Wirtschaft

Griechen bringen ihr Geld in die Schweiz

Aktualisiert am 03.02.2012 22 Kommentare

Im Keller, auf dem Dachboden oder unter der Matratze: Die Griechen verstauen ihr Geld überall, nur nicht auf griechischen Banken. 16 Milliarden sollen im Ausland sein, möglicherweise noch viel mehr.

65 Milliarden Euro abgehoben: Frauen vor der Piraeus Bank in Athen. (21. Juli 2011)

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Bild: AFP

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Das Misstrauen der Griechen in die lokalen Banken hält weiter an. Die Griechen haben in den vergangenen zwei Jahren rund 65 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben, sie fürchten eine Wiedereinführung der Drachme, ein Zusammenbruch der Banken oder einen Eingriff des Staates. 16 Milliarden Euro davon transferierten sie legal ins Ausland, wie der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos heute sagte.

«Weniger als zehn Prozent des Geldes gingen in die Schweiz, 32 Prozent nach Grossbritannien», erläuterte Venizelos. Die restlichen 49 Milliarden Euro hätten die Griechen «in Sicherheitsfächern, in Truhen, in Kellern und Dachböden oder unter dem Bett versteckt.»

Experten sprechen von riesigen Schwarzgeldsummen

Vor rund zwei Jahren hatten die Schuldenkrise und die nachfolgende schwere Wirtschaftskrise in Griechenland begonnen. Anscheinend war der Geldabfluss am stärksten im Herbst 2011 als Ex-Premier Giorgos Papandreou über das EU-Sparpaket abstimmen lassen wollte. Die Stimmung besänftigte sich, als Lukas Papademos Regierungschef wurde.

Bankenexperten schätzen, dass es sich bei den genannten Summen nur um einen kleinen Teil des ins Ausland geflossenen Geldes handelt. Sie vermuten, dass die Geldanlangen griechischer Anleger, die aus Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft stammen, im Ausland mehr als 200 Milliarden Euro betragen.

Noch kein Beschluss zur Griechenlandrettung

Der griechische Regierungschef Lukas Papademos erklärte zwar heute in Athen, die Gespräche mit den privaten Gläubigern seien in der «Endphase». Ein Treffen der Euro-Finanzminister zur Beratung über folgende Schritte soll aber zumindest am Montag definitiv noch nicht stattfinden.

«Wir befinden uns in der Endphase» teilte Papademos mit. Der Schuldenschnitt und das neue Programm für Griechenland «werden die Last der öffentlichen Schulden erleichtern und die Finanzierung des Landes für viele Jahre sichern».

Kein Treffen am Montag

Auch die EU-Kommission äusserte heute die Einschätzung, dass die Verhandlungen über den Forderungsverzicht der Banken zwar «schwierig», ihr erfolgreicher Abschluss aber innerhalb der kommenden Tage «in Reichweite» sei. «Es gibt den klaren Willen der Beteiligten, zu einer Einigung über eine freiwillige Beteiligung der Privatgläubiger zu kommen», sagte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.

Über einen Durchbruch bei den Verhandlungen am Wochenende gibt es offenbar aber noch Zweifel. Ein ins Gespräch gebrachtes Treffen der Eurogruppe zur Lage in Griechenland am Montag findet definitiv nicht statt, wie Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker in Luxemburg mitteilte. Im Verlauf der kommenden Woche sei ein solches Treffen jedoch möglich.

Da im Bemühen um die Griechenland-Rettung die Zeit drängt, wird mit einer Einberufung der Eurogruppe gerechnet, sobald konkrete Beratungen möglich sind. In den vergangenen Tagen hatten EU-Diplomaten mehrfach die Erwartung geäussert, dass die Euro-Finanzminister am Montag über das weitere Vorgehen diskutieren könnten. Für das zweite Hilfsprogramm wurden im Herbst 130 Milliarden Euro veranschlagt. Inzwischen scheint dieser Betrag jedoch nicht mehr auszureichen. Es ist die Rede davon, dass Griechenland weitere 15 Milliarden Euro benötigt.

(kle/sda)

Erstellt: 03.02.2012, 20:18 Uhr

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22 Kommentare

Urs Heinimann

03.02.2012, 23:05 Uhr
Melden 71 Empfehlung

Wieso der Titel "Griechen bringen ihr Geld in die Schweiz"? Präziser wäre "Griechen bringen ihr Geld nach Grossbritannien" sind es doch 32% die dorthin fliessen und weniger als 10% in die Schweiz. Da wird offensichtlich wieder mal versucht, der Schweiz ein negatives Image zu verpassen. Antworten


Walter Reinhart

03.02.2012, 20:58 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Jetzt fehlen nur noch die dummen Bemerkungen, von denen die glauben, die Schweizer Banken müssten jetzt bei den griechischen Kunden nachprüfen, ob sie ihr Geld versteuert haben. Das ist und bleibt Sache der Staaten, aus denen das Geld abgezogen wird. Bei begründetem Verdacht auf Steuerbetrug steht ihnen schliesslich die Möglichkeit eines Amtshilfegesuches offen. Antworten



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