Wirtschaft

Euro-Krise? Nationalbank sorgt sich um die Schweiz

Aktualisiert am 30.04.2010 10 Kommentare

Die Sorgen um die Staatsfinanzen einzelner Euroländer sind auch für die Schweiz ein Risiko. Einen zu starken Franken will der Präsident der Nationalbank aber verhindern.

Klares Konzept für die Schweiz: Philipp Hildebrand.

Klares Konzept für die Schweiz: Philipp Hildebrand.
Bild: Keystone

Dies sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, an der Generalversammlung vom Freitag in Bern. Sollte der Euro an Stabilität verlieren, würde sich dies laut Hildebrand zwangsweise negativ auf die Schweiz auswirken, vor allem wenn sich der Franken in seiner Funktion als «sicherer Hafen» stark aufwerten sollte. Die Nationalbank will aber nicht zulassen, dass so ein «neues Deflationsrisiko» entsteht. Sie werde einer übermässigen Aufwertung des Franken «entschieden entgegenwirken», bestätigte Hildebrand die seit Monaten gültige Parole der Währungshüter an die Finanzmärkte.

Trotz der verschärften Krise Griechenlands und den Ratingherabstufungen auch für Portugal und Spanien notiert der Franken zum Euro seit einem Monat ziemlich stabil auf 1.43 Franken. Bis Dezember hatte die SNB den Kurs durch Euro-Käufe bei über 1.50 Fr. halten können. Allerdings türmten sich in den Büchern im ersten Quartal bereits 56,4 Milliarden Euro, nach 37 Milliarden Ende 2009. Die Devisen-Interventionen sollen verhindern, dass sich mit einem stärkeren Franken die Schweizer Exporte verteuern.

Risiken für Preisstabilität an beiden Enden

Für die Schweizer Konsumenten würden Ausgaben im Euroraum zwar billiger. Damit würden aber auch Importe günstiger, was zu einer Deflation führen könnte. Gleichzeitig muss die SNB auch gegen mögliche Inflation Gewehr bei Fuss stehen. Denn die Nationalbank hat im Zuge der Krisenbekämpfung den Banken «in grossem Masse Liquidität zur Verfügung» gestellt.

Die SNB verfüge über die notwendigen Instrumente, so Hildebrand, um bei Bedarf rasch und in grossen Mengen Liquidität abzuschöpfen. Die Herausforderung bestehe jedoch «in der Wahl des richtigen Zeitpunkts für eine Normalisierung der Geldpolitik», nachdem der Leitszins-Zielsatz seit März 2009 auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent liegt.

Massgebend für die Zinswende werde die Inflationsprognose der SNB sein, die derzeit allerdings mit grossen Unsicherheiten behaftet sei, sagte Hildebrand weiter. Faktoren wie die Unsicherheit rund um die Konjunktur und die Lage an den Finanzmärkten würden miteinbezogen. Obwohl der Aufschwung mit Risiken behaftet sei, rechnet die SNB für das laufende Jahr weiterhin mit einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft um rund 1,5 Prozent. (raa/sda)

Erstellt: 30.04.2010, 11:13 Uhr

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10 Kommentare

Heinrich Tischhauser

30.04.2010, 11:37 Uhr
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Die SNB ist seit Jahren für die Schweiz ein Garant für eine stabile Geldpolitik. Auch jetzt macht sie was sie kann, um den Fall des Euros abzufedern. Nur wird sie den Euro zum Franken ohne erhebliche Risiken einzugehen nicht stabilisieren können. Der Euro leidet unter Mehrländerschwächen, nicht nur um die von Griechenland. Die SNB wird die Schwächen des Euros insgesamt nicht heilen können. Antworten


Naomi Luigi

30.04.2010, 11:44 Uhr
Melden

Bald 60 Milliarden Euro in den Büchern unserer Nationalbank. Ist das nicht auch ein grosses Risiko, Wenn der Euro weiter fällt macht die Nationalbank doch Riesenverluste. Diese muss schlussendlich auch der Steuerzahler übernehmen. Da internationale Spekulanten im grossen Stil gegen den Euro spekulieren, steht doch unsere kleine Nationalbank auf verlorenem Posten, es gewinnen die Spekulanten. Antworten



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