Die SNB kann sich nicht entziehen

Die Botschaft von Mario Draghi, die EZB habe noch viel im Köcher, muss aus Schweizer Sicht wie eine Drohung klingen.

Öffnet die Geldschwemmen weiter: EZB-Chef Mario Draghi.

Öffnet die Geldschwemmen weiter: EZB-Chef Mario Draghi. Bild: Reuters

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Die Entscheide der Europäischen Zentralbank (EZB) wurden in der Schweiz mit Bange verfolgt. Alles was die EZB beschliesst, um die Währungsunion mit weiterem Geld zu fluten und um den Euro zu schwächen, droht den starken Franken weiter zu verteuern. Darunter leidet bereits jetzt die Exportindustrie und der Tourismus. Im schlimmsten Fall droht eine ausgewachsene Wirtschaftskrise. Obwohl die EZB mit neuen Massnahmen wie verschärften Negativzinsen auf den Einlagensätzen für Banken, ausgeweiteten Anleihekäufen und Krediten mit Zustupf an Banken, die schon hohen Erwartungen übertroffen hat, schwächte sich der Franken gegenüber dem Euro ab.

Diese Kursreaktion ist für die Schweizerische Nationalbank (SNB) beruhigend. Selbst wenn sie selber durch Eurokäufe dazu beigetragen hat, kann die Verteuerung des Euro nicht auf sie allein zurückgehen, denn dieser hat auch gegenüber dem Dollar zugelegt. Das bedeutet, dass die SNB bei ihrer nächsten Zinsentscheidung am kommenden Donnerstag mit eigenen Massnahmen Zurückhaltung üben kann. So erwarten das auch befragte Ökonomen.

Für eine nachhaltige Entspannung gibt es aber nicht den geringsten Grund – nicht nur weil der Franken-Euro-Kurs auch auf dem aktuellen Niveau für viele ein Problem bleibt. Vor allem, weil die EZB bewiesen hat, dass sie alles tun wird, um in der realen Wirtschaft Wirkung zu erzielen und die Inflation zu erhöhen. Verfehlen die getroffenen Massnahmen erneut ihre Wirkung, wird sie sich noch mehr einfallen lassen. Die Botschaft von Mario Draghi an seiner Pressekonferenz, die Notenbank habe noch viel im Köcher, muss aus Schweizer Sicht wie eine Drohung klingen.

So lange die Eurokrise anhält und sich auch die übrigen Notenbanken weltweit immer ausgefallenere Methoden einfallen lassen, um das Geld irgendwie in die Wirtschaft zu pumpen, kann sich die SNB dem nicht entziehen. Viel wurde jüngst über die Risiken lang anhaltender Negativzinsen geschrieben. Auch in der Schweiz dürften sie nicht so bald der Vergangenheit angehören.

(Erstellt: 10.03.2016, 19:18 Uhr)

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