Gerüchte befeuern Euro-Franken-Kurs

Wird die SNB am Frankenmarkt intervenieren? Die Nervosität unter Anlegern ist gross. Heute liess eine Nebenbemerkung eines Direktoriumsmitglieds den Eurokurs plötzlich über 1.21 Franken springen.

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Ein kurzer Medienbericht hat heute Nachmittag für Aufruhr gesorgt. Der Franken verlor kurz nach 14:20 Uhr plötzlich an Wert gegenüber dem Euro. Innert wenigen Minuten sprang der Eurokurs von 1.2075 Franken auf 1.2112 Franken. Diese Bewegung ist beachtlich, hatte sich die helvetische Währung zuletzt doch in einer dünnen Bandbreite bewegt: Nahe an der von der SNB festgesetzten Untergrenze, aber mit einem gewissen Sicherheitsabstand zum Wert von 1.20 Franken.

Ursache der heutigen Aufregung war ein Kommentar von Thomas Moser, einem Mitglied des erweiterten SNB-Direktoriums. Dieser hatte am Rande einer Veranstaltung gegenüber einem Journalisten des «Wall Street Journals» gesagt, dass Negativzinsen für die Nationalbank nach wie vor eine Option seien. «Wir haben immer gesagt, dass dies eine Möglichkeit ist», wird Moser zitiert. «Wir haben uns nie gescheut, das zu sagen.»

Anleger tappen im dunkeln

Diese Aussagen stimmen an sich überein mit früheren Stellungnahmen der SNB-Spitze. Beispielsweise sagte Präsident Thomas Jordan anlässlich der letzten Geldpolitischen Lagebeurteilung vom Juni, dass Negativzinsen ein mögliches Instrument seien, um die Untergrenze zum Euro zu verteidigen. Nach den jüngsten Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank wurde trotzem vermehrt darüber diskutiert, ob die Nationalbank jetzt ihrerseits Negativzinsen beschliessen müsse.

Eine Reihe von Spekulanten glaubt dies offenbar. Konsens bleibt allerdings, dass die SNB – falls es überhaupt nötig sein sollte – eher direkt am Devisenmarkt intervenieren und Euros kaufen würde. «Wir bezweifeln, dass ein negativer Zinssatz ein wirksamer Ersatz für Interventionen am Devisenmarkt wäre», schrieben etwa die Ökonomen der Credit Susise in einem Forschungsbericht vor einigen Tagen.

Negativzinsen wären kostspielig

Die Europäische Zentralbank hatte vergangene Woche mehrere Massnahmen ergriffen, darunter auch eine weitere Zinsenkung. Dabei wurde auch der Einlagensatz für Banken von -0,1 auf -0,2 Prozent erhöht. Die Banken zahlen der EZB damit eine höhere Gebühr, wenn sie vorrätige Gelder bei der Zentralbank parkieren. Unter gewöhnlichen Umständen liegen die Einlagensätze der Banken im positiven Bereich, und nicht, wie aktuell im Euroraum, im negativen Territorium.

Auch die SNB könnte theoretisch auf den unverzinslichen Giroguthaben der Banken eine Gebühr erheben. Damit würde sie die Zinsdifferenz von Euro- zu Franken-Anleihen wieder erhöhen und die Attraktivität des Frankens schwächen, wie J. Safra Sarasin in einer kürzlich veröffentlichen Research-Notiz schreibt. Deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren weisen derzeit eine Rendite von -0.08 Prozent auf und sind damit praktisch gleich attraktiv wie Schweizer Bundesobligationen.

Sollte die SNB Negativzinsen beschliessen, so wäre dies für die Schweizer Banken allerdings teuer. Bereits ein Zins von -0,05 Prozent hätte jährliche Kosten von 150 Millionen Franken für die inländischen Banken zur Folge. Dies bei Überschussreserven im Wert von gegenwärtig 300 Milliarden Franken. Wie die meisten Banken rechnet auch J. Safra Sarasin damit, dass sich der Aufwertungsdruck des Euro gegenüber dem Franken über kurz oder lang abschwächt.

In einer Woche berät das Direktorium

Die heutigen Spekulationen bringen zusätzliche Spannung im Hinblick auf die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB vom 18. September. Zwar wird nicht erwartet, dass die Nationalbank konkrete Politikänderungen vornimmt. Interessant dürfte dennoch sein, wie die SNB-Ökonomen die Wirtschaftsaussichten der Schweiz bezüglich Wachstum und Inflation einschätzen.

Diverse Forschungsbüros und Banken haben in den letzten Wochen ihre Prognosen deutlich gesenkt. So korrigierte die CS ihre Prognose für dieses Jahr von 1.8 auf 1.6 Prozent. BAK Basel rechnet nach 2.0 Prozent für 2014 noch mit 1.4 Prozent. Eine merkliche Abschwächung des Wirtschaftsklimas in der Schweiz würde bedeuten, dass die SNB tendenziell zu einer expansiveren Geldpolitik gewzungen sein könnte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 10.09.2014, 15:38 Uhr)

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