Die fünf zentralen Fragen und Antworten zu Griechenland
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 04.03.2010 8 Kommentare
Griechische Euro-Gednekmünze.
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Welche Spekulationen hat die EU-Kommission im Auge, wenn sie morgen mit Finanzmarktaufsehern, Banken und Hedge-Funds die Griechenland-Krise erörtert?
Diskutiert wird die Rolle von Kreditausfall-Versicherungen (CDS) für griechische Staatsanleihen. Sie dienen Investoren dazu, sich für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit der griechischen Regierung abzusichern, und sind somit ein Instrument der Risikominderung. Indessen haben Spekulanten auch CDS erworben, ohne die ihnen zugrundeliegende Staatsanleihen zu besitzen. Dies erlaubt ihnen, mit sehr geringem Kapitaleinsatz grossen Einfluss auf den Markt zu nehmen. Ähnliche Manipulationen – im Fachjargon: nackte Leerverkäufe – sind aus dem Aktienmarkt bekannt. Die Spekulation mit griechischen CDS wiegt besonders schwer, da es um eine ganze Volkswirtschaft und letztlich um die Zukunft des Euro geht.
Wie umfangreich sind die Spekulationen mit griechischen Papieren?
Die britische Finanzaufsichtsbehörde schätzt, dass die Leerpositionen auf griechischen Staatsanleihen 3 bis 4 Prozent des Marktvolumens ausmachen. Ein Verbot von Leerverkäufen allein würde deshalb kaum entscheidenden Einfluss haben, sagt der Vorsitzende der Behörde, Lord Turner. Wichtiger ist, dass der CDS-Markt intransparent und unreguliert ist, also das bevorzugte Tummelfeld von Hedge-Funds darstellt.
Unterstützt die US-Regierung das Vorgehen der EU-Kommission?
Die Regierung Obama setzt an mehreren Fronten an. Das Justizministerium eröffnete am Mittwoch ein Verfahren gegen vier Hedge-Funds (SAC, Greenlight, Soros, Paulson). Sie stehen im Verdacht der Kollusion, das heisst der gegenseitigen Absprache, um den Euro in den Boden zu reiten. Daneben ermitteln die US-Notenbank und die Börsenaufsicht gegen Goldman Sachs und weitere Wallstreet-Banken in der Frage, ob sie in Griechenland ein Doppelspiel spielten, indem sie dem Land zunächst halfen, seine Finanzlage zu schönen, um später mithilfe von CDS auf dessen Zahlungsfähigkeit zu wetten. Nicht geklärt ist zudem die Rolle des Versicherungskonzerns AIG bei der Vermittlung von CDS für griechische Anleihen. Da die US-Regierung Mehrheitsbesitzerin von AIG ist, steht Obama unter Handlungsdruck.
Wie aussichtsreich sind die laufenden Untersuchungen?
Wenig. Ermittlungen gegen Private- Equity-Gruppen wegen vermuteter illegaler Absprachen führten 2006 ebenso ins Leere wie frühere Untersuchungen gegen Hedge-Funds. Zudem haben einige grosse Hedge-Funds ihre CDS- und Euro-Positionen bereits aufgelöst, weil zu viele Nachahmer aufgesprungen sind. Der grosse Gewinn mindestens mit den CDS dürfte gemacht sein.
Sind die Ermittlungen durch die EU und die USA somit nur symbolisch?
Sie sind vor allem politischer Natur. Die Aufsichtsbehörden beidseits des Atlantiks haben die letzte grosse Finanzkrise 2008/09 verschlafen und müssen nun beweisen, dass sie mehr sind als nur die Marionetten der ihnen unterstellten Branche. Mit dem vereinten Vorgehen tragen die EU und die USA auch zur Beruhigung der Märkte bei. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.03.2010, 07:37 Uhr
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8 Kommentare
Es wird immer dringender, dass alle Banken weltweit verstaatlicht werden. Damit bekämen die Staaten ihre Wirtschaft wieder in den Griff. Heute wird 95% des gesamten Geldes von privaten Banken generiert (hergestellt). Auch kann niemand logisch erklären, wieso die Staaten Geld von privaten Banken aufnehmen müssen (Staatsanleihen).Wir stehen am Abgrund. Antworten
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