Franken reagiert deutlich auf EZB-Entscheid

Europas Währungshüter schwemmen den Markt massiv mit Geld. Doch der Franken schwächt sich markant ab.


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Einige Stunden nach der Bekanntgabe der zusätzlichen geldpolitischen Lockerung durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich der Franken markant abgeschwächt. Ein Euro kostete am Donnerstagabend mehr als 1,11 Franken. Vor der Bekanntgabe des Entscheids am Nachmittag waren es 1,0950 Franken gewesen.

EZB-Chef Mario Draghi scheint also Druck vom Franken und damit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) genommen zu haben. Dies zeigen auch die Einschätzungen von Analysten: Die meisten gehen davon aus, dass die SNB an ihrem Treffen kommende Woche die Füsse stillhalten wird.

Erst angezogen, dann abgeschwächt

Zwar weitete die EZB ihre Geldschwemme am Donnerstag massiv aus. Auf der anschliessenden Medienkonferenz erklärte Draghi jedoch, er erwarte nicht, dass es notwendig sein werde, die Zinsen weiter zu senken. Das sorgte für Aufsehen am Markt: Der Franken, der zunächst angezogen hatte, schwächte sich nach den Äusserungen Draghis ab.

Der schwächere Franken spielt der SNB in die Hände, denn sie will einen weiteren Höhenflug des Frankens mit allen Mitteln verhindern. Dafür setzt sie auf Negativzinsen und Strafzinsen für Banken. Letztere liegen derzeit bei minus 0,75 Prozent. Der Schweizer Leitzins Dreimonats-Libor lag am Mittwoch bei minus 0,78 Prozent. Zudem interveniert die SNB bei Bedarf am Devisenmarkt, indem sie andere Währungen kauft und damit den Franken schwächt.

Erwartungen an die SNB

Viele Ökonomen erwarten, dass die SNB bei der nächsten vierteljährlichen Lagebeurteilung kommenden Donnerstag, diese Massnahmen nicht ausweitet. Das Direktorium um Thomas Jordan werde wohl den Wechselkurs in den Mittelpunkt stellen, sagte UBS-Ökonom Alessandro Bee. «Die SNB kommt unter Druck, wenn der Franken aufwertet. Solange das nicht der Fall ist oder die Devisenmarktinterventionen ausreichen, kann sich die SNB zurücklehnen», sagte Bee.

Auch Felix Adam, Chef des Handelshauses ACT Currency in Zürich, erwartet nicht notwendigerweise weitere Schritte des SNB-Direktoriums: «Sie werden immer zuerst die sanfteren Varianten versuchen. Es ist nicht zwingend, dass sie etwas machen müssen», sagte Adam. Credit-Suisse-Ökonom Maxime Botteron geht davon aus, dass die SNB auch in den kommenden Wochen am Devisenmarkt eingreifen wird.

Auch am Markt geht die Mehrheit der Investoren nicht mehr davon aus, dass die SNB den Strafzins demnächst auf minus 1 Prozent senkt. «Der dreimonatige Franken-Geldmarktfuture signalisiert einen stabilen Leitzins», sagte ein Händler. Der Future notierte bei 100,82 Prozent, nachdem er vor der EZB-Entscheidung noch bei 100,89 Prozent gelegen hatte. Das bedeutet, die Hälfte der Marktteilnehmer hatte eine Zinssenkung nicht ausgeschlossen. Anders sieht es für die SNB-Treffen im Juni und September aus, für die Marktteilnehmer weiterhin mit einer Zinssenkung rechnen. (spu/sda)

(Erstellt: 10.03.2016, 18:40 Uhr)

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