Wirtschaft
Die Inflation als kleinstes Übel
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 26.05.2009 47 Kommentare
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Rund um den Globus haben Staaten grosse Schulden gemacht, um einen Kollaps der Wirtschaft zu verhindern. Auch die nächsten Jahre werden geprägt sein von tiefroten Zahlen in den Staatskassen. In Ländern wie den USA und Grossbritannien sind auch die privaten Haushalte bis über beide Ohren verschuldet. Wie sollen diese Schuldenberge je abgebaut werden? Am leichtesten und schmerzlosesten wäre eine moderate Inflation, lautet die Antwort, die immer mehr Experten darauf geben. Weshalb?
Die banale Antwort darauf lautet: Weil alle anderen Alternativen sehr viel mehr weh tun würden. Wenn die Staaten nichts gegen den Kollaps der Wirtschaft unternommen hätten, dann würde wir uns bereits in einer verheerenden Abwärtsspirale von Unternehmenspleiten und Massenarbeitslosigkeit befinden. Eine bösartige Deflation wäre die Folge und eine Depression wie in den 30er Jahren nicht zur vermeiden. Engagiert sich der Staat nur halbherzig, dann droht eine jahrzehntelange Stagnation, wie es Japan in den 90er Jahren erlebt hat.
Allmählich zu viel Geld
Was aber, wenn die Inflation moderat anzieht? Das deutsche Wirtschaftsmagazin «Capital» hat für diesen Fall folgendes Szenario entworfen: Im Herbst 2009 gelingt es, mit den Kapitalinfusionen den Absturz der Wirtschaft endgültig zu stoppen. 2010 ist ein Jahr der Konsolidierung, in dem die Banken und Unternehmen ihre Bilanzen sanieren und sich die US-Verbraucher vom Immobilienschock erholen. 2011 kommt die Konjunktur wieder in Fahrt. Wenn jetzt die Notenbanken aus Angst vor Inflation den Geldhahn zudrehen, würgen sie diesen Aufschwung wieder ab. Tun sie es nicht, dann gerät allmählich zu viel Geld in das Wirtschaftssystem. Damit wird die Voraussetzung für eine moderate Inflation geschaffen, die einsetzt, sobald die Überkapazitäten in der Wirtschaft abgebaut sind. Sobald dies der Fall ist, kommt die Teuerungsspirale in Schwung: Löhne und Preise steigen, die Rohstoffe werden teurer.
Die Finanzmärkte bereiten sich bereits heute auf das Szenario mit einer moderaten Inflation vor. Die Zinsen von langfristigen Staatsanleihen steigen. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Investoren mit der Drohung aufgeschreckt, Grossbritannien die Bonitätsnote AAA zu entziehen. Pimco, der grösste Bondfonds der Welt, hat davor gewarnt, dass selbst die USA dieses begehrte Triple A verlieren könnten. Der Dollar hat wegen der drohenden Inflationsgefahr in den letzten Tagen einen Schwächeanfall erlitten.
Die «Geldillusion»
Was spricht für die These der Inflation als kleinstes Übel? Angenommen, die Notenbanken halten die Leitzinsen beim Aufschwung tief, dann würden bei steigender Teuerung die realen Zinsen negativ werden. Das bedeutet, die Schuldenberge würden automatisch schmelzen wie ein Schneemann in der Frühlingssonne. Gleichzeitig würde eine bescheidene Inflation auch zu einer so genannten «Geldillusion» bei den Konsumenten führen. Sie hätten das Gefühl, dank höheren Nominallöhnen reicher zu sein, würden mehr konsumieren und damit die Konjunktur anheizen. Das ist keine graue Theorie: Die 60er und 70er Jahren haben gezeigt, dass man sehr gut mit einer moderaten Inflation von rund fünf Prozent leben kann.
Die 70er Jahre haben aber auch gezeigt, dass eine moderate Inflation leider auch ausser Kontrolle geraten kann. Das ist das stärkste Argument gegen die harmlose Inflationsthese. Die Teuerung, die in den USA zeitweise gegen 20 Prozent anstieg, konnte nur mit einer künstlichen Rezession besiegt werden. Sie hat drei Jahre lang gedauert und war äusserst schmerzhaft. Wird aus einer moderaten Inflation gar eine Hyperinflation, dann droht ein GAU. Vermögen werden über Nacht vernichtet, Rentner verarmen, Staaten gehen bankrott, soziale Unruhen oder gar Revolutionen drohen. Wer eine moderate Inflation bewusst in Kauf nimmt, spielt gefährlich mit dem Feuer. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.05.2009, 14:57 Uhr
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47 Kommentare
ich empfehle ihnen, herr löpfe, die lektüre eines heinsohns oder paul c. martins. der debitistische kettenbrief benötigt immer mehr neuschuldner zur tilgung alter schulden. wenn keine neuschulder mehr vorhanden = GO. moderate inflation kann man vergessen. es wurden billiarden in die wirtschaft gepumpt, d.h. wenn infla, dann hyperinfla und ebenfalls GO. die welt sitzt in der verschuldensfalle. Antworten
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