Euro-Franken-Kurs legt kräftig zu

Wieder deutlich über 1.10: Warum die Schweizer Währung derzeit an Boden verliert.

Ein Chart ganz nach dem Geschmack der Schweizer Exportindustrie: Der Euro übersteigt am Dienstag zum Franken teilweise die Marke von 1.1028.

Ein Chart ganz nach dem Geschmack der Schweizer Exportindustrie: Der Euro übersteigt am Dienstag zum Franken teilweise die Marke von 1.1028.

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Der Franken lässt gegenüber dem Euro Federn. Der Wechselkurs übersprang seit Montag mehrmals die Marke von 1.10. Am Dienstag gegen 17.30 Uhr kletterte der Euro im Vergleich zum Franken auf den Tageshöchststand von 1,1043 Franken. Im Tagesverlauf legte der Euro damit um 0,48 Prozent zu. «Die Entwicklung der wöchentlichen Sichteinlagen des eidgenössischen Geschäftsbankensektors bei der Schweizerischen Nationalbank signalisiert, dass die eidgenössischen Währungshüter vermutlich wieder an den Devisenmärkten aktiv sind», heisst es in einem Kommentar der VP Bank. Der Anstieg der Sichteinlagen sei aber gemessen an der Entwicklung des Vorjahres «verhältnismässig gering».

«Zu vermuten ist, dass die SNB bemüht ist, die gegenwärtige Schwächephase des Franken noch weiter anzuschieben», so die Experten weiter.

Unter fundamentalen Gesichtspunkten sei die Marktbewegung zu begrüssen. «Zwar schlug sich die eidgenössische Exportwirtschaft in Anbetracht des teuren Franken verhältnismässig gut, doch die Gesamtwirtschaft leidet». Da der Franken auch auf den gegenwärtigen Niveaus noch immer überbewertet sei, «dürften sich die Abwertungen in den kommenden Monaten moderat fortsetzen».

Das Schweizer Unternehmerlager dürfte aufatmen, so die VP-Bank-Analysten weiter. «Noch vor einem Jahr herrschte die Angst vor Wechselkursnotierungen von 0.80. Das hat sich nun nicht bestätigt.» Viele Unternehmen hätten Kosten reduziert, Prozesse optimiert und auf Marge verzichtet. Diese Anpassungen würden nun zusammen mit einem schwächeren Wechselkurs doppelte Wirkung entfalten.

UBS: Negativzinsen bleiben

Zu Wort melden sich auch die UBS-Ökonomen und zwar zum Negativzins. Ihrer Einschätzung nach werde die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Negativzinsen auf dem aktuellen Niveau von -0,75 Prozent belassen, und zwar während des ganzen Jahres 2016. Ändern wird die SNB wohl nur etwas, wenn sich der Euro gegenüber dem Franken unerwartet stark abwerten sollte, teilten die Ökonomen der Grossbank am Dienstag mit.

Dies wäre der Fall, wenn Interventionen am Devisenmarkt nicht ausreichen sollten um den Euro-Franken-Kurs zu stabilisieren. Die UBS verortet die «Komfortzone» der SNB bei einem Preis von 1,07 bis 1,10 Franken für den Euro. Die Schmerzgrenze der SNB liege bei 1,05 Franken. Könne der Kurs des Euro zum Franken in diesem Bereich gehalten werden, dürfte die SNB von weiteren Zinssenkungen absehen, so die UBS-Experten.

Mehr Arbeitslose

Der Schweizer Franken dürfte laut den UBS-Ökonomen vor allem gegenüber dem Euro hoch bewertet bleiben. Die UBS gehe daher für 2016 von einem nur zögerlichen Anstieg der Exporte und von einem Wirtschaftswachstum in der Höhe von 1,4 Prozent aus und bestätigt damit ihre bisherigen Prognosen. 2017 sollte die hiesige Wirtschaft dann um 1,8 Prozent expandieren, so die UBS.

Das schleppende Wirtschaftswachstum dürfte zudem laut der Grossbank die durchschnittliche Arbeitslosenrate von 3,3 Prozent im letzten Jahr auf 3,5 Prozent im laufenden Jahr ansteigen lassen. Die UBS-Ökonomen erwarten, dass der Privatkonsum dennoch um 1,4 Prozent wachsen wird, weil die steigenden Reallöhne den Effekt der höheren Arbeitslosigkeit auf die Haushaltseinkommen kompensieren dürften.

Die Gefahr einer Deflationsspirale scheine aber gering, trotz negativer Inflationsraten. Erwartet wird ein Rückgang der Konsumentenpreise um 0,4 Prozent. Denn die hiesige negative Teuerung widerspiegle hauptsächlich die Anpassung der Wirtschaft an abrupte Wechselkursverschiebungen und an fallende Ölpreise, so die UBS. (cpm)

(Erstellt: 26.01.2016, 16:16 Uhr)

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