Wirtschaft

Matthias Chapman
Ressortleiter Wirtschaft


Die Höhenangst der Frau

Aktualisiert am 16.11.2012 51 Kommentare

Quote hin oder her, die Erfahrung von Headhuntern zeigt: Oft zögern Frauen vor dem Karrieresprung oder ziehen sich gar aus Bewerbungen zurück – obwohl sie beste Chancen hätten.

Frau und Karriere: Wenns nach oben geht, wird manche Frau plötzlich unsicher.

Frau und Karriere: Wenns nach oben geht, wird manche Frau plötzlich unsicher.
Bild: Keystone

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Top-Managerinnen der Schweizer Wirtschaft

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Wo Frauen in den Teppichetagen mitreden.

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Sie galt einst als erfolgreichste Managerin der Schweiz, Heliane Canepa. Als Chefin führte sie den Medizinaltechnikkonzern Nobel Biocare während sechs Jahren. 2005 führte die «Financial Times» sie unter den Top sechs der besten Geschäftsfrauen Europas. Doch Heliane Canepa hatte ein Problem, sie wollte Frauen in ihrem Unternehmen nach oben bringen, stiess aber oft auf Widerstand. «In den letzten Jahrzehnten habe ich Frauen unzählige Male Topjobs angeboten, die sie aber abgelehnt haben.» Ihr Fazit: «Viele Frauen scheuen den Schritt in die Teppichetage.»

Das sagte Canepa vor einigen Jahren. Inzwischen tritt sie kürzer und nimmt vermehrt neben ihrem Mann Ancillo Canepa auf der FCZ-Tribüne Platz. Das Problem aber, dass es schwieriger ist, Frauen in Managementposten zu bringen, das besteht noch immer. So zumindest beschreiben es Fachleute, die sich mit der Rekrutierung von Führungspersonal beschäftigen. «Es braucht immer die ‹Extra-Meile›, um Frauen überzeugen zu können, einen Karriereschritt zu machen», sagt etwa Headhunter Guido Schilling. Schlimmer noch, er muss nicht nur einen Sondereffort leisten, er verliert in den Selektionsprozessen anteilsmässig auch mehr Frauen als Männer. Ähnlich tönt es bei Schillings Branchenkollegen, Thomas Biland: «Oft brechen Frauen eine Bewerbung von sich aus ab, wenn sie merken, dass zu viel von ihnen verlangt wird.»

Frauen sind nicht bereit, ihr Privatleben aufzugeben

Und damit sind wir bei den Gründen für das Zögern der Frauen. «Frauen sind weniger bereit, für eine Firma ihr Privatleben aufzugeben, sich zu opfern. Frauen kasteien sich nicht so wie Männer», sagt Biland. Das deckt sich mit den früheren Aussagen von Heliane Canepa: «Frauen wollen sich am Abend oder an den Wochenenden lieber ihrer Familie widmen als arbeiten.»

Fragt sich allenfalls, ob es überhaupt nötig ist, sein Privatleben für einen Topjob aufzugeben. «Nein», meint Biland. Und er setzt sich wenn nötig auch dafür ein, dass bei seinen Kunden das Verständnis dafür steigt. «Es gehört zu unserer Arbeit, einem Kunden zu erklären, dass ein Posten auch mit einer Frau besetzt werden kann, die sich nicht für den Beruf aufgibt.» Es sei ja auch nicht so, dass Firmen die totale Hingabe zum Unternehmen explizit verlangen würden. Trotzdem dringe die Haltung halt immer wieder durch, so Biland. «Man merkt das dann an Begriffen wie ‹commitment› oder ‹Leidenschaft›.» Spätestens hier klingelts offenbar bei Managerfrauen öfters als bei ihren männlichen Mitbewerbern.

Frauen checken das Risiko ab, Männer sehen die Chance

Aber nicht nur die Abneigung der Frauen, voll und ganz mit dem Geschäft zu verschmelzen, steht ihnen beim Aufstieg nach oben im Weg. «Viele Frauen treten zurückhaltender auf als Männer», sagt Biland. Männer sagten einfach, sie könnten alles, «das höre ich selten von einer Frau». Schilling sagt es so: «Frauen checken das Risiko ab, das sie mit einem Wechsel eingehen. Männer sehen zuerst die Chance, die sie erhalten.»

Schilling sieht in der Zurückhaltung der Frauen eine Chance für sein Geschäft. Vonseiten der Wirtschaft sei die Nachfrage nach Frauen in Führungspositionen gross, so der Headhunter. Darum hätte er die Suche nach Managerinnen intensiviert. «Wir identifizieren proaktiv Frauen mit sehr hohem Führungspotenzial und suchen das Gespräch im Vorfeld eines Rekrutierungsprozesses.» Will heissen: Angst nehmen, Lust an einem neuen Job wecken und möglichst die Gefahr eines Rückzuges vermindern. Schilling versteht sich als Förderer von Frauen in Führungspositionen. Darum hat er sich auch zum Ziel gesetzt, in jede Runde der letzten drei – die sogenannte Shortshort-List – mindestens eine Frau zu bringen. Klar, dass ihn bei diesem Engagement jeder Ausstieg einer Frau aus dem Bewerbungsprozess speziell schmerzt. «Besonders bedauerlich ist, wenn wir dann im Nachhinein sehen, dass die Frau besser gewesen wäre.»

Wenn Frau gut organisiert ist

Ein etwas anderes Feedback als Biland und Schilling gibt Headhunter Christoph Bircher von der weltweit tätigen Agentur Odgers Berndtson. «In dem Bereich, in dem wir Führungskräfte rekrutieren, verhalten sich Frauen nicht anders als Männer.» Überdies würden seine Klienten keine Anforderungen an eine Frauenquote im Rekrutierungsprozess stellen. «Sie wollen einfach die besten Leute bekommen. Ob eine Frau in der Auswahl ist oder nicht, ist ihnen nicht wichtig.»

Bircher sagt auch, die Frauen, mit denen er zu tun habe, seien «extrem gut organisiert». Sprich: Die Familiensituation ist geregelt mit Nanny, Privatschule für die Kinder und allem, was dazugehört. Womit wir wieder bei den Familienwochenenden von Heliane Canepas Nachwuchshoffnungen wären.

Erledigt sich die Debatte von selbst?

Abgesehen von einer allfälligen Zurückhaltung der Frauen, glaubt Bircher, dass sich die Sache mit der Frauenquote von selbst erledige. «Wenn wir jetzt in den Gymnasien und an den Universitäten in vielen Fächern einen Frauenanteil von über 50 Prozent haben, reguliert sich das von alleine.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.11.2012, 12:39 Uhr

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51 Kommentare

Matthias Albrecht

16.11.2012, 13:02 Uhr
Melden 125 Empfehlung 4

Herr Biland trifft zuerst genau den Punkt mit seinen Aussagen: "Frauen sind weniger bereit..." nicht aber mit seiner weiteren Analyse zum Bereich "Commitment". Auf mittleren bis hohen Kaderstufen wird in sehr vielen Firmen/Branchen eine geistige "Rund um die Uhr Präsenz" verlangt, das Privatleben kommt so unweigerlich zu kurz. Antworten


Dominik Fankhauser

16.11.2012, 13:38 Uhr
Melden 155 Empfehlung 39

«Wenn wir jetzt in den Gymnasien und an den Universitäten in vielen Fächern einen Frauenanteil von über 50 Prozent haben, reguliert sich das von alleine.» Blödsinn, Philosophinnen, Soziologinnen, Ethikerinnen etc. kann die Wirtschaft nicht brauchen. Die Fächer, die danach auch eine Wertschöpfung generieren sind vorallem von Männern belegt, Physik. Chemie, Informatik etc.. Passt wohl nicht jedem. Antworten



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