Wirtschaft

Die fetten Jahre sind vorbei

Aktualisiert am 08.08.2011 16 Kommentare

Verunsicherte Anleger und neue Regulierungen: Wie sich die Investmentbanken ihre lukrativen Geschäfte mit komplexen Finanzprodukten selbst verdorben haben.

Die Banken müssen mit einer massiven Verkleinerung des Investment-Geschäfts rechnen: Auch UBS-Chef Oswald Grübel hat bereits einen Stellenabbau angekündigt.

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Das Entsetzen der Händler

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Weltweit schauen die Leute verzweifelt auf die Charts der Börsen.

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Jahrelang hat der Handel mit Anleihen, Derivaten, Rohstoffen und Devisen die Kassen der grossen Banken wie der Credit Suisse, (CSGN 19.09 -1.39%) der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) oder der Deutschen Bank gefüllt. Und dies nicht schlecht. Die goldenen Zeiten im Kapitalmarktgeschäft gehören nun aber der Vergangenheit an.

Stattdessen müssen die Finanzinstitute seit einigen Monaten mit kräftigem Gegenwind kämpfen. Zum einen verunsichern die Schuldenkrisen in der Euro-Zone und den USA viele Anleger, was die Erträge der Investmentbanken schmälert. Zum anderen ist das riskante Kapitalmarktgeschäft nach den Negativerfahrungen der Finanzkrise neuen Regulierungen unterworfen. Diese verlangen mehr Eigenkapital, beschränken den Eigenhandel und regeln den Derivatehandel strenger. Experten sprechen von einem Strukturwandel in der Branche. Einige Banken dürften versuchen, die wegbrechenden Einnahmen durch eine Verstärkung des klassischen Beratungsgeschäfts zu kompensieren.

Vorerst bleibt nur der Stellenabbau

Allerdings liegen angesichts des schwierigen Marktumfelds auch viele Unternehmensfusionen, Börsengänge und Kapitalerhöhungen auf Eis. Daher bleibt oftmals nur ein massiver Stellenabbau, wie ihn unlängst etwa die Credit Suisse, die UBS und die führende US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ( 96.7 -0.17%) angekündigt haben.

«Das Geschäft wird sich schon erholen, aber es wird 20 bis 30 Prozent kleiner ausfallen als früher», sagt Anthony Peters, Stratege beim unabhängigen Kapitalmarktberatungsunternehmen Swissinvest. «In den nächsten anderthalb Jahren wird die Zahl der Mitarbeiter im Investmentbanking deshalb um 20 Prozent sinken.» Besonders lukrativ war in der Vergangenheit der Handel mit Anleihen und komplexen Derivaten aller Art. Viele Bankenchefs kommen aus diesem Bereich, wie etwa der künftige Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Nach Berechnungen der US-Grossbank Morgan Stanley ( 13.25 -0.45%) erwirtschaften die grossen Häuser 40 bis 60 Prozent ihrer Investmentbanking-Erträge mit dem Handel dieser Produkte.

Kunden halten sich zurück

Im zweiten Quartal des laufenden Jahres sanken die Einnahmen hier im Vergleich zu Jahresbeginn im Schnitt um ein Drittel, bei Goldman Sachs gar um 64 Prozent. «Die Erträge werden wohl auch in künftigen Quartalen unter Druck bleiben», erwartet Helmut Hipper, Manager bei der deutschen Fondsgesellschaft Union Investment.

Viele Kunden halten sich derzeit am Anleihemarkt zurück. Hedgefonds beispielsweise sind Bankern zufolge mit ihren Wetten in jüngster Zeit zu häufig auf die Nase gefallen. Doch damit nicht genug. In den USA ist der Handel auf eigene Rechnung nach den neuen Finanzmarktregeln verboten. Auch viele europäische Geldhäuser haben ihre entsprechenden Abteilungen bereits stark zurückgefahren.

Eigenhandel wegen Regulierungen unattraktiv

Der Eigenhandel war zwar in den Boomzeiten sehr ertragreich, hat in der Krise aber zu Milliardenverlusten der Institute beigetragen. Investmentbanker erwarten eine weitere Drosselung dieser Geschäfte. «Denn noch gibt es Eigenhandel, die Volumina sind weiter recht hoch», sagt ein Banker, der im Anleihegeschäft arbeitet.

Regulierer in den USA und Europa stören sich auch an dem oft hinter verschlossenen Türen ablaufenden Handel mit Derivaten, da Blasen an den Finanzmärkten so zu spät erkannt werden. Sie wollen, dass Marktteilnehmer alle Finanzmarktprodukte transparent über Börsen kaufen und verkaufen und nicht bilateral übers Telefon.

An den Börsen werden aber vor allem Standardprodukte gehandelt und keine komplexen massgeschneiderten Anleihe-Konstruktionen. Doch genau daran haben die Banken in der Vergangenheit gut verdient. Eine Renaissance dieser Produkte wird es aber wohl nicht geben. «Die Schuldenkrisen gehen vorbei, aber die schärfere Regulierung bleibt», fasst ein Banker die Lage zusammen. (ami/sda)

Erstellt: 07.08.2011, 23:10 Uhr

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16 Kommentare

Eron Thiersen

08.08.2011, 08:10 Uhr
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Was mir fehlt ist die Aufarbeitung der offensichtlichen und gewollten Falschberatungen. Ebenso muss die Politik von der Finanzlobby entflechtet werden und Kunden müssen juristisch die Möglichkeit erhalten, wie z.Bsp. in Österreich eine Sammelklage einreichen zu können, ohne gleich ihre finanzielle Existenz aufs Spiel zu setzen. Offensichtlich leben wir in einer 2-Klassen Justiz! Antworten


Marlis Steiner

08.08.2011, 08:11 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Vorerst bleibt nur der Stellenabbau
«Das Geschäft wird sich schon erholen, aber es wird 20 bis 30 Prozent kleiner ausfallen als früher»
Genau, und damit die Boni bleiben wird man wieder zuerst altgediente, langjährige Mitarbeiter "entsorgen". Was ist das für eine Moral?
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