«Ein Euro-Aus wäre ein direkter Schlag für die Schweizer Industrie»

Johann Schneider-Ammann, Präsident der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, macht sich Sorgen über einen möglichen Zusammenbruch des Euro.

Skeptischer Blick: Swissmem-Präsident Johann Schneider-Ammann an einer Pressekonferenz im September 2009.

Skeptischer Blick: Swissmem-Präsident Johann Schneider-Ammann an einer Pressekonferenz im September 2009.
Bild: Keystone

Für die bereits jetzt unter der Euro-Schwäche leidende Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) wäre ein Kollaps der Gemeinschaftswährung ein harter Schlag. Es bestehe das Risiko eines Zusammenbruchs der Währungsunion, sagte Branchenverbandspräsident Johann Schneider-Ammann.

«Das macht ein Stück weit Angst», sagte der Präsident des Verbands Swissmem in der TV-Sendung «Handelszeitung Börsenstandpunkte», die am Sonntag auf SF1 ausgestrahlt wurde. Dieses Szenario wolle er gar nicht weiterdenken. Denn ein Aus der Währungsunion würde zu Instabilität und Unsicherheit in Europa führen.

Dann würde in der Euro-Zone nicht mehr investiert, weshalb auch Schweizer Produkte und Dienstleistungen nicht mehr gefragt wären, sagte Schneider-Ammann: «Das wäre ein direkter Schlag für unsere Industrie.» In der Folge hätten Schweizer Firmen weniger Arbeit und müssten Stellen abbauen. «Wie viele das wären, kann kein Mensch sagen», sagte der Swissmem-Präsident.

Euro-Zerfall bereits spürbar

Der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie macht der Zerfall des Euro bereits jetzt zu schaffen. So schnell wie der Kurs gesunken sei, könnten sich die Schweizer Firmen gar nicht anpassen, sagte Schneider-Ammann. Die MEM-Industrie sei fit für einen Wechselkurs des Euro bei 1,50 Franken. Auch an tiefere Wechselkurse werde sich die Exportwirtschaft anpassen.

Aber: Um das Wechselkursproblem auszuschalten, kauften Schweizer Firmen Komponenten vermehrt dort ein, wo sie ihre Produkte auch verkauften, sagte Schneider-Ammann. Dadurch würden Schweizer Zulieferer übergangen. Diese faktische Verlagerung in die Internationalität werde Arbeitsplätze kosten.

Dollar-Stärke hilft

Ein Stück weit helfe die Dollar-Stärke, die Euro-Schwäche wettzumachen. Aber das Schwergewicht der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie liege in der Euro-Zone, wo zwei Drittel des Geschäfts gemacht würden.

Immerhin stärke der schwache Euro die deutsche Exportindustrie, für die die Schweizer Firmen ganz wichtige Zulieferer seien. Dies eröffne Chancen für hiesige Unternehmen. «Wenn es der deutschen Exportwirtschaft gut läuft, reduziert das das Risiko für die Schweizer Industrie ein Stück weit», sagte Schneider-Ammann.

Nur langsame Erholung

Die MEM-Industrie hat zwar den Konjunkturtiefpunkt des letzten Jahres überwunden, sie erholt sich aber nur langsam. Die Kapazitätsauslastung lag im ersten Quartal mit 76,6 Prozent noch deutlich unter dem langjährigen Mittel von 86,1 Prozent.

Auch die Umsätze der Unternehmen sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6 Prozent. Aber die Auftragseingänge aus dem Ausland kletterten im ersten Quartal 2010 um gut ein Fünftel; im Inland nahmen sie um fast ein Viertel zu. (jak/sda)

Erstellt: 06.06.2010, 20:41 Uhr


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