Die fetten Jahre im Golfsport sind vorbei

Die Sportart Golf steckt in der Krise. Für den Abwärtstrend gibt es gesellschaftliche und wirtschaftliche Gründe.

Abwärtstrend: Die Zahlen im Golfsport sind rückläufig. (Archiv)

Abwärtstrend: Die Zahlen im Golfsport sind rückläufig. (Archiv) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Sport steht bei vielen Managern hoch im Kurs, doch den Weg auf den Golfplatz finden immer weniger.» Zu diesem Schluss kommt die «Neue Zürcher Zeitung». Das wachsende Desinteresse kämen sowohl die Betreiber von Golfplätzen als auch die Anbieter von Golfartikeln schmerzhaft zu spüren, schreibt die Tageszeitung weiter. Auch der Schweizer Golf-Verband (ASG) stelle diese negative Entwicklung fest. Mit Ausnahme der Region Zürich bestehe mittlerweile ein Überangebot an Spielgelegenheiten.

Immerhin, so hält die NZZ fest, stünde die Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern noch gut da. 2014 belief sich die Zahl der lizenzierten Golfer in diesem Land auf 88‘500 Personen. Eine Ausweitung ist jedoch nicht absehbar. Der ASG liess verlauten, dass bei den Mitgliederzahlen Stagnation herrsche. Beim Nachwuchs sei der Trend ebenfalls klar rückläufig. «Wie in anderen Ländern nimmt das Durchschnittsalter der Golfspieler auch in der Schweiz stark zu. Derzeit beträgt es 53 Jahre», weiss die NZZ.

Selbst in traditionellen Golf-Nationen wie England, Schottland oder Irland büsst die Sportart demnach an Popularität ein. In den vergangenen fünf Jahren hat gemäss der NZZ die Anzahl Aktive in England um 700‘000, in Schottland um 200‘000, also je 15 Prozent, abgenommen. In Irland betrage der Rückgang sogar über 20 Prozent. Dabei ist Golf auf den Inseln Westeuropas ein Volkssport. Auch in den USA präsentiert sich die Lage düster. Noch 2003 schlugen 30 Millionen lizenzierte Spieler Golfbälle, mittlerweile sind es nur noch 22,5 Millionen.

Die Gesellschaft verändert sich

Golf ist eine Sportart, die primär von Führungskräften betrieben wird. Die wirtschaftlich angespannte Lage erlaubt es den Managern heute aber kaum noch, sich auf die Golfplätze der Welt zu begeben und stundenlang dem zeitintensiven Hobby zu frönen. Die Zeiten, in denen auf dem Green neben dem Sport auch intensiv Business betrieben wurde, gehören der Vergangenheit an. Andere Sportarten wie etwa Triathlon, Radfahren oder Marathon stehen mittlerweile in der Gunst von Kaderleuten viel weiter oben. «Der Sport verträgt sich nicht so recht mit der Mentalität der Millennials, also der Generation, die nach 1980 geboren ist», erklärt Paul Swinand von der Analysegesellschaft Morningstar zur «Frankfurter Allgemeine» (FAZ). «Die Jungen wollen die Dinge schnell machen und treiben lieber intensiven Sport.» 20min.ch stellt zu dieser Problematik fest: «Eine bindende Clubmitgliedschaft dürfte Vertreter dieser Generation wohl eher abschrecken. Ausserdem ist der Sport oft mit hohen Material- und Kurskosten sowie Mitgliedsgebühren verbunden.»

Schliesslich hat sich auch das Verhalten der Männer in der Gesellschaft verändert. Junge Familienväter wollen – oder müssen – mehr Zeit mit der Gattin, den Kindern oder dem Haushalt verbringen. Die früher legendären Wochenendtrips mit den Golf-Kumpels sind heute Gift für das freundschaftliche Verhältnis zur Lebenspartnerin. Das gilt selbstverständlich auch für die moderne Frau: Die Laune des Mannes verbessert sich kaum, wenn sie sich mit ihren Kolleginnen und dem Golf-Sack ins lange Weekend verabschiedet, während er sich um Kind, Kegel und den Staubsauger kümmern darf.

Adidas spürt rückläufige Verkäufe

Die Krise der Sportart hat auch den Sportartikelhersteller Adidas erfasst. «Der deutsche Konzern stieg durch den Erwerb der Marke Taylor Made 1997 zum weltgrössten Anbieter von Golfartikeln auf. 2008 und 2012 wurde das Portefeuille durch die Akquisition von zwei weiteren Marken, Ashworth und Adams, erweitert», berichtet die NZZ. Nun soll aber in Zusammenarbeit mit einer Investmentbank der Verkauf von Adams und Ashworth sondiert werden. Selbst der Bereich Taylor Made soll geprüft werden. Adidas plane hier einen Stellenabbau von 14 Prozent.

Gemäss Adidas würden sich «anhaltende strukturelle Veränderungen» negativ auf das Geschäft mit Golfern auswirken. «Dazu zählt, wie das Unternehmen dieses Jahr selbst schmerzvoll erleben musste, dass sich in einem weitgehend gesättigten Markt sogar Produktneuheiten nur mit grösseren Rabatten verkaufen lassen», ergänzt die NZZ.

Ob der Verkauf von Golf-Artikeln wieder ansteigt, hängt auch davon ab, ob besonders jüngere Menschen die Sportart cool finden. (fal)

(Erstellt: 30.12.2015, 13:04 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Der «Nieverlorene» soll das Golf erneuern

Drei Schweizer haben einen Ball entwickelt, der sich per Smartphone im Nu wieder auffinden lassen soll. Mehr...

Der ungleiche Golf-Traum von Rio 2016

Vier Schweizerinnen haben Chancen, das olympische Turnier zu bestreiten – für die Männer ist eine Qualifikation in weiter Ferne. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Werbung

Kommentare

Blogs

Outdoor Gehen Sie nie mit dem Vorgesetzten zum Sport!
Blog Mag Völlig unmöglich
Geldblog Dividendenjäger scharf auf die UBS

Anzeigen

Die Welt in Bildern

Wenn der Säbel juckt: Als Wikinger verkleidet kämpfen australische Teilnehmer des St. Ives-Mittelalter-Festival in Sydney gegeneinander. (24. September 2016)
(Bild: Dan Himbrechts) Mehr...