Wirtschaft
Ein griechischer Schuldenschnitt würde für die EZB besonders teuer
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 17.05.2011 12 Kommentare
Minime Risiken
Schweizer Finanzkonzerne
Die grossen, international operierenden Schweizer Finanzkonzerne sind nur in bescheidenem Masse in griechischen Staatsanleihen investiert. Per Ende 2010 belief sich das Engagement der UBS auf brutto 38 Millionen Franken; netto, also nach Abzug der Kreditabsicherungen, waren es noch 31 Millionen. Die Credit Suisse bezifferte ihr Engagement in griechischen Staatstiteln per Ende März 2011 auf brutto rund 100 Millionen und netto auf null. Darüber hinaus war die Credit Suisse Gläubigerin gegenüber griechischen Banken sowie anderen Unternehmen des Landes im Umfang von netto je rund 100 Millionen Franken.
Die Zurich hielt per Ende März 27 Millionen Dollar in griechischen Staatsanleihen, verglichen mit konzernweiten Kapitalanlagen von 202 Milliarden Dollar. Swiss Re ist bei Staatspapieren kaum engagiert, und die Anlagen in griechischen Firmenanleihen erreichten Ende des ersten Quartals laut einem Sprecher «weniger als 1 Prozent» der gesamten Kapitalanlagen von rund 146 Milliarden Dollar. Swiss Life hat ihr Engagement in griechischen Staatstiteln im Verlauf von 2010 laut einem Sprecher «deutlich reduziert» und hielt am Jahresende 48 Millionen Franken, was «circa 0,04 Prozent der Kapitalanlagen» entspreche; griechische Firmenanleihen hält der Lebensversicherer gar keine. (rm.)
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Da unter nicht regierungsgebundenen Ökonomen immer vernehmlicher über die Möglichkeit eines Schuldenschnitts für Griechenland diskutiert wird – die Märkte haben ein solches Ereignis längst schon in die Kurse griechischer Staatsanleihen eingepreist –, stellt sich die Frage: Welche Institutionen wären davon besonders betroffen, sprich: müssten die höchsten Wertberichtigungen verkraften? Auf Platz eins steht nach Berechnungen von Bankanalysten die Europäische Zentralbank (EZB) – bei ihr fiele im Fall einer griechischen Umschuldung der grösste «Schaden» an.
EZB nur teilweise abgefedert
Die EZB hat griechische Anleihen im Nominalwert von gegen 200 Milliarden Euro in ihren Büchern, wie die US-Bank J. P. Morgan schätzt. Davon entfallen 50 Milliarden auf griechische Staatspapiere, welche die Euro-Notenbank im Rahmen ihres vor Jahresfrist begonnenen Kaufprogramms zur Stützung der Anleihenmärkte in Euroland erworben hat. Weitere Titel im Nominalwert von rund 144 Milliarden (Stand Ende Februar) sind bei der EZB als Sicherheiten hinterlegt für Liquiditätsgeschäfte mit griechischen Geschäftsbanken. Gut drei Viertel dieser Sicherheiten bestehen laut J. P. Morgan aus griechischen Staatstiteln oder staatlich garantierten Anleihen, die von einer allfälligen Umschuldung unmittelbar betroffen wären.
Dem 194 Milliarden Euro schweren Engagement auf der Passivseite der EZB-Bilanz stehen Aktiven in Form von Investitionen und Ausleihungen von 131 Milliarden – entsprechend 68 Prozent des Nominalwerts – gegenüber. Daraus ziehen die Analysten von J. P. Morgan den Schluss, dass die EZB einen griechischen Schuldenschnitt von bis zu 32 Prozent absorbieren könnte. Bei einem «Haircut» von 50 Prozent, mit dem vielerorts kalkuliert wird, müsste die Notenbank aber einen Verlust von ungefähr 35 Milliarden Euro verbuchen.
Franzosen prominent vertreten
Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) hat ähnliche Zahlen errechnet: Ihre Analysten veranschlagen das Nettoengagement der EZB gegenüber Griechenland auf 65 (J. P. Morgan: 63) Milliarden Euro oder 20 Prozent der gesamten griechischen Staatsschulden im Volumen von rund 330 Milliarden. Stärker exponiert ist einzig noch die Gesamtheit der griechischen und zypriotischen Banken, die laut UBS-Schätzungen 72 Milliarden an Staatsschulden oder 22 Prozent des griechischen Gesamttotals halten. Deutlich dahinter folgen die französischen und deutschen Geldhäuser: Sie sind mit 11 respektive 8 Milliarden Euro gegenüber dem griechischen Staat exponiert (siehe Grafik).
Bei Betrachtung der einzelnen Bankhäuser liegen in der UBS-Rangliste unter den Nichtgriechen die französischen Institute BNP Paribas und Société Générale mit Engagements in griechischen Staatsschulden von 4,9 beziehungsweise 4,0 Milliarden zuvorderst. Besonders prekär ist die Lage jedoch für die drittplatzierte französisch-belgische Dexia: Ihre «Exposure» von 3,7 Milliarden Euro entspricht laut UBS nicht weniger als 42 Prozent des Eigenkapitals. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.05.2011, 22:19 Uhr
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12 Kommentare
"Rettungspaket" = Darlehen. Ein Darlehen zu geben, dessen Zinslast die Reduktion der Schulden fast oder ganz unmöglich macht nennt man Konkursverschleppung. Warum also?
Der Verdacht entsteht dass hier nur darum geht, Verluste privater Bankhäuser zu vermeiden, zu Lasten der europäischen Steuerzahler. Nach dem alten Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.
Antworten
Man hat Staaten die nicht zusammenpassen unter einem Schirm, sprich Währung, genommen mit dem Resultat das wir heute haben. Es ging mehr als ein Jahrzehnt gut. Nun kommt wahrscheinlich das Unausweichliche. Wenigstens haben die "Nehmerländer" teilweise eine verbesserte Infrastruktur und die "Geberländer" werden mehr oder weniger zum Teil in die Röhre gucken, ein wenig salop formuliert. Antworten
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