf um die wenigen verfügbaren Frauen statt»: Headhunter Guido Schilling. (Bild: zvg)

Sind vier Mandate von Weltkonzernen zu viel?

Mit UBS, Roche, ThyssenKrupp und Bosch hat Beatrice Weder di Mauro Einsitz in den Verwaltungsräten von vier weltweit tätigen Konzernen. Darin vereinigt sind mehrere Hunderttausend Mitarbeiter sowie über 200 Milliarden Euro Umsatz. Fragt sich allenfalls, ob die Aufgaben bei dieser Ämterkumulation noch vernünftig gelöst werden können.

Das kommt auf die Aufgaben im Verwaltungsrat an. Haben die Leute in mehreren Komitees Einsitz, nimmt die Belastung zu. Einfachere VR-Mandate können mit einem 10-Prozent-Pensum verglichen werden. Bei einem Vizepräsidenten wird die Zahl von 60 Prozent herumgeboten. Der Präsident eines Multis muss mit einem 100-Prozent-Pensum rechnen. Als Beispiel wird Axel Weber von der UBS genannt. (cpm)

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