Wirtschaft
Die Heuschrecken kehren zurück ans Licht
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 12.01.2012 30 Kommentare
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Seine Vergangenheit wird jetzt gegen ihn verwendet: Anti-Mitt-Romney-Film. (Quelle: youtube.com/user/WinningOurFuture)Korrektur-Hinweis
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Im April 2005 erklärte der damalige Vorsitzende der deutschen SPD, Franz Müntefering, in einem Interview, manche Finanzinvestoren «fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter». Müntefering hatte dabei die sogenannten Private-Equity-Firmen im Auge.
Darunter versteht man Firmen, die angeschlagene Unternehmen aufkaufen, sanieren und mit möglichst viel Gewinn wieder abstossen. Der Begriff löste eine breite und emotionale Diskussion aus. Zum Geschäftsgebaren der «Heuschrecken» gehört es nämlich, dass sie Arbeitsplätze wegrationalisieren und massenhaft Leute entlassen. Bereichern sie sich deshalb auf Kosten von wehrlosen Arbeitnehmern, oder schaffen sie nachhaltige Jobs für die Zukunft?
Romney wurde als «Heuschrecke» reich
In den USA wird diese Diskussion neu aufgerollt. Ausgelöst wurde sie durch Mitt Romney, den derzeit aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Er war einst Partner bei Bain, einer der führenden Private-Equity-Firmen, und wurde dort ein sehr reicher Mann. Sein Vermögen wird auf über 200 Millionen Dollar geschätzt. Die Rivalen in der eigenen Partei nehmen ihn nun deswegen unter Beschuss. Newt Gingrich erklärt ganz im Sinne von Müntefering, Bain hätte Unternehmen ausgeplündert und Angestellte gefeuert. Rick Perry bezeichnet Private-Equity-Firmen gar als «Aasgeier».
Die Heuschrecken-Diskussion könnte Romney gefährlich werden. Die Wirtschaftskrise hat das sozialpolitische Umfeld stark verändert. Sogenannte Leveraged Buy-outs – das Aufkaufen von Unternehmen mit geborgtem Geld, um sie dann mit viel Gewinn weiterzuverkaufen – stossen heute bei der Mehrheit auf Ablehnung. Auch die Superreichen sind nicht mehr wohlgelitten. Viele Umfragen zeigen auf, dass die ungleiche Verteilung des Reichtums bei der Mehrheit des Mittelstandes nicht nur auf Ablehnung, sondern gar auf Hass stösst.
Inbegriff von Masslosigkeit und Gier
Private-Equity-Firmen sind der Inbegriff von Masslosigkeit und Gier. Sie sind in den 1980er-Jahren entstanden. Dank Kohlberg Kravis Roberts (KKR) wurde die schmutzige Übernahmeschlacht um den Nahrungsmittelkonzern RJR Nabisco zum Inbegriff der «bösen Private-Equity-Firmen». Diese Schlacht wird im Bestseller «Barbarians at the Gate» geschildert. Der Multimilliardär Henry Kravis ist heute noch ein führender Vertreter der Branche.
Eine schillernde Figur ist auch Steve Schwarzman, Chef der Blackstone Group. Der ehemalige Investmentbanker von Lehman Brothers wurde innert kürzester Zeit Milliardär. Allein der Börsengang der Blackstone Group machte ihn um 2,5 Milliarden Dollar reicher, und er war so raffiniert eingefädelt, dass er dafür nicht einmal Steuern zahlen musste. Seinen 60. Geburtstag feierte Schwarzman mit einer Party, die gegen zehn Millionen Dollar verschlungen hat. Eine Million Gage kassierte der Rockstar Rod Stewart.
Wirtschaftlicher Nutzen umstritten
Von Verschwörungstheorien aller Art umrankt ist die Carlyle Group, eine Private-Equity-Gruppe, die sich lange auf Militärfirmen spezialisiert hat. Die von einem ehemaligen US-Verteidigungsminister mit gegründete Gruppe zählte zu ihren Mitgliedern auch den ehemaligen US-Präsidenten George H. Bush sen. und den ehemaligen britischen Premierminister John Major. Die Carlyle Group kann sich gar rühmen, im Politthriller «The Manchurian Candidate» verewigt worden zu sein.
Der wirtschaftliche Nutzen respektive Schaden der «Heuschrecken» ist nach wie vor umstritten. Es gibt wenig sinnvolle Untersuchungen dazu, und die Resultate sind zwiespältig. Eine kürzlich von der University of Chicago veröffentlichte Studie zeigt, dass Private-Equity-Firmen in den USA zwischen 1980 und 2005 leicht mehr Arbeitsplätze vernichtet als geschaffen haben. Die Diskussion wird also weitergehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.01.2012, 00:00 Uhr
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30 Kommentare
Private-Equity-Firmen sind das letzte das es gibt. Hier in Argentinien kaufen sie ueberteurt Land auf und spekuliern mit den Agrarpreisen. Leider koennen die Einheimischen diese Preise NIE bezahlen und verlieren so ihre Lebensgrundlage. Es komt mir vor wie die Auslaender, die in der Schweiz ueberteuert die vilen kaufen und die Schweiver vo bleiben.
Es lebe der Kapitalismus.
Antworten
Hat nicht auch SVP-Blocher bei der Alusuisse als 'Heuschrecke' gehandelt? mit Spekulant Ebner in die gesunde und lukrative Firma eingestiegen, die Filetstücke abgezweigt und die danach marode Firma ins Ausland verschachert? Wenns bei uns eine Heuschrecke in den Bundesrat schafft, weshalb nicht Heuschrecke Romney for President? Alles zum Wohle des Volches. Antworten
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