Drei Sorgen lasten auf Europas Märkten

Hunderte Milliarden an faulen Krediten, Athen im Abwärtsstrudel und vermeintliche Musterländer: Warum die Börsen derzeit crashen.

Düstere Stimmung über London: Skyline des Bankenviertels in Grossbritanniens Hauptstadt.

Düstere Stimmung über London: Skyline des Bankenviertels in Grossbritanniens Hauptstadt. Bild: Keystone

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Um die Eurozone war es in letzter Zeit ruhig geworden. Die Region stand nicht mehr im Fokus der Investoren. Das hat sich geändert, wie die Börsenentwicklung der vergangenen Tage zeigt. Betroffen ist nicht nur der griechische Aktienmarkt, sondern auch die Deutsche Bank.

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Billiges Öl, ein schwacher Euro und niedrige Inflation: Die Bedingungen für die europäische Wirtschaft sind günstig. Wenn aber die Eurozone am Freitag ihre Wachstumsraten für das vierte Quartal 2015 präsentiert, dann werden wohl wieder nur magere 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte erreicht - davon gehen zumindest die Vorhersagen aus. Insgesamt hätte die Eurozone damit dennoch besser abgeschnitten als in jedem anderen Jahr seit 2011.

Grund zum Feiern gibt es trotzdem nicht, denn mit einem jährlichen Wachstum von 1,5 Prozent lässt sich die Arbeitslosigkeit nicht spürbar senken, die in der Eurozone bei 10,4 liegt; in Spanien und Griechenland sind es doppelt so viel. Und die Sorgen um die Eurozone nehmen wieder zu.

Sorge 1: Griechenland
In Griechenland protestieren die Menschen gegen die geplanten Reformen. Ein Generalstreik in der vergangenen Woche richtete sich gegen die Rentenreform, hinzu kommen beinahe täglich weitere Proteste. Die Regierung verfügt nur über eine hauchdünne Mehrheit im Parlament. Sollte sie eine Abstimmung über die Reformen verlieren, könnte sie stürzen, was neuerliche politische Unsicherheit in Griechenland nach sich ziehen würde.

Es wird erwartet, dass die griechische Wirtschaft in diesem Jahr erneut schrumpft. Die Märkte blicken nicht gerade optimistisch nach Athen, wo der Leitindex am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit 1989 fiel. Besonders die Bankenwerte mussten Verluste hinnehmen. Nicht überraschend, findet Danae Kyriakopoulou, Wirtschaftsanalystin am Center for Economics and Business Research in London. Die Banken hätten faule Kredite im Wert von 100 Milliarden Euro im Portfolio, während die hohe Arbeitslosigkeit darauf hindeute, dass sich in absehbarer Zeit nichts bessere.

Sorge 2: Die Banken
Die griechischen Banken sind aber nicht die einzigen, die unter faulen Krediten ächzen. In den vergangenen Wochen wuchs die Sorge um die Banken in Italien, die Schätzungen zufolge 350 Milliarden Euro an faulen Krediten in den Büchern stehen haben. Auch sie gerieten an der Börse in diesem Jahr unter Druck. Rufe nach einer Reform der Branche wurden lauter. Die italienischen Banken vergeben angesichts dieser Belastungen schon seit 2008 nur zögerlich Kredite, was das Wirtschaftswachstum bremst. Ausserhalb Italiens verloren auch die Papiere der Deutschen Bank und der Credit Suisse angesichts der Sorge um ihre Finanzlage.

Sorge 3: Die vermeintlichen Musterschüler
Portugal und Spanien galten in den vergangenen Jahren als Musterländer der Eurozone. Portugal konnte das Rettungsprogramm inzwischen verlassen und in Spanien legte das Wirtschaftswachstum kräftig zu. Einige Probleme sind jedoch geblieben und die politische Unsicherheit auf der Iberischen Halbinsel könnte diese noch verstärken.

So wurde in Portugal kürzlich eine sozialistische Regierung gewählt, die sich vom Sparen möglichst schnell verabschieden will. Das wiederum käme in anderen Teilen Europas nicht gut an. Und weil Portugal das Rettungsprogramm verlassen hat, muss es sich wieder allein am Markt finanzieren. Dort stiegen die Zinsen für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren zuletzt an - ein Zeichen, dass die Investoren an Zuversicht verlieren.

In Spanien ringen die Parteien nach der Parlamentswahl im Dezember immer noch um die Regierungsbildung. Eine Koalitionsregierung scheint unwahrscheinlich, so dass wohl Neuwahlen angesetzt werden müssten, die den kleineren Parteien und Populisten Auftrieb geben könnte. Das Ergebnis wären wieder neue Unsicherheiten über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs Spaniens.

In Grossbritannien steht ausserdem noch ein Referendum über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union an. Abgestimmt werden könnte im Juni, wenn Premierminister David Cameron die Verhandlungen über ein Reformpaket für die 28 Mitglieder umfassende Union abgeschlossen hat. Ein sogenannter Brexit, ein Ausstieg Grossbritanniens aus der EU, sei immer noch möglich, erklärt Kyriakopoulou. Die langfristigen Folgen eines solchen Schritts seien umstritten, kurzfristig würde ein Brexit der Europäischen Union aber in jedem Fall schaden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 12.02.2016, 08:36 Uhr)

Talfahrt an der Börse in Tokio ungebremst

In Japan sind die Kurse an der Börse von Tokio am Freitag ungebremst weiter gefallen. Der Handel schloss 4,84 Prozent im Minus, der Leitindex Nikkei 225 notierte bei 14.952,61 Punkten. Am Donnerstag war die Börse wegen eines Feiertags geschlossen gewesen, am Mittwoch hatte sie auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2014 geschlossen. Händler nannten als Gründe für den weiteren Kursverfall den starken Yen, der Exporteuren das Geschäft erschwert, sowie die Sorge um die weltweite Konjunktur. Vertreter der Regierung hatten «angemessene Maßnahmen» angekündigt und damit Spekulationen befeuert, die Zentralbank werde eingreifen, um den Anstieg des Yen zu stoppen. Regierungschef Shinzo Abe traf am Freitag mit Zentralbankchef Haruhiko Kuroda zusammen. (afp)

Deutsche Wirtschaft hält ihr Wachstumstempo im Schlussquartal

Berlin Die deutsche Wirtschaft hat dank der guten Binnenkonjunktur ihr Wachstumstempo am Jahresende 2015 gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Oktober bis Dezember erneut um 0,3 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

«Die konjunkturelle Lage in Deutschland war damit im Jahr 2015 durch ein solides und stetiges Wirtschaftswachstum gekennzeichnet», erklärten die Statistiker. 2015 wuchs Europas grösste Volkswirtschaft um 1,7 Prozent und damit so kräftig wie seit vier Jahren nicht mehr.

Garant für den Aufschwung am Jahresende war die stabile Binnenwirtschaft. «Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben deutlich, die privaten Haushalte noch einmal leicht», erklärten die Statistiker. Der Staat macht wegen der Flüchtlingskrise mehr Geld locker, während die Konsumenten von steigenden Löhnen, Rekordbeschäftigung und sinkenden Energiepreisen profitieren.

«Darüber hinaus entwickelten sich auch die Investitionen positiv», teilte das Bundesamt weiter mit. In Bauten sei «deutlich mehr» investiert worden. Als Bremse erwiesen sich die Exporte. Die Wachstumsschwäche grosser Schwellenländer wie China und die Destabilisierung der vom Ölpreis-Verfall geschwächten Förderstaaten wie Russland dämpften die Ausfuhren.

Für 2016 rechnet die deutsche Regierung erneut mit 1,7 Prozent Wachstum, während der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nur von 1,3 Prozent ausgeht.

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