«Die Schweiz ist ein wichtiges Land für Libyen»
Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 28.08.2009
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Aussenhandel der Schweiz mit Libyen
Politisch wird Hans-Rudolf Merz' Gang in die libysche Hauptstadt Tripoli wohl noch länger zu reden geben: Der Bundesrat wird für sein eigenmächtiges Vorgehen heftig kritisiert – von links bis rechts. Bei der Schweizer Wirtschaft wird die Annäherung hingegen begrüsst. «Wir hatten jahrzehntelang gute wirtschaftliche Beziehungen zu Libyen. Diese sollten wieder hergestellt werden», sagt Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. «Zuerst müssen aber die beiden festgehaltenen Manager freikommen.»
Libyen war bis 2008 der wichtigste Schweizer Handelspartner in Afrika. Für die Gesamtwirtschaft ist die Bedeutung des Landes allerdings gering: Es liegt auf Platz 62 der Export-Rangliste. Beispielweise ABB, Nestlé und Novartis sind auf dem libyschen Markt seit Jahren tätig.
Handel massiv eingebrochen
Die Schweiz exportierte 2008 Waren im Wert von rund 282 Millionen Franken nach Libyen – darunter hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und Fahrzeuge. Im Zuge des libyschen Boykotts sind die Exporte bis Juni dieses Jahres um fast die Hälfte eingebrochen. Noch drastischer sieht es mit dem Importen aus Libyen aus. Bis vor einem Jahr war das Qhadafi-Regime der wichtigste Rohöllieferant der Schweiz, knapp 50 Prozent stammten aus dem Maghreb-Staat. Seither sind die Importe – 2008 war es Öl im Wert von 3,3 Milliarden Franken – um fast 90 Prozent gesunken; davon stark getroffen wurde die libysche Tamoil-Gruppe, die hierzulande eine Raffinerie sowie 350 Tankstellen betreibt, also jede zehnte Tankstelle. In die Lieferungslücke gesprungen sind Algerien, Aserbaidschan und Kasachstan.
Das könnte sich im sprunghaften Ölgeschäft aber rasch wieder ändern. Libyen hat grosses Interesse an der Wiederaufnahme von Öl-Lieferungen in die Schweiz. «Die Schweiz war der fünftgrösste Ölabnehmer Libyens», sagt Atteslander, «also ein wichtiges Land für den Maghreb-Staat». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.08.2009, 10:51 Uhr
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