Die SVP entdeckt das Gold

SVP-Nationalräte wollen mit einer Volksinitiative die Nationalbank zwingen, ihr Gold in der Schweiz aufzubewahren. Was ist davon zu halten?

Schielen aufs Gold: Ulrich Schlüer (l.), Luzi Stamm (r.).

Schielen aufs Gold: Ulrich Schlüer (l.), Luzi Stamm (r.).

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Die SVP plant eine neue Volksinitiative: Sie hat zum Ziel, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) verpflichtet wird, dass alles Gold auch physisch in den eigenen Landesgrenzen aufbewahrt wird. Begründet wird das Anliegen mit internationalen Währungsturbulenzen und der Angst, dass die SNB leichtsinnig Milliardenkredite an Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) verteilt. Hinter diesem Ansinnen stehen die drei Nationalräte Ulrich Schlüer, Luzi Stamm und Lukas Reimann.

Gold ist ein besonderes Metall. Es ist nur begrenzt vorhanden und lässt sich nicht fälschen. Seit Menschengedenken wird es deswegen mythisch verklärt. Währungspolitisch hat es wegen des sogenannten Goldstandards ökonomische Relevanz erhalten. Auch dieser Goldstandard wird von Konservativen als mythische Allzweckwaffe betrachtet.

Akzeptierter Anker

Der klassische Goldstandard ist im 18. und 19. Jahrhundert eher zufällig entstanden. Der Physiker Isaac Newton hatte den Wechselkurs von Gold und Silber falsch berechnet und so dafür gesorgt, dass sich für die damaligen Banker das Umtauschen von Silber in Gold lohnte. Das englische Pfund wurde so zur Gold gesicherten Währung, und weil sich das Königreich im Zug der Industriellen Revolution zur Weltmacht entwickelte, wurde das Pfund zur globalen Leitwährung, Gold zum allgemein akzeptierten Anker für die wichtigsten Währungen und London zum internationalen Finanzplatz.

Der klassische Goldstandard hat tatsächlich zu einem stabilen Finanzsystem geführt. Inflation war im 19. Jahrhundert ein Fremdwort. Doch die Hochphase des Goldstandards war nur unter den Bedingungen des 19. Jahrhunderts überhaupt möglich: Es gab noch keine starken Gewerkschaften. In Krisenzeiten konnten die Arbeiter einfach entlassen oder zur Auswanderung gezwungen werden. Glarus beispielsweise, der erste Schweizer Industriekanton, verschiffte im 19. Jahrhundert ganze Dörfer nach Übersee.

Populistische Revolte

Der Goldstandard ist selbst in seiner klassischen Phase an Grenzen gestossen. Der Grund ist einfach: Es gibt weltweit sehr wenig Gold. Wenn eine Währung stets mit dem gelben Metall gedeckt sein soll, dann kann die Notenbank die Geldmenge kaum ausweiten und deshalb auch nur sehr begrenzt auf konjunkturelle Einbrüche reagieren. Am Ende des 19. Jahrhunderts kam es deswegen in den USA beinahe zu einer populistischen Revolte gegen den Goldstandard. Vor allem die Bauern konnten wegen des rigiden Goldstandards ihre Schulden nicht mehr bezahlen und rebellierten dagegen, «ans Kreuz des Goldes» geschlagen zu werden. Der Aufstand konnte letztlich verhindert werden, weil in Alaska neue Goldminen entdeckt und damit auch die geldpolitische Situation entschärft werden konnte.

Heute ist das schlicht nicht mehr möglich. Die Goldreserven (wie übrigens auch Silber) neigen sich definitiv zu Ende. Der British Geological Survey kam 2005 zum Schluss, dass die weltweiten Goldreserven in 17 Jahren erschöpft sein werden. Ein neuer Goldrush ist somit nicht zu erwarten. Für einen neuen Goldanker fehlen also rein physisch gesehen die Grundlagen.

Fatale Folgen

Trotzdem wird der Goldstandard erneut wieder salonfähig. Das Gold müsse ganz einfach teurer sein, lautete die Argumentation, dann sei das Problem gelöst. Dumm bloss, dass ein Währungsanker immer stabil bleiben muss. Wenn der Goldpreis stets nach oben angepasst werden muss, dann wird er selbst zum Spekulationsobjekt und ist per definitionem kein Anker mehr, sondern selbst eine Währung.

In der Sehnsucht nach Gold drückt sich die Sehnsucht nach einem stabilen Währungssystem aus. Das ist verständlich. Doch wir leben im 21. Jahrhundert mit einer komplexen, globalisierten Wirtschaft. Sie erneut mit einem Goldstandard steuern zu wollen, hätte fatale Folgen. Das hat sich in den Zwischenkriegsjahren gezeigt, wo die Rückkehr zum Gold ins wirtschaftliche Verderben geführt hat. Und der letzte Versuch mit dem Goldstandard, wo die Währungen indirekt über den Dollar ans Gold gebunden waren, scheiterte zu Beginn der 70er-Jahre, weil es einfach nicht mehr ging.

Nur putzig

Alles Gold zurück in die Schweiz zu bringen, ist eine mythische Vision, die uns wirtschaftlich rein gar nichts nützen wird. Und die Vorstellung, Gold als «Volksvermögen» zu horten, ist zwar putzig, aber weit von der Realität des 21. Jahrhunderts entfernt. Das ist etwa so sinnvoll, wie wenn wir versuchen würden, unsere Verkehrsprobleme mit der Wiedereinführung der Dampflokomotive zu lösen. Das wird die SVP jedoch nicht daran hindern, es trotzdem zu versuchen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 03.03.2011, 15:42 Uhr)

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