Faires Gold für die Schweiz

Die Seco-Initiative Swiss Better Gold Initiative (SBGI) hat sich ein hehres Ziel gesetzt: Abbau und Handel von Gold sollen sozial und ökologisch nachhaltiger werden. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen.

Die Bevölkerung leidet unter dem Goldabbau: Im peruanischen Celendin kämpfen die Bewohner gegen eine Bergbaukonzern, der ihnen für eine Mine das Wasser abgräbt.

Die Bevölkerung leidet unter dem Goldabbau: Im peruanischen Celendin kämpfen die Bewohner gegen eine Bergbaukonzern, der ihnen für eine Mine das Wasser abgräbt. Bild: Reuters

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Den Abbau und den Handel von Gold sozial und ökologisch nachhaltiger machen. Dies hat sich die vom Seco initiierte und koordinierte Swiss Better Gold Initiative (SBGI) zum Ziel gesetzt. Das Projekt steckt aber noch in den Kinderschuhen, besteht bis anhin doch erst eine einzige Kooperation mit der peruanischen Mine Sotrami.

Aus dieser genossenschaftlich organisierten Mine in der Atacamawüste im Süden Perus wurde nun erstmals seit dem Start der SBGI im Frühjahr 2013 Gold in die Schweiz importiert. Es handelt sich dabei mit 25 Kilogramm um eine relativ bescheidene Menge. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2013 wurden insgesamt rund 1600 Tonnen des Edelmetalls, also 1,6 Millionen Kilogramm, aus der ganzen Welt in die Schweiz importiert.

«Mehr als Tropfen auf den heissen Stein»

Man glaube gleichwohl, dass die SBGI «mehr als nur einen Tropfen auf den heissen Stein» darstelle, erklärte ihr Direktor Thomas Hentschel am Dienstag vor den Medien in Bern. Einberufen wurde die Pressekonferenz vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und von der Swiss Better Gold Association (SBGA). Die beiden Institutionen führen die SBGI im Rahmen eines Private-Public-Partnership.

Mitglieder der SBGA sind zum Beispiel in der Schweiz angesiedelte Goldraffinerien wie Metalor in Neuenburg oder Argor Heraeus in Mendrisio TI. Vertreter dieser beider Firmen sowie des Luxusuhren- und Schmuckherstellers Cartier waren an der Medienkonferenz anwesend. Cartier ist überdies die Firma, die das erste über die SBGI in die Schweiz gelieferte Gold gekauft hat, wie eine Firmenvertreterin bestätigte.

Kleinbergbau im Fokus

Im Zentrum der SBGI stehe insbesondere der Goldkleinbergbau, erklärte Hentschel. Dieser meist informell organisierte Abbau, oft betrieben von Kleinproduzenten, zeichne für rund 20 Prozent des weltweit geförderten Goldes verantwortlich. Nimmt man die zwischen Januar und Juni dieses Jahres auf allen Kontinenten der Welt geförderte Menge von 1400 Tonnen, so stammten also rund 280 Tonnen aus dem sogenannten «Artisanal and Small-Scale Gold Mining».

Gleichzeitig würden aber nahezu 90 Prozent aller weltweit im Goldabbau tätigen Menschen von ebendiesem Kleinbergbau leben, sagte der SBGI-Direktor. Grosse im Goldgeschäft tätige Bergbaukonzerne wie Anglo-Gold Ashanti, Barrick Gold Corporation, BHP Billiton, Rio Tinto oder Glencore Xstrata stellen also nur 10 Prozent des in der Industrie tätigen Personals.

Das Seco sieht deshalb die SBGI allem voran als Entwicklungsinitiative für jene Menschen in Afrika, Asien oder Lateinamerika, die ihren Lebensunterhalt mit dem Abbau und Handel von Gold verdienen. Gemäss Branchenschätzungen sind dies zwischen 10 und 15 Millionen Menschen, davon 3 Millionen Frauen und Kinder.

Lokale Bevölkerung soll profitieren

Die SBGI basiere auf vier Phasen, erklärte der Seco-Leiter für Handelsförderung, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Hans-Peter Egler. Erstens wolle man die Produktion vor Ort umweltverträglicher gestalten. So soll vermieden werden, dass Zyanid oder Merkur die Natur belasten. Die beiden toxischen Substanzen werden zur Herauslösung des wertvollen Edelmetalls aus dem Gestein verwendet.

Auch soll der Ertrag aus dem Goldbau der lokalen Bevölkerung zugutekommen und in den Aufbau ihrer Gemeinden fliessen. Die Handelskette soll transparenter, direkter und besser nachverfolgbar werden. Des weiteren sollen im Abbauland auf politischer Ebene Verständnis und Unterstützung für «nachhaltige» Goldprojekte geschaffen und in der Schweiz ein Markt für «faires» Gold etabliert werden.

Eine Ausweitung der Initiative auf andere Länder wie etwa Kolumbien, Ghana, die Mongolei oder Indonesien sei auch denkbar, sagte Hentschel. Es bestehe «reges Interesse» bei den Regierungen dieser Länder. Bis eine Zusammenarbeit konkret wird, dürfte aber noch einige Zeit verstreichen. So ergänzte Egler vom Seco: «Zuerst einmal müssen wir weitere Goldminen in Peru an Bord holen.» (kpn/sda)

(Erstellt: 15.10.2013, 22:20 Uhr)

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