Wirtschaft

Griechenland – und dann der Rest

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 21.06.2011 25 Kommentare

Die Regierung in Athen wackelt und mit ihr die Milliardenhilfe der EU. Übersteht Papandreou das Vertrauensvotum nicht, droht ein Lauffeuer für die gesamte Eurozone.

Trübsal in Griechenland: Der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou bei Gesprächen in Brüssel.

Trübsal in Griechenland: Der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou bei Gesprächen in Brüssel.

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Vorhang auf für den letzten Akt der griechischen Tragödie. Bis Mitternacht soll feststehen, ob der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou eine Regierung zustande kriegt - oder nicht. Das finanzielle Schicksal der hellenischen Republik hängt davon ab. Und mit ihr das gesamte Währungssystem der europäischen Gemeinschaftswährung. Morgen früh stecken die EZB-Räte ihre Köpfe zusammen, um über die Zukunft Griechenlands zu beraten.

Szenario 1: Gibt es eine intakte Regierung, wird zumindest Zeit gewonnen. Experten sind sich aber einig, dass die Reformschritte umgehend eingeleitet und fortgesetzt werden müssten. Die Finanzmärkte könnten dann aber Aufatmen, für die Kursentwicklungen wäre das ein positives Signal. Und der Domino-Effekt der Banken wäre damit vorerst abgewendet.Wohlgemerkt: Vorerst.

Womit wir bei Szenario 2 wären, das die Währungshüter in diesen Stunden weitaus mehr beschäftigt: Hat Griechenland keine intakte Regierung, kann sich das Land auch nicht zu jenen Reformschritten durchringen, die für die weiteren Finanzierungsrunden der EU zugunsten Griechenlands entscheidend wären. 110 Milliarden Euro will Brüssel allenfalls nach Athen auf den Weg bringen. Fliesst kein Geld, ist Griechenland Mitte Juli bekanntlich zahlungsunfähig. Das würde den Banken den Dolchstoss verleihen, der Domino-Effekt wäre perfekt. Die Banken müssten von den Staaten abermals rekapitalisiert und Griechenland in der Eurozone tunlichst isoliert werden, um ein Übergreifen auf die restlichen Eurozonenstaaten zu verhindern.

«Bannmeile» um Griechenland

Ob in so einem Fall die Eurozone auseinanderreissen würde, ist fraglich. Wollen das die Euroländer verhindern, haben sie keine andere Wahl: Sowohl eine Art «Bannmeile» um Griechenland als auch das psychologische Signal für Investoren und Geldinstitute müssten rechtzeitig umgesetzt werden. Um nicht die ebenfalls gefährdeten Länder Portugal, Irland oder Spanien in den Abgrund mitzureissen.

Griechenland ist schon ein schweres Kaliber für die Eurozone im Falle der Zahlungsunfähigkeit. Die anderen genannten Staaten wären das aber noch mehr. Die grossen Länder Deutschland und Frankreich würden die Insolvenz Griechenlands noch eher verkraften, obwohl die Aushaftungen Deutschlands zuletzt als beträchtlich eingestuft wurden. Die grössten Halter griechischer Aushaftungen sind deutsche Banken wie KfW oder Hypo Real Estate - und selbstverständlich auch die Refinanzierungsbank schlechthin - die EZB.

Frankreich hingegen, zweitgrösster Gläubiger Griechenlands in der Eurozone, hatte per Ende März nur noch Aushaftungen in der Höhe von rund zwölf Milliarden Euro. Ein Zahlungsausfall Griechenlands würde die Banken dazu zwingen, gut die Hälfte abzuschreiben. Und sechs Milliarden Euro wären auch für das französische Bankensystem verkraftbar.

Spanien ist kein Wackelkandidat

Dies gilt jedoch nicht für die spanischen Banken, die stark in Portugal investiert sind. Denn nachdem griechische Staatsanleihen stets niederschmetternd bewertet wurden und die Staatsschulden damit weiter explodierten, suchen sich das Anlegerkapital und mit ihm die Spekulanten einfach das nächste Länderopfer. Und das könnte sehr bald Portugal sein. Was Spanien in dieser Situation hilft: Der Bausektor, der einen Anteil an der Gesamtwirtschaft von 13 Prozent hat - und damit auch für Spekulationsblasen anfällig ist - wird zügig auf ein durchschnittliches Niveau der Euroländer von rund fünf Prozent gestutzt. Ausserdem gehört Spanien zu jenen Ländern mit dem niedrigsten Schuldenstand. Und: Das Land hat ein beachtliches Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Spanien ist nicht das schlimmere Griechenland. Noch nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.06.2011, 16:08 Uhr

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25 Kommentare

Thomas Muster

21.06.2011, 17:46 Uhr
Melden 47 Empfehlung

Na dann hoffe ich mal auf ein schnelles Ende dieser EU/Euro-Utopie. Und danach ein Neuanfang in einem Europa der Vaterländer, mit kleinen, flexiblen, selbstverantwortlichen Demokratien, die gemeinsam und friedlich miteinander in einem offenen Markt handel treiben.
Zentralismus und Planwirtschaft sind zum Scheitern verurteilt, irgendwann muss die Menschheit diese Lektion doch mal kapieren.
Antworten


Henri Ginther

21.06.2011, 16:54 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Es werden auch andere folgen z.B. Italien,Spanien, Porugal und auch Frankreich. Ich bin für angemessene SOZIALLEISTUNGEN aber man kann ja alles übertreiben. Vernünftige Arbeitsverträge und Sozialleistungen und arbeiten von Montag bis Freitag und bei 81/2 Stunden am Tag und vernünftige Ferien und nicht übertreiben. Das sollten sich die Sozialdemokraten und die SP hinter die Ohren schreiben. Antworten



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