Wirtschaft

Ein Unentschieden für Italien

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 29.12.2011 5 Kommentare

Die Finanzmärkte haben lauwarm auf die Versteigerung von italienischen Staatsanleihen reagiert: Es wurden weniger Obligationen gekauft als vorgesehen, aber die Zinsen sind deutlich gefallen.

Die Auktion mit Argusaugen verfolgt: Händler in Frankfurt (Archivbild).

Die Auktion mit Argusaugen verfolgt: Händler in Frankfurt (Archivbild).

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Mario Monti

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Als EU-Wettbewerbshüter hat Mario Monti einst gar Microsoft in die Knie gezwungen – der Computerriese musste eine Busse bezahlen und Informationen mit Konkurrenten teilen. Gegen die Finanzmärkte kann sich Monti noch nicht durchsetzen: Italien konnte an der Auktion zwar Staatsobligationen im Wert von 7 Milliarden Euro absetzen. Doch vorgesehen waren 8,5 Milliarden Euro. Das zeigt, dass die Märkte immer noch grosse Hemmungen haben, Italien unter die Arme zu greifen. Einen Teilerfolg hat Monti erzielt: Die Zinsen sind deutlich gefallen.

Italien muss in diesem Frühling rund 200 Milliarden Euro Schulden refinanzieren, bis Ende 2012 sind es gar gegen 400 Milliarden Euro. Wie hoch der Zins dieser Schulden sein wird, spielt eine entscheidende Rolle, denn die Milchbüchleinrechnung lautet: Ein Prozent mehr Zins kostet die italienischen Steuerzahler vier Milliarden Euro jährlich. Kein Wunder, ist das Spektakel der Staatsobligationen-Auktion vom Finanzpublikum mit Argusaugen verfolgt worden.

Berlusconis Antithese

Die Hauptprobe gestern ist sehr gut verlaufen. Italien konnte Staatsanleihen in der Höhe von 9 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von sechs Monaten zu einem Zinse von 3,25 Prozent absetzen. Im November war der Zins dieser Papiere noch doppelt so hoch. Die Auktion von heute ist zwiespältig ausgefallen: Dreijährige Obligationen im Wert von 2,5 Milliarden Euro konnten zu einem Zins von 5,62 Prozent abgesetzt werden, zehnjährige im Wert von 2,5 Milliarden für 6,98 Prozent. Obligationen im Wert von zwei Milliarden Euro mit einem floatenden Kurs wurden ebenfalls verkauft.

Mit Monti erlebt Italien einen Kulturschock. Der nüchterne Ex-Banker ist die Antithese zu Silvio Berlusconi und wird bereits mit einem Roboter verglichen. Trotzdem zeigen Meinungsumfragen, dass mehr als die Hälfte der Italiener Monti vertrauen. Es ist ihm auch gelungen, ein 40-Milliarden-Euro-Sparpaket durch das Parlament zu drücken. Allerdings befindet sich die italienische Wirtschaft bereits in einer Rezession. Es wird mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts von 0,5 Prozent gerechnet. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, vor allem bei den Jungen. Wenn es Monti nicht gelingt, rasch die Wirtschaft anzukurbeln, wird er bald in grossen Schwierigkeiten stecken.

Ein Unentschieden nützt keinem

Die Auktion war auch ein erster grosser Test für den anderen Mario, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi. Dieser hat den europäischen Banken ein 500-Milliarden-Euro-Weihnachtsgeschenk beschert in der Form von Krediten mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem lächerlich tiefen Zins von einem Prozent. Die unausgesprochene Erwartung lautet, dass die Banken im Gegenzug spanische und italienische Staatsanleihen kaufen und so für erträgliche Zinsen sorgen. Draghi hat damit den Ausgang durch die Hintertür gewählt: Er hat Nein gesagt zur «grossen Bazooka», der EZB als Kreditgeberin in letzter Instanz, er hat aber gleichzeitig den Banken eine massive Geldspritze verpasst. Ist er dafür belohnt worden?

Nicht wirklich. Die Auktion der langlaufenden italienischen Staatsanleihen hat mit einem Unentschieden geendet, das – wie es in der Fussballsprache so schön heisst – keinem nützt. Italien wird weiterhin im Fokus der Finanzmärkte bleiben und bangen müssen, dass die Zinsen steigen. EZB-Präsident Mario Draghi weiss nicht, ob sein Zaubertrick funktioniert hat und wird möglicherweise die «grosse Bazooka» bald in Stellung bringen müssen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.12.2011, 14:26 Uhr

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5 Kommentare

Stefano Vitelli

29.12.2011, 14:56 Uhr
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Es ist das Elend unserer Zeit, dass den Finanzmärkten soviel Relevanz beigemessen wird. Mit welcher Berechtigung? Wie haben die sich das verdient? In Krisensituationen reagieren die Finanzmärkte wie eine Schar panischer Hühner und in Boomzyklen wie eine Horde willenloser Lemminge. Rationales Verhalten ist offenbar nicht möglich.... Antworten


Andres Müller

29.12.2011, 14:58 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Herr Löpfe, ... weshalb die Zinsen der IT Staatsanleihen gefallen sind. Die Swaps -Geschäfte welche die EZB derzeit über die FED durchzieht wurde von den Banken aufgesogen die nun damit IT- Bonds gekauft haben. Mit der Zinsdifferenz wird Gewinn perpetuum aus Luft generiert. Innerhalb 1 Woche: 62 Milliarden Swap-Umsatz (Geldmenge erhöht ). Was verstehen Sie denn noch unter unter Bazooka? Antworten



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