Das schönste Steuerparadies sind die USA

Wie schwierig ist es, Strohfirmen und geheime Bankkonten zu eröffnen? Ein australischer Professor hat es getestet. Die Schweiz schnitt gut ab.

Dies ist eine Steueroase – aber nicht die Schweiz: Yellowstone-Nationalpark im US-Staat Wyoming.

Dies ist eine Steueroase – aber nicht die Schweiz: Yellowstone-Nationalpark im US-Staat Wyoming.

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Beim G-20-Treffen in London sollen diese Woche weitere Massnahmen gegen Steueroasen diskutiert werden. Als solche gilt auch immer noch die Schweiz, die nach massivem Druck aus den USA im Nachgang der UBS-Steueraffäre bereits Konzessionen gemacht hat.

Viel schlimmer als die Schweiz sind jedoch einige Bundesstaaten in den USA – dies hat ein Test des australischen Professors Jason Sharman ergeben. Der Steuerexperte, der beim Centre for Governance and Public Policy an der Griffith University in Nathan lehrt, hat zwei Jahre lang mit einem Budget von 20'000 Dollar und einem Internetanschluss getestet, in welchen Staaten es am leichtesten ist, anonym Strohfirmen zu gründen. Diese Vehikel dienen reichen Leuten häufig dazu, geheime Bankkonten zu führen und damit Steuern am Fiskus ihrer Heimatländer vorbeizuschmuggeln.

«Schweizer Anbieter kippten sehr schnell aus meinem Test»

Sharman kontaktierte 54 Corporate Service Provider (CSP) in 22 Ländern online. 45 CSP signalisierten die Bereitschaft, eine Strohfirma zu gründen. 28 CSP wollten dafür aber eine klare Identifizierung, etwa eine notariell beglaubigte Passkopie. 17 dieser Anlaufstellen verlangten nichts anderes als eine Kreditkarte und eine Postadresse; sie waren noch nicht mal besonders teuer und veranschlagten zwischen 800 und 3000 Dollar für ihre Dienste.

Nur 4 dieser 17 Büros befinden sich in klassischen Steueroasen, die restlichen 13 liegen in OECD-Ländern, jenen Staaten also, die an einer schwarzen Liste arbeiten. England beherbergt sieben dieser Anlaufstellen, die USA vier, Spanien und Kanada je eine, wie der «Economist» in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

«Die Schweizer Anbieter kippten sehr schnell aus meinem Test», erklärt Jason Sharman auf Anfrage, «sie verlangten eine sehr genaue Identifizierung.» Es habe zwar einen Anbieter gegeben, der bereit gewesen sei, eine völlig anonyme Struktur samt Bankkonto zu kreieren, «aber der verlangte 17'000 Dollar Vorauszahlung. Das lag bei meinem Budget nicht drin – und ich bin skeptisch, dass er das wirklich hätte arrangieren können.» Fehlanzeige in der Schweiz

Schwieriger Fall: Anonyme Konten

In einem weiteren Schritt versuchte Sharman anonyme Bankkonten über diese 17 Anbieter zu eröffnen. Dies erwies sich als schwieriger und funktionierte nur in fünf Fällen: Je einmal in den US-Bundesstaaten Wyoming und Nevada, zweimal in England und einmal bei einem Joint Venture in Liechtenstein und in Somalia. Auch hier wurden teilweise Passkopien verlangt, aber ohne Beglaubigung. Diese fünf Fälle scheinen auf den ersten Blick wenig zu sein, Sharman betont jedoch, mit welch geringem Aufwand es ihm gelungen sei, dies zu tun. «Wer sich wirklich bemüht oder kriminelle Absichten hat, dürfte schnell einiges mehr erreichen.»

Neben den genannten Bundesstaaten wird auch Delaware in einer einschlägigen Studie der US-Regierung erwähnt. Diese kam zum Schluss, dass die dort gebotene Anonymität mit jener der klassischen Steueroasen vergleichbar ist. Laut «Economist» sind die USA für Ausländer besonders attraktiv, um Geld zu parkieren, weil der Staat die Zinsen nicht besteuert. Dieser Umstand, gekoppelt mit der gebotenen Anonymität, offeriere «alle Vorteile einer Steueroase».

Sharman, dessen Test noch nicht publiziert ist, weist darauf hin, dass die USA und England zwar bemüht seien, ihre Standards zu verbessern, «aber sie hinken der Rechtsprechung jener Länder schwer hinterher, die gemeinhin als Steueroasen gelten». (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 01.04.2009, 12:48 Uhr)

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