Wirtschaft
Griechisches Finanzdebakel bedroht Schweizer Banken
Aktualisiert am 10.02.2010 54 Kommentare
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Das Horrordefizit von Griechenland macht den Banken Sorgen. Ein Zahlungsausfall würde vor allem europäische Institute treffen. «50 Prozent der Forderungen ausländischer Banken gegenüber griechischen Schuldnern sind beim griechischen Staat. Eine Pleite Athens würde also das europäische Ausland und seine Banken heftig treffen», sagt Citigroup-Strategin Giadi Giani gegenüber der «Financial Times Deutschland, FTD».
In Griechenland ist die Haushaltslage katastrophal. Findet das Land für seine benötigten Anleihen nicht genügend Käufer, um das Defizit zu verkleinern, könnte das zu einer Zahlungsunfähigkeit führen. Sollte dann keine Hilfe von EU-Staaten oder dem IWF kommen, drohen europäischen Banken massive Abschreibungen, schreiben die Volkswirte der Commerzbank.
Schweiz besonders betroffen
Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden rund zwei Drittel der Schulden Griechenlands von ausländischen Gläubigern gehalten – ein überdurchschnittlicher Wert. Besonders engagiert sind Banken in Europa. Nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gelten die Schweizer Institute mit rund 68 Milliarden Franken als einer der grössten Geldgeber. Nur die französischen Banken steckten mit 80 Milliarden Franken noch etwas mehr Geld in Griechenland.
Doch im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) ist das Risiko gemäss «FTD» für die Schweiz mit Abstand am höchsten: Laut Morgan-Stanley-Ökonomen macht ihr Engagement in Griechenland knapp zwölf Prozent des Schweizer BIP aus. Frankreich folgt als grösstes Land aus der Euro-Zone mit 2,5 Prozent.
In einem Interview in der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» von heute relativert Thomas Jordan, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank, die Gefahr der Destabilisierung für Schweizer Banken. «Das direkte Netto-Exposure der Schweizer Banken gegenüber Griechenland ist deutlich kleiner als die genannte Summe der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.» Die Zahlen seien durch Sondereffekte aufgebläht. Dennoch sagt er: «Man muss die Verunsicherung der Märkte ernst nehmen. Die Gefahr für die globale Finanzstabilität würde deutlich grösser, wenn diese Verunsicherung zunähme und sich auf mehrere Länder ausbreitete.»
Krise könnte zum Flächenbrand werden
Neben Griechenland kämpft derzeit auch Portugal mit einem gewaltigen Haushaltsdefizit. Die desolate Lage in Portugal und Griechenland weckt ernste Befürchtungen. «Ähnlich wie kürzlich die Finanzmarktkrise könnte sich auch diese Krise zu einem Flächenbrand entwickeln - mit Auswirkungen auf andere Länder, auf Bankensysteme und letztlich erneut auf die Konjunktur», warnten die Devisenmarktanalysten der Commerzbank. «Doch im Gegensatz zur Bankenrettung letztes Mal gibt es jetzt unter Umständen keine Institution, die stark genug wäre einzuspringen.»
Experten sehen zudem eine Ansteckungsgefahr für Länder wie Spanien und Italien, sollte Griechenland ausfallen. Weitere Ausfälle, gekoppelt mit Bankpleiten, könnten zu einem Rückfall in die Rezession führen, warnt Charles Wyplosz, Professor für Internationale Ökonomie in Genf, gegenüber der «FTD». «Wenn das passieren sollte, könnten wir in eine schrecklich schlechte Lage geraten - mit Zinsen fast bei null und ohne die Möglichkeit, fiskalisch weiter gegenzusteuern.»
Euro-Länder prüfen Hilfe
Die Risiken für das europäische Bankensystem gelten als ein Hauptgrund dafür, dass die Euro-Länder Hilfe für Griechenland prüfen. Aus Koalitionskreisen in Berlin war zu hören, dass von den Regierungen und Notenbanken verschiedene Möglichkeiten erörtert werden, darunter auch bilaterale Hilfen. Es sei aber noch nichts entschieden.
Europas neuer Gipfel-Koordinator Herman Van Rompuy hat die drohende Staatspleite Griechenlands auf die Tagesordnung der Konferenz der EU-Staats- und -Regierungschefs von morgen gesetzt.
(bru)
Erstellt: 10.02.2010, 16:14 Uhr
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54 Kommentare
Ich glaube, die CH muss sich glücklich schätzen,dass sie nicht in der EU ist.Wenn es für die CH ohne EU-Mitglied zu sein schon prekär ist, wie würde es erst aussehen, wenn die CH in der EU wäre??Bei der CH handelt es sich "nur" um Investitionen, wo man besser in asiatische Länder investiert hätte,statt an Europa kleben zu bleiben! Antworten




