Die Prognose für den Ölpreis
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Der Ölpreis pendelte zwischen 34 Dollar zu Jahresbeginn und 82 Dollar im Oktober. Im Juli 2008 waren es noch 147 Dollar, ein Rekordwert. Seitdem aber drückt die Krise auf die Preise, und zwar doppelt: Die Krise der Realwirtschaft hat die Nachfrage abgeschnitten. Und die Krise der Finanzwirtschaft hat die Spekulation mit Öl gebremst.
Und der Ausblick an der Schwelle zu 2010 ist beruhigend: «Wir sehen einen gut versorgten Markt, schwache Nachfrage, Überproduktion und enorme Produktionspotenziale ausserhalb der OPEC. Es ist erstaunlich, wie sich der Preis hoch hält», sagte der Chefredakteur des Energiefachdienstes EID Rainer Wiek der Nachrichtenagentur DAPD.
Kurz vor Weihnachten hatten sich die in der OPEC zusammengeschlossenen ölproduzierenden Länder gegen einen Änderung der vereinbarten Förderquoten entschlossen. Das gilt als Zeichen dafür, dass die 12 Länder des Ölkartells ganz gut mit dem aktuellen Preisniveau zwischen 70 und 80 Dollar pro Barrel zurechtkommen.
Neue Preisexplosion wird nicht erwartet
Zwei weitere Fakten sprechen gegen eine neue Explosion der Ölpreise 2010. Es kommen zusätzliche Ölmengen aus Ländern ausserhalb der OPEC auf den Markt. Vor allem im ölreichen Irak springt die Förderung langsam wieder an, auch Russland will mehr produzieren. Ausserdem sieht es nicht danach aus, dass die Weltwirtschaft schnell und massiv wieder wachsen würde.
Ohne kräftiges Wirtschaftswachstum aber wird die Ölnachfrage auch lahm bleiben. «Womöglich sind die prognostizierten Verbrauchszuwächse weltweit überschätzt», sagte EID-Chef Wiek, auch mit Blick auf den immer stärkeren Energiesparkurs wegen der Klimabedrohung.
Öltanks gut gefüllt
Die deutschen Autofahrer und Häuslebauer freut das. Der Benzinpreis pendelte zwischen 1,17 Euro im Januar und 1,34 Euro im Juni, Diesel zwischen 1,02 im März und 1,13 im November. Heizöl war im Mai so billig wie seit Mai 2005 nicht mehr und kostete 47,5 Cent. Zum Jahresende sind es 60 Cent. Nach Branchenabgaben haben die Hausbesitzer ihre Tanks jetzt wieder gut gefüllt.
Was gut ist für die Kunden, ist schlecht für die Ölbranche. Die deutschen Tochterunternehmen der Giganten BP, Exxon, Shell und Co. hatten 2009 zu kämpfen. Nach einer Schätzung des EID fiel allein das Ergebnis für das erste Halbjahr 2009 auf nur noch 250 Millionen Euro nach 1,5 Milliarden Euro im Halbjahr davor. Als Ergebnis verlieren die Ölgiganten immer mehr die Lust an ihren deutschen Raffinerien: Shell will zwei Standorte verkaufen, Heide in Schleswig-Holstein und Hamburg. Der Chef von BP in Deutschland Uwe Franke schätzt die Überkapazität bei der Rohölverarbeitung in Europa auf «ungefähr 20 bis 30 Prozent».
Das grosse Geld verdienen die Ölgiganten sowieso weiter woanders, in der Förderung. Shell meldete für das dritte Quartal einen Nettoertrag von 3,25 Milliarden Dollar, Exxon 4,7 Milliarden Dollar. Das sind zwar Einbrüche von jeweils über 60 Prozent, aber für die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten auch nicht schlecht. (sam/ap)
Erstellt: 26.12.2009, 11:40 Uhr
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