Wirtschaft

Die Segnungen der Bad Bank

Von Hans Galli. Aktualisiert am 14.04.2009 8 Kommentare

Die Kurse der Schweizer Aktien haben in vier Wochen um 17 Prozent zugelegt. Jene der US-Aktien gar um 23 Prozent. Ein wichtiger Grund: die Auslagerung fauler Wertpapiere in den USA, die «Bad Bank». Der grosse Stresstest für die Kurse kommt allerdings in diesen Tagen.

Kritik trotz positiver Wirkung: US-Finanzminister Timothy Geithner muss seinen Plan verteidigen.

Kritik trotz positiver Wirkung: US-Finanzminister Timothy Geithner muss seinen Plan verteidigen.
Bild: Keystone

Genau vor einem Monat hat die Stimmung an den Aktienmärkten gekehrt. Seither hat der Swiss Market Index um 17 Prozent zugelegt. Der Dow Jones ist in New York sogar um 23 Prozent gestiegen. Der Auslöser für den Kursanstieg war die geplante «Bad Bank» in den USA: die Auslagerung von faulen Wertpapieren der Banken in eine separate Gesellschaft.

Die «Bad Bank» wurde von Finanzminister Timothy Geithner am 23. März offiziell vorgestellt. Aber der Plan war schon zwei Wochen vorher durchgesickert. Seither zeigen die Aktienkurse steil nach oben – abgesehen von vorübergehenden Rückschlägen. Einen weiteren Test bestanden die Börsen nach dem G-20-Gipfel in London: Die Kurse reagierten positiv auf die angekündigten Massnahmen. Das Szenario hat sich damit geändert. Lange Zeit konnten die Nationalbanken die Zinsen noch so stark senken und die Regierungen noch so viel Geld in Konjunkturprogramme stecken, die Börsenkurse zeigten abwärts.

Gespannt auf die Quartalszahlen

Ob der positive Trend anhält, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Die grössten Banken der USA werden ihre Quartalsabschlüsse vorlegen. Bereits vorangegangen ist Wells Fargo, welche einen Gewinn von 3 Milliarden Dollar gemeldet hat. Heute Dienstag veröffentlicht Goldman Sachs die Quartalszahlen. Am Donnerstag wird JP Morgan Chase folgen und am Freitag die Citigroup.

Besonders wichtig aus Schweizer Sicht werden die Angaben zum Geschäftsgang der UBS an der morgigen Generalversammlung sein. Die Quartalszahlen hat die UBS aber erst für den 5. Mai angekündigt. Die Credit Suisse wird ihr Quartalsergebnis am 23. April veröffentlichen – einen Tag vor ihrer ordentlichen Generalversammlung.

Was die US-Banken angeht, lässt eine Meldung der amerikanischen Regierung aufhorchen. Sie hat die grössten Institute aufgefordert, die Resultate ihrer Stresstests nicht einzeln zu veröffentlichen. Insbesondere sollen sie nicht gleichzeitig mit den Quartalszahlen auf die Ergebnisse der Tests hinweisen. Die Regierung will den Bericht für alle 19 involvierten Institute Ende Monat in einem Guss vorlegen.

Stresstests sind Simulationen, wie die Bank auf extreme Krisen im Finanzsystem reagieren würde. Konkret geht es um Vorfälle, die nur mit einem Prozent Wahrscheinlichkeit eintreten. Die Banken haben diese Stresstests durchgeführt und alle bestanden – wenn auch unterschiedlich, wie die Nachrichtenagenturen melden.

Kritik an der «Bad Bank»

Mit der Schaffung einer Bank für schlechte Wertpapiere begeht die Regierung der USA denselben Weg wie die Schweizerische Nationalbank. Diese hat im Herbst 2008 eine separate Gesellschaft gegründet und der UBS faule Wertpapiere von 39 Milliarden Dollar abgekauft. Die UBS hat der Zweckgesellschaft 6 Milliarden Dollar Eigenkapital zur Verfügung gestellt, der Rest ist ein Darlehen der Nationalbank. Falls ein Gewinn anfallen sollte, erhält die Nationalbank davon 1 Milliarde Dollar. Das restliche Eigenkapital wird zur Hälfte geteilt.

Die Regierung der USA hat ein anderes Modell gewählt: Der Staat und private Investoren sollen die faulen Wertpapiere gemeinsam kaufen. Das hat Kritiker auf den Plan gerufen wie die Nobelpreisträger Paul Krugman und Joseph Stiglitz, welche der demokratischen Regierung grundsätzlich wohlgesinnt sind. Laut Stiglitz handelt es sich um einen Win-win-lose-Vorschlag: Die Banken gewinnen, die privaten Investoren gewinnen, aber die Steuerzahler verlieren.

In der «New York Times» hat Stiglitz ein Beispiel vorgerechnet: Die vergifteten Wertpapiere sind heute unverkäuflich und haben deshalb keinen objektiven Wert. Je nach Entwicklung der Finanzmärkte könnte ein Papier in einem Jahr mit einer Chance von jeweils 50 Prozent 0 oder 200 Dollar wert sein. Der mittlere Wert beträgt somit 100 Dollar. Wegen der Staatshilfe kauft die amerikanische Zweckgesellschaft das Papier für 150 Dollar. Der private Partner und der Staat wenden dafür je 12 Dollar Eigenkapital auf. Die restlichen 126 Dollar schiesst der Staat in Form eines garantierten Darlehens vor. Falls sich das Papier in einem Jahr als wertlos herausstellt, verliert der Private 12 Dollar, der Staat aber 138 Dollar.

Falls sich das Papier dagegen positiv entwickelt und sein Wert auf 200 Dollar steigt, erhält die Regierung ihr Darlehen von 126 Dollar zurück. Die restlichen 74 Dollar werden hälftig geteilt: Der Private hat somit einen Einsatz von 12 Dollar auf 37 Dollar verdreifacht. Der Steuerzahler, welcher 138 Dollar aufs Spiel gesetzt hat, kommt nur auf einen Gewinn von 25 Dollar.

Überhöhte Preise?

Wenns gut kommt, haben zumindest beide gewonnen. Doch dass es gut kommt, werde die Ausnahme bilden, schrieb Jeffrey Sachs von der Columbia University in der «Financial Times». Denn der Plan habe einen Systemfehler.

Sachs meint des Auktionsverfahren: Die privaten Investoren können für die giftigen Papiere bieten. Sie müssen jedoch nur 8 Prozent des gebotenen Preises selber bezahlen. Den grössten Teil von 92 Prozent übernimmt der Staat. Die Privaten seien deshalb bereit, stets zu hohe Preise zu bezahlen, moniert Sachs. Die meisten Ramschpapiere würden somit überbezahlt: «Kein Wunder, dass die Aktienkurse der Banken gestiegen sind.»

Statt die faulen Kredite aus der Bank auszulagern, soll sich der Staat direkt an den Banken beteiligen, fordern Sachs und die andern Kritikern. Dann gehörten der Staat und damit auch die Steuerzahler zu den Gewinnern, wenn die Aktienkurse der Banken anstiegen.

Kritik an den Kritikern

Sachs gehe von falschen Annahmen aus, widersprechen William Cline und Thomas Emmons vom Peterson Institute in Washington, einer der weltweit angesehensten Denkfabriken. Er unterschlage erstens den positiven Effekt, welcher eine Stabilisierung des Finanzsystems für die Gesamtwirtschaft habe. Zweitens sei der Staat nicht verpflichtet, Fantasiepreise zu bezahlen. Drittens überschätze Sachs die Wahrscheinlichkeit, dass ein Papier gänzlich wertlos werde. Viertens unterschätze er die Wahrscheinlichkeit, dass gewisse Papiere an Wert zulegen könnten.

Die Kritik habe dann einen positiven Effekt, wenn sie dazu führe, dass die Regierung die «Bad Bank» genau unter die Lupe nehme, schreiben die Ökonomen des Peterson Institutes. Aber die Gefahr bestehe, dass sie einen guten Ansatz zur Stabilisierung der Finanzmärkte in Misskredit bringe.> (Der Bund)

Erstellt: 14.04.2009, 10:38 Uhr

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8 Kommentare

peer philip

14.04.2009, 10:17 Uhr
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ich hätte auch gerne eine "Bad Company" für die KMU. Dann lagern wir alle faulen Debitoren und sonstige lästige Geldfresser- Risiken einfach darin aus... sollen es doch die anderen bezahlen. Wo gibt es denn sowas?! Leider sind wir nun an dieser Schwelle angekommen und der Weg da raus wird für alle sehr steinig... zum Glück auch für die Bad Banker! Antworten


Niklaus von-Melchtal

14.04.2009, 11:30 Uhr
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@ N. Binswanger: "Geld ist keine Handelsware, sondern "nur" Mittel zur Vereinfachung von Handel mit Waren." Aha ! Und wie finanzieren die Unternehmer ihre Fabriken, die Häuslebauer ihre Häuser und Väterchen Staat seine Schuldenwirtschaft ? Bitte immer zuerst Hirni einschalten bevor man in die PC Tasten haut. Antworten



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