Wirtschaft

«Die Nationalbank bleibt handlungsfähig»

Von Robert Mayer*. Aktualisiert am 15.01.2011 14 Kommentare

Nationalbank-Vize Thomas Jordan hält sein Haus für voll handlungsfähig. Er verweist auf die «sehr robuste Bilanz». Bund und Kantone müssten künftig aber damit rechnen, dass die Gewinnausschüttung reduziert wird.

«Der Verlust 2010 ist zweifelsohne gross»: Nationalbank-Vize Thomas Jordan.

«Der Verlust 2010 ist zweifelsohne gross»: Nationalbank-Vize Thomas Jordan.
Bild: Keystone

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Wie verträgt es sich mit der Unabhängigkeit der Nationalbank, wenn sie ihre Rückstellungspolitik für 2010 darauf ausrichtet, dass Bund und Kantone den Zustupf von 2,5 Milliarden Franken bekommen?
Die Nationalbank hat diesen Entscheid in völliger Unabhängigkeit gefällt. Wir haben dabei die aussergewöhnliche Situation berücksichtigt, die durch die extreme Wechselkursbewegung kurz vor Jahresende eingetreten ist und das Jahresergebnis stark beeinflusst hat. Die Ausschüttung für 2010 soll nicht wegen einer Wechselkursbewegung von wenigen Tagen sistiert werden. Gleichzeitig betonen wir: Bund und Kantone müssen in den nächsten Jahren damit rechnen, dass die Gewinnausschüttung reduziert wird oder eine sogar ausfällt.

Wie lässt sich bei solchen Verlusten im Stammhaus die Ausschüttung einer unveränderten Dividende an die Aktionäre rechtfertigen?
Die Dividende beträgt nur 1,5 Millionen Franken. Die Dividendenausschüttung verändert die Eigenkapitalsituation der Nationalbank praktisch nicht. Die Dividende wurde seit 1922 ununterbrochen und unabhängig vom Jahresergebnis ausbezahlt.

Befürchten Sie nicht, dass die Nationalbank nach einem so grossen Verlust stärkerem politischem Druck ausgesetzt sein wird und – wichtiger noch – ihr Vertrauenskapital in der Öffentlichkeit schwindet?
Der Verlust 2010 ist zweifelsohne gross. Er ist aber das Ergebnis unserer Geldpolitik, die in den letzten Jahren stark im Dienste der Krisenbekämpfung, insbesondere der Abwehr von Deflationsrisiken, stand. Von Zeit zu Zeit kann es daher zu Verlusten kommen. Wir lassen uns bei unseren geldpolitischen Entscheidungen keinem politischen Druck aussetzen und nicht von bilanziellen Überlegungen leiten. Unsere Glaubwürdigkeit hängt nicht von kurzfristigen Gewinnen oder Verlusten ab, sondern von der langfristigen Sicherung der Preisstabilität in der Schweiz.

Hat sich der Handlungsspielraum der Nationalbank, etwa mit Blick auf weitere Marktinterventionen, nach dem Wegschmelzen der Reserven verengt?
Der Handlungsspielraum der SNB, (SNBN 1089 2.06%) die geldpolitisch notwendigen Massnahmen jederzeit zu ergreifen, wird durch die Verluste des Jahres nicht eingeschränkt. Wir verfügen immer noch über eine sehr robuste Bilanz und bleiben handlungsfähig, auch wenn wir vorübergehend etwas weniger Eigenkapital haben. Sollte wieder eine Deflationsgefahr auftreten, würde die SNB alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um die Preisstabilität zu gewährleisten.

Welche Lehren ziehen Sie, nachdem jetzt die finanziellen Folgen im Jahresergebnis aufscheinen, aus den massiven Devisenmarktinterventionen im April und Mai 2010?
Die Devisenmarktinterventionen wurden aus geldpolitischen Überlegungen getätigt. Sie waren zur Abwehr von Deflationsrisiken notwendig. Die Geldpolitik der SNB ist mit ein Grund, weshalb die Schweiz die Krise bisher vergleichsweise gut überstanden hat. Eine Zentralbank muss auch in der Lage sein, geldpolitische Massnahmen zu ergreifen, die unter Umständen kurzfristig mit Verlusten verbunden sein können. Deshalb ist es wichtig, dass wir über eine robuste Bilanz verfügen und in Zukunft unsere Bilanz wieder stärken werden.

* Das Interview wurde auf schriftlichem Weg geführt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2011, 23:33 Uhr

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14 Kommentare

Martin Weder

17.01.2011, 11:03 Uhr
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@ Markus Niessen: Nebst einigen Privataktionären gehört die SNB in erster Linie den Kantonen. Der Bund besitzt keine Anteile. Die grössten Anteile haben gemäss SNB die Kantone Bern (6,6%), Zürich (5,2%) und Waadt (3,4%). Die fürchten nun natürlich um ihre jährlichen Ausschüttungen und Dividenden... Antworten


John Luternauer

15.01.2011, 14:12 Uhr
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Es wäre Zeit für die Nationalbank die Initiative zu übernehmen und ein neues Geldsystem mit einer vernünftigen Gold- und Valuebasket Deckung vorzuschlagen. Das Papier-Geldsystem mit einer Geldschöpfung aus dem Nichts ist schwer krank. Es liegt auf der Intensivstation! Das wissen die Verantwortlichen haargenau! Da die NB leider Teil des Systems ist, heult sie mit den Wölfen bis zum bitteren Ende. Antworten



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